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Rekordverdächtig: Glashütter Ratssitzung endet kurz nach Mitternacht

Nicht nur mehrere Lüftungspausen sorgten dafür, dass das Treffen der Abgeordneten am Dienstag besonders lange andauerte.

Von Maik Brückner
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Glashüttes Bürgermeister Sven Gleißberg (parteilos) leitete am Dienstagabend eine denkwürdige Stadtratssitzung im Erbgericht Reinhardtsgrimma
Glashüttes Bürgermeister Sven Gleißberg (parteilos) leitete am Dienstagabend eine denkwürdige Stadtratssitzung im Erbgericht Reinhardtsgrimma © Egbert Kamprath

Die Glashütter Stadträte sind immer wieder für Überraschungen gut. Am Dienstag gab es wieder mal eine. Trotz einer vergleichsweise kurzen Tagesordnung, die gerade mal 13 Punkte umfasste, mussten Räte, Verwaltungsmitarbeiter und Besucher viel Geduld mitbringen. Die Sitzung, die 18.33 Uhr von Bürgermeister Sven Gleißberg (parteilos) im Saal des Erbgerichts Reinhardtsgrimma eröffnet wurde, zog sich hin und dauerte letztlich bis 23.22 Uhr. Der nichtöffentliche Teil war eine halbe Stunde nach Mitternacht zu Ende, wie Gleißberg am Tag danach wissen ließ.

Die langen Debatten - vor allem um den Haushalt - sorgten zum Teil für Frust - vor allem in den Reihen der Hausdorfer, die zur Sitzung gekommen waren, um den Stadtrat dazu zu bewegen, den Bau der geplanten Riesenwindkrafträder abzulehnen.

Manch einer mutmaßte, dass die lange Haushaltsdebatte Taktik des Stadtrats sei, um später eher unbemerkt von der Bürgerschaft ein unangenehmes Thema durchzuwinken. Doch es kam anders. Die Räte, die anfangs leidenschaftlich um jeden Euro im Haushalt gerungen haben, widmeten sich auch ausführlich den Windkrafträdern.

Zum wiederholten Male trafen sich die Glashütter Stadträte im Großen Saal des Erbgerichts Reinhardtsgrimma zu einer Stadtratssitzung. Dieses Foto entstand im Dezember.
Zum wiederholten Male trafen sich die Glashütter Stadträte im Großen Saal des Erbgerichts Reinhardtsgