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Kontaktlinsen sind oft die bessere Brille

Fast jeder kann heutzutage Linsen tragen. Es gibt aber große Unterschiede bei Materialien, Verträglichkeit und Preisen.

Romy Höher übt unter den Augen von Schwester Angela Hofmann das Einsetzen der Linse.
Romy Höher übt unter den Augen von Schwester Angela Hofmann das Einsetzen der Linse. © Andreas Seidel

Kontaktlinsen haben einen Durchmesser von gut einem Zentimeter. Trotzdem können sie wie eine Brille selbst hochgradige Kurz-, Weit- oder Alterssichtigkeiten ausgleichen. Auch höhere Hornhautverkrümmungen oder trockene Augen müssen heute kein Hinderungsgrund mehr fürs Linsentragen sein.

Hinzu kommt, dass sie fast überall zu haben sind – beim Augenarzt und beim Optiker, im zertifizierten Kontaktlinsenstudio, im Internet und im Drogeriemarkt – mit großen Preisspannen. Was beim Kauf zu beachten ist - die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

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Aus welchen Materialien bestehen Kontaktlinsen?

Weiche Linsen bestehen aus Hydrogel oder Silikon-Hydrogel. „Hydrogel-Linsen sind wegen ihres hohen Feuchtigkeitsanteils angenehm zu tragen, eignen sich bei trockenen Augen und für eine lange Tragezeit aber nicht so gut“, erklärt Dietmar Weiß, Augenarzt und Kontaktlinsenspezialist aus Chemnitz. „Silikon-Hydrogel hingegen gilt als modernster Werkstoff für weiche Linsen“, sagt Andreas Mohr, Optikermeister aus Chemnitz. Das Material sei extrem sauerstoffdurchlässig, nehme aufgrund der speziellen Beschichtung sehr gut Feuchtigkeit auf. „Sie sind damit längere Zeit tragbar, notfalls auch über Nacht.“ Formstabile, harte Kontaktlinsen bestehen aus Silikon oder Fluor-Karbon.

Was spricht für und was gegen weiche Linsen?

„Weiche Linsen spürt man fast gar nicht“, sagt Andreas Mohr, „vorausgesetzt, sie wurden ordentlich angepasst“. Da sie stärker auf der Hornhaut anliegen, verliere man sie nicht so schnell. Doch weiche Linsen sind aufgrund ihres Wassergehaltes pflegeintensiver. Wer sich weniger Arbeit mit der Pflege machen möchte, sollte deshalb auf Tauschsysteme mit kurzen Intervallen zurückgreifen. „Weiche Linsen gibt es als Tages-, Wochen-, Monats- sowie als individuell gefertigte Halbjahres- oder Jahreslinsen“, so der Optiker. Am hygienischsten seien Tageslinsen. „Sie sind steril verpackt und werden nach dem Tragen entsorgt. Die Reinigung entfällt.“ Ein Nachteil ist hingegen, dass sie vor allem beim starren Blick auf den Bildschirm das Auge trocken werden lassen. Außerdem ist die Sauerstoffdurchlässigkeit nicht bei jeder weichen Linse gleich gut und in der Regel geringer als bei einer harten Linse. Zudem ließen sich mit weichen Linsen nicht alle Sehfehler optimal korrigieren – zum Beispiel eine Hornhautverkrümmung ab 3,5 Dioptrien oder eine fortgeschrittene Alterssichtigkeit.

Was spricht für und was gegen harte Linsen?

„Sie garantieren eine optimale Sauerstoffzufuhr, entziehen der Augenoberfläche keine Feuchtigkeit und gewährleisten eine hohe Langzeitverträglichkeit. Zudem bieten sie umfangreiche Möglichkeiten der Sehfehlerkorrektur und haben ein geringeres Risiko für Entzündungen aufgrund besserer Hygiene“, sagt Optikermeister Mohr. „Formstabile Linsen schwimmen auf der Tränenflüssigkeit. Mit jedem Lidschlag bekommt die Hornhaut neue Tränenflüssigkeit und damit Nährstoffe. Reststoffe werden gleichzeitig abgeführt.“ Das mache die Linsen gut langzeitverträglich – vorausgesetzt, man habe sich an das Tragen gewöhnt. Denn der harte Rand erzeuge bei den meisten zunächst ein Fremdkörpergefühl. „Das Tragen muss man trainieren, mit immer länger werdenden Zeitspannen.“ Der Mehrzahl seiner Kunden sei das gut gelungen. Positiv sei auch, dass sich alle Formen der Hornhautverkrümmungen korrigieren ließen. Denn die Tränenflüssigkeit unter der Linse gleiche die Unebenheiten aus. Dadurch ist das Sehergebnis deutlich besser als das der Brille. Doch harte Linsen können schneller aus dem Auge fallen, da sie sich nicht so stark anlegen. Daher sind sie bei staubexponierter Tätigkeit oder Wassersport nicht geeignet.

