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"Ich werde mich erneut um den Bürgermeisterposten bewerben"

Thomas Paul blickt für Rabenau auf ein schwieriges Jahr zurück. Trotzdem fällt seine Bilanz gut aus. Und er hat für 2022 einige Wünsche.

Von Gabriele Fleischer
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Rabenaus Bürgermeister Thomas Paul möchte ab 2022 noch eine dritte Amtszeit anhängen. Denn er hat noch einiges vor.
Rabenaus Bürgermeister Thomas Paul möchte ab 2022 noch eine dritte Amtszeit anhängen. Denn er hat noch einiges vor. © Egbert Kamprath

Seit 6. Januar 2009 ist Thomas Paul (CDU) Bürgermeister der Stadt Rabenau mit ihren Ortsteilen Karsdorf, Lübau, Obernaundorf, Oelsa und Spechtritz. Wie er mit seiner Verwaltung und dem Stadtrat das Leben im etwa 4.400-Einwohner-Ort zwischen Dippoldiswalde und Freital am nördlichen Rand des Osterzgebirges organisiert und wo ihn der Schuh drückt, darüber hat er mit Sächsische.de gesprochen.

Herr Paul, haben Sie es angesichts der sich immer wieder verschärfenden Corona-Situation und der damit verbundenen Unzulänglichkeiten schon bereut, gerade jetzt Bürgermeister zu sein?

Nein, denn es gibt immer wieder Probleme zu lösen und schwierige Situationen zu meistern. Zu meinem Amtsantritt herrschte die Finanz- und Wirtschaftskrise, dann kam 2013 das Hochwasser, und wir werden auch die Corona-Situation durchstehen. Es sind aber gerade die sich stets ändernden Anforderungen und Aufgaben, die das Bürgermeisteramt auch interessant machen. Und es gibt noch einiges zu tun in Rabenau. Daran würde ich gerne weiter mitwirken.

Auch über das kommende Jahr hinaus?

Unbedingt. Ich werde mich zur nächsten Wahl im Herbst 2022 erneut um den Bürgermeisterposten bewerben. Sollten sich die Rabenauer für mich entscheiden, würde ich dann die dritte Amtsperiode antreten.

Und das nach einer schwierigen zweiten Amtszeit. Wie haben Sie als Bürgermeister das zu Ende gehende Jahr empfunden?

Natürlich war es nach den Einschränkungen von 2020 schwierig, auch in diesem Jahr mit dem Virus umzugehen, vor allem, wenn man zu optimistisch geglaubt hat, dass nach dem Frühjahr alles vorbei ist. Irgendetwas zu planen war und ist gerade sehr schwierig.

Was war für Sie 2021 die größte Herausforderung?

Die Unterstützung der Impfaktion im Frühsommer. Die Verwaltung konnte in dieser Zeit selbst nur eingeschränkt arbeiten, weil auch Mitarbeiter an Corona erkrankt oder in Quarantäne waren. Trotzdem ist es gelungen, insgesamt fast 1.100 Impfungen wohnortnah durchzuführen, ohne, dass die Einwohner lange im Internet nach Terminen suchen mussten. Inzwischen gab es auch Booster-Angebote. Für 21. und 22. Januar sind jeweils zwischen 9 und 16 Uhr weitere Auffrischungsimpfungen in der Turnhalle am Stadion von Rabenau geplant. Schwierig war auch immer die Absicherung der Kinderbetreuung in den Einrichtungen, da wir mit dem vorhandenem Personal die entsprechenden Vorgaben einhalten mussten. Aufgrund hoher Ausfälle war die Kindertagesstätte in Oelsa zehn Tage geschlossen.

Wie lief die Arbeit im Rathaus?

Nachdem das Rathaus im April und Mai zu und nur nach vorheriger Terminvereinbarung ein Behördengang möglich war, läuft der Dienstbetrieb aktuell fast normal. Einzig die Vorgaben und Hygienemaßnahmen bestehen weiterhin. Das heißt Abstand, FFP 2-Masken, Desinfektion.

Welche Diskussionen müssen Sie derzeit vor allem führen?

Ich bin in der glücklichen Lage, keine Diskussionen führen zu müssen. Allerdings beschränke ich mich darauf, denen die es wollen Impfangebote zu machen oder dafür zu sorgen, dass eine Kinderbetreuung nach den vorhandenen Möglichkeiten gesichert ist. Die Rabenauer selbst gehen aus meiner Sicht besonnen mit der Pandemie um. Wegen der großen Impfnachfrage im Frühsommer und jetzt zum Boostern glaube ich, dass die meisten Bürger die Impfnotwendigkeit erkannt haben.

Trotzdem bleibt ja wegen der Pandemie einiges liegen. Welche Prioritäten müssen Sie gerade setzen?

