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Endspurt an Freitals Wahrzeichen

Ross und Reiter am König-Albert-Denkmal auf dem Windberg bekommen fehlende Teile zurück – und alten Glanz.

Von Gabriele Fleischer
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Restaurator Uwe Konjen (vorn) und Steinbildhauer Raphael Werner
beim Feinschliff am Relief des reitenden Königs Albert auf dem 353 Meter hohen Windberg. Noch fehlen die Ohren des Pferdes.
Restaurator Uwe Konjen (vorn) und Steinbildhauer Raphael Werner beim Feinschliff am Relief des reitenden Königs Albert auf dem 353 Meter hohen Windberg. Noch fehlen die Ohren des Pferdes. © Egbert Kamprath

Schleifscheibe, Feile und Bildhauerwerkzeuge liegen auf dem Freitaler Windberg - König Albert zu Füßen - unterhalb des 17 Meter hohen Obelisken. Der verantwortliche Steinrestaurator Uwe Konjen aus Bautzen geht mit einer Diamantraspel über den Pferderücken, der frisch geputzt schon in hellen Tönen strahlt - Endspurt für die Restaurierung des einstigen Monarchen. Ob zeitgemäß oder nicht, ein Wahrzeichen der Stadt ist es seit eh und je.

Ein Pferdebein wartet auf den letzten Schliff, gearbeitet aus einem Sandsteinblock, etwa einen mal einen halben Meter groß. Auch eine Mantelfalte von Alberts Gewand hat Steinbildhauer Raphael Werner schon in der Werkstatt der Kamenzer Granitwerke vorbereitet – alles aus Reinhardtsdorfer Sandstein, also nicht weit vom Windberg entfernt, in der Sächsischen Schweiz, gebrochen. Insgesamt zwölf Blöcke sind für die Arbeiten nötig gewesen, rechnet Werner zusammen.

17 Meter hoch ist der Obelisk am König-Albert-Denkmal auf dem Freitaler Windberg. Hinter Planen verborgen arbeiten Restauratoren am Relief.
17 Meter hoch ist der Obelisk am König-Albert-Denkmal auf dem Freitaler Windberg. Hinter Planen verborgen arbeiten Restauratoren am Relief. © Egbert Kamprath

Teile sind aus Sandsteinblöcken neu entstanden

Zuvor am Denkmal mittels Handscanner abgenommene Maße für Gipsformen dienten und dienen den Handwerkern als Vorlage. Alle jetzt neu angefertigten Teile des 1904 eingeweihten Denkmals – Reiterfuß, Pferdebein, Mantelfalte, Zaumzeug und Ohren – werden mit Edelstahldübeln am Relief befestigt und danach an die Originalform angepasst. Die meisten davon hatten zuletzt gänzlich gefehlt.

Viel Handarbeit also, nach den ersten Arbeiten mit Fräse, in den letzten Wochen der Denkmalsanierung. Denn gröbere Werkzeuge sind für die Feinarbeiten nicht geeignet.

Im November, und damit etwas später als geplant, so heißt es aus der Stadtverwaltung als Auftraggeber der Restaurierung, sollen die Arbeiten beendet werden. Im August war mit Reinigung und drei zweiwöchigen Entsalzungszyklen der Auftakt zur Restaurierung gegeben worden. Demnächst werden Fachleute des Landesdenkmalamtes das Werk abnehmen.

Planen schützen Handwerker und Steinteile

Danach, so Uwe Konjen, erhalte das Relief einen Farbanstrich. Um den richtigen Ton der Originalfarbe zu treffen, gebe es derzeit noch Untersuchungen. Wann genau der schützende Anstrich auf Ross und Reiter kommt, hängt von den Temperaturen ab. „Wir brauchen mindestens ein paar Grad plus“, sagt der Bautzener Steinrestaurator, der wieder die Raspel zur Hand nimmt, um unebene Stellen am Relief sorgsam zu bearbeiten.

Große Planen schützen Handwerker und die wertvollen Steinteile vor Regen und anderen Einflüssen. Vor allem den mit Steinfestiger bearbeiteten Originalteilen des Denkmals würde Nässe schaden, sagt Konjen.

Auch für die mit Restaurierungsmörtel geschlossenen Fugen und die ergänzten Fehlstellen, wie an Kragen, Mähne und der Schriftrolle, sind äußere Einflüsse während der Härtung nicht günstig.

König Albert hat dank des handwerklichen Könnens der Restauratoren sein Gesicht zurück. Jetzt blickt er vom Windberg aus wieder auf Freital und das Weißeritztal.
König Albert hat dank des handwerklichen Könnens der Restauratoren sein Gesicht zurück. Jetzt blickt er vom Windberg aus wieder auf Freital und das Weißeritztal. © Egbert Kamprath

Besonderes Geschick war für die Gesichtspartie des Königs nötig, denn die ursprüngliche Gestaltung war vollkommen verloren gegangen, vor allem zerstört durch Umwelteinflüsse, Nässe, Kälte, Hitze, Niederschläge. Wie Uwe Konjen erzählt, hätten die Fachleute anhand von Fotovorlagen die Fehlstellen mit Mörtel modelliert, sodass der Herrscher von einst seinen Blick zurück hat.

64.000 Euro aus der Stadtkasse für den König

"Dort, wo am Denkmal größere Abbrüche entstanden waren, haben wir sogenannte Vierungen, also Ersatzstücke aus Sandstein, mit Epoxidharz eingeklebt und darauf geachtet, dass die Originalsubstanz weitestgehend erhalten bleibt“, sagt Konjen. Bildhauer Werner zeigt, wie die nachgearbeiteten Teile mit Edelstahldübeln am Relief befestigt werden – abbruchsicher und stabil für die nächsten Jahrzehnte.

So wie die beiden Restauratoren, hofft auch Projektleiter Yehya Zakri vom Hochbauamt der Stadt, dass dieses - wenn auch nachträgliche - Geschenk zum 100. Stadt-Geburtstag von allen geachtet wird. In der jüngsten Vergangenheit hatte es bereits Schmierereien am Obelisken gegeben.

Immerhin 64.000 Euro lässt sich die Stadt die Denkmalsanierung kosten. 31.000 Euro steuert die Untere Denkmalschutzbehörde bei.

Denkmal-Geschichte:

  • Nach dem Tod König Alberts von Sachsen 1902 wurden auf Initiative des Konservativen Vereins des Plauenschen Grundes 1903 die ersten Entwürfe für den Obelisken fertiggestellt.
  • Im November 1903 begann der Bau des Denkmals aus Bannewitzer Sandstein nach Entwürfen des Dresdner Architekten Max Hans Kühne. Das Reiterstandbild auf dem Sockel des 17 Meter hohen Obelisken hatte der Dresdner Bildhauer Heinrich Wedemeyer geschaffen.
  • Am 18. August 1904 wurde das König-Albert-Denkmal enthüllt.
  • Bis 1951 war das Reiterstandbild so stark verwittert, dass es überbaut werden musste.
  • 1995 ließ man die Verblendung entfernen.
  • 2007 und 2008 wurde das stark beschädigte Monument größtenteils saniert und die der Talseite abgewandt angebrachte Bronzeplatte erneuert.
  • 2021 wird das Relief mit dem reitenden König Albert restauriert.