Gibt es Allergien auf das Kontaktlinsenmaterial?

„Allergien gegen Silikon, Hydrogel oder Fluorkarbon sind extrem selten. Sie werden bei der Auswahl berücksichtigt“, so der Arzt. Auch das sei ein Grund, zumindest die ersten Linsen von einem erfahrenen Augenarzt oder Optiker anpassen zu lassen. Allergien, Unverträglichkeiten oder Entzündungen am Auge kommen oft von unsachgemäßer oder unterlassener Kontaktlinsenhygiene. Manchmal würden auch bestimmte Konservierungsmittel in Pflegemitteln nicht vertragen. „Dafür gibt es Alternativen“, so Weiß.

Wer kann gar keine Kontaktlinsen tragen?

Menschen, die zu Entzündungen in den verschiedenen Augenabschnitten neigen. „Auch, wer sich gar nicht daran gewöhnen kann, sich zum Einsetzen und Entfernen der Linsen selbst ins Auge zu greifen“, so Weiß. Bei manchen Menschen sei der Reflex des Zusammenkneifens der Augen so stark, dass Kontaktlinsen keinen Sinn hätten. Das käme aber sehr selten vor.

Die Hornhautvermessung dient der Kontaktlinsenanpassung.
Die Hornhautvermessung dient der Kontaktlinsenanpassung. © Andreas Seidel

Kann ich mir entsprechend meiner Brillenwerte Linsen online bestellen?

„Das wird nicht gutgehen. Denn bei Kurzsichtigen haben Linsen eine geringere Stärke als das entsprechende Brillenglas, bei Weitsichtigen eine höhere“, sagt Dietmar Weiß. Zudem sei zumindest bei der Erstversorgung eine Augenuntersuchung dringend notwendig. „Wer zu trockenen Augen neigt, häufig Entzündungen am Auge oder eine Hornhautverkrümmung hat, braucht die für diesen Zweck geeigneten Linsen.“ Eine Über- oder Unterkorrektur oder das Festsaugen weicher Linsen auf dem Auge bereiteten sonst unnötig Beschwerden.

Wie teuer sind Kontaktlinsen?

Da es viele Varianten gibt, sind pauschale Preisangaben zu unpräzise. Vor allem die Häufigkeit des Linsentragens entscheidet über die Kosten. So sind weiche Jahreslinsen oft günstiger als 365 Tageslinsen. Deshalb ist die individuelle Beratung durch den Optiker unerlässlich. Diese ist in der Regel kostenlos. Danach erfolgt die Anpassung der Kontaktlinsen durch Optiker oder Augenarzt. Hierbei werden oft auch Testlinsen bestellt, der Umgang mit den Linsen geschult, das Pflegemittel ausgewählt und im Nachgang der Sitz der Kontaktlinsen auf dem Auge regelmäßig kontrolliert. Die Kosten für diese Anpassung variieren je nach Linsentyp und Aufwand, zwischen 25 und 100 Euro bei weichen und zwischen 50 und 200 Euro bei harten Kontaktlinsen. Der reine Materialpreis von weichen Linsen liegt je nach Komfort und Bezugsquelle bei Tageslinsen zwischen 50 Cent und 1,30 Euro pro Stück. Monatslinsen kosten zwischen 2,50 und 15 Euro, individuell gefertigte Jahreslinsen zwischen 40 und 200 Euro pro Stück. Harte Kontaktlinsen sind immer, aufgrund ihrer komplexen Anpassung und Herstellung, für ein bis zwei Jahre konzipiert. Die Kosten liegen zwischen 70 und 300 Euro. „Für medizinische Sonderfälle kann der Preis höher liegen. Hier springt aber meist die Krankenkasse mit ein“, sagt Andreas Mohr.

Was zahlen die Krankenkassen für Kontaktlinsen?