Aufgrund der täglichen Pflichtaufgaben und der wegen der Pandemie angebotenen Zusatzleistungen wie die Vergabe von Impfterminen sind manche geplanten Vorhaben wie die Einführung einer Social Media Plattform und „Meine Gemeinde App“ verschoben. Trotzdem blieb von den anstehenden Aufgaben nichts unerledigt.

Was konnte für die Stadt 2021 dennoch realisiert werden?

In der Grundschule Oelsa wurde seit dem Frühjahr an der Erweiterung um zwei Klassenräume gebaut. Allerdings hat die Pandemie hier auch Pläne durchkreuzt. Wegen Verzögerungen bei Materiallieferungen können Innenausbau und Ausstattung erst im nächsten Frühjahr stattfinden. Der Rohbau des Feuerwehr-Gerätehauses in Rabenau ist gewachsen. 2022 startet auch dort der Innenausbau. EU- Fördermittel haben uns beim Bau einer Beleuchtung zwischen der Freitaler Straße und der Siedlung Waldfrieden geholfen. Mehr Parkplätze wurden an der Schule in Rabenau geschaffen. Dort ist Mitte Dezember Rabenaus erste Elektroladesäule installiert worden. Aufladeboxen für E-Bikes folgen im Januar. An mehreren Plätzen haben wir jetzt öffentliches W-Lan und für die Digitalisierung der Grundschule in Oelsa die nötige Technik beschafft.

Und der Mühlberg zwischen Rabenauer Grund und Rabenau ist auch instand gesetzt und neu gestaltet.

Ja, das war ein großer Schritt für uns als familienfreundliche Kommune mit Angeboten für Touristen. Diese Aufwertung fügt sich gut in den zertifizierten nationalen Geopark „Sachsens Mitte“ ein, den Rabenau aktiv unterstützt und wie am Sagenhaften Mühlberg mit Angeboten bereichern will.

Was ist aus Ihrer Sicht nicht gut gelaufen?

Das war eindeutig das Kultur- und Vereinsleben. Dort waren nur sehr wenige Angebote umsetzbar. Aber das konnten wir nicht beeinflussen und war der allgemeinen schwierigen Lage geschuldet.

Die Stadt plant neue Wohngebiete. Was versprechen Sie sich durch mehr Einwohner?

Junge Familien mit Kindern beleben die Stadt und sichern die Eigenständigkeit einer so kleinen Stadt wie Rabenau. Der Kommune entstehen aber durch die damit verbundenen Aufgaben wie Kinderbetreuung auch höhere Aufwendungen als durch steigende Schlüsselzuweisungen Einnahmen zu erwarten sind. Allerdings bekommen wir so zusätzlich noch Anteile aus der Einkommenssteuer, Landeszuschüsse zur Kinderbetreuung und Unterstützung bei der Vorhaltung einer Grundschule.

Welche Aufgaben stehen 2022 vor Rabenau?

Für den Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Spechtritz liegt ein Förderbescheid vor. Damit können wir kommendes Jahr mit dem Bau beginnen. Auf dem Plan stehen Instandsetzungen der Gehwege in Rabenau zwischen dem Pfarrhaus und Abzweig Obernaundorf mit behindertenfreundlichen Haltestellen am Markt, der Neubau eines Dorfgemeinschaftsplatzes in Obernaundorf sowie Austausch und Ergänzung der Straßenbeleuchtung an der Heidestraße in Karsdorf. Dem Landratsamt liegt der Förderbescheid für den ersten Bauabschnitt zum Ausbau der Ortsdurchfahrt Obernaundorf vor. Dafür wird die Stadt den Bau von Gehweg, Straßenentwässerung und Beleuchtung übernehmen.

Was wünschen Sie sich persönlich und der Stadt für 2022?

In erster Linie, dass wir alle gesund bleiben und gemeinsam neue Dinge erleben, zufriedene Einwohner und die Fertigstellung geplanter Projekte. Ich wünsche mir die Rückkehr zu einer Normalität, wie wir sie vor der Pandemie hatten und für meinen Heimatortsteil Oelsa eine hoffentlich erfolgreiche Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Was ich mir auch noch wünsche ist, dass wir uns manchmal etwas Zeit nehmen und darauf besinnen, was in den vergangenen Jahren alles erreicht wurde und nicht aufgrund abstruser Theorien versuchen, den drohenden Weltuntergang herbeizureden.

Zur Person

Thomas Paul ist 45 Jahre alt und hat eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten absolviert. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Ehrenamtlich arbeitet er bei der Feuerwehr mit. Als Eisenbahnfan sammelt er auch Modellbahnen. Kreistagsmitglied für die CDU-Fraktion ist er seit 2014.