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt nur dann Festbeträge für Kontaktlinsen, wenn bestimmte Voraussetzungen vorliegen – zum Beispiel eine Kurz- beziehungsweise Weitsichtigkeit mit Werten von mindestens acht Dioptrien. „Die Regelversorgung sind harte Linsen“, sagt Hannelore Strobel, Sprecherin der AOK Plus. Weiche Kontaktlinsen könnten erst vom Augenarzt verordnet werden, wenn harte nach ausreichend langem Trageversuch nicht vertragen würden. „Besteht ärztlicherseits kein Anspruch auf Kontaktlinsen, aber auf Brillengläser, können alternativ Kontaktlinsen genutzt werden. Die Krankenkasse übernimmt in dem Fall die Kosten in Höhe des Festbetrages für Brillengläser.“ Seit 1. Oktober 2021 werden unter den genannten Voraussetzungen für harte Kontaktlinsen zwischen knapp 150 und knapp 213 Euro pro Stück in der Erstversorgung gezahlt. Der Betrag schließt Anpassung und Einweisung in Handhabung und Reinigung mit ein. Eine Folgeversorgung nach frühestens sechs Monaten wird mit 117 bis 177 Euro pro Stück vergütet. Für weiche Linsen zahlt die Kasse zwischen 108 und 137 Euro pro Stück in der Erstversorgung. Für die Folgeversorgung gibt es zwischen 75 und 104 Euro pro Linse. Dabei handelt es sich in der Regel um individuell angefertigte Jahreslinsen. Der Versicherte trägt in diesen Fällen nur die gesetzlichen Zuzahlungen – zwischen fünf und zehn Euro pro Linse. „Es sei denn, man ist von der Zuzahlung befreit“, so Hannelore Strobel.

Reichen die Festbeträge?

„Zumindest bei einigen Produkten scheinen uns die Festbeträge zu niedrig“, sagt Jan Wetzel, Geschäftsführer des Zentralverbandes der Augenoptiker. „Deshalb wollen wir prüfen, wie der Gesamtverband der Gesetzlichen Krankenkassen die Festbeträge hinsichtlich Material- und Zeitaufwand in Herstellung und Anpassung kalkuliert hat. Wir haben Akteneinsicht beantragt und behalten uns eine Klage vor.“ Laut AOK Plus ermöglichen die Festbeträge eine qualitativ gute Versorgung. „Doch nicht über eine wirtschaftliche, ausreichende, notwendige und zweckmäßige Versorgung hinaus“, meint Augenarzt Weiß.

Wie pflegt man Kontaktlinsen richtig?

Harte Kontaktlinsen werden mit Intensivpflegemittel benetzt, um Eiweißablagerungen zu lösen, und danach je 15 bis 20 Sekunden lang mit dem Finger im Handteller abgerieben. Anschließend wird mit fertiger Kochsalzlösung gespült und die Linse in einen Behälter mit Aufbewahrungslösung gegeben. Es gibt auch Kombiprodukte, die die Handhabung vereinfachen. Die Reinigungsleistung ist dann aber geringer. In Kontaktlinsenstudios kann man in größeren Abständen auch eine professionelle Reinigung vornehmen lassen, um Eiweißablagerungen und leichte Gebrauchsspuren zu beseitigen. Dieses Reinigen und Polieren kostet zwischen 20 und 50 Euro, so Andreas Mohr. Weiche Linsen werden mit einer Peroxid-Lösung gereinigt. Das manuelle sanfte Bearbeiten ist auch hier ratsam. Erst nach der Neutralisation, der Aufspaltung des Peroxids in Wasser, das je nach Produkt unterschiedlich lange dauert, können die Linsen wieder eingesetzt werden. Der Vorteil dieser Pflege ist, dass kein Konservierungsmittel ans Auge kommt. Alle Linsenarten, die länger als einen Tag benutzt werden, brauchen diese Prozedur. Doch Achtung: Das Pflegemittel ist nur begrenzt haltbar, nach dem Öffnen oft nur einen Monat.

Unsere Serie im Überblick

  • Teil 1: Wie die richtige Brille finden?
  • Teil 2: Was taugen Kontaktlinsen vom Discounter?
  • Teil 3: Lieber Laser statt Brille?
  • Teil 4: Wie lässt sich eine Makuladegeneration aufhalten?
  • Teil 5: Grauer Star: Letzter Ausweg Operation?
  • Teil 6: Grüner Star – Werde ich jetzt blind?
  • Teil 7: Was hilft gegen trockene Augen?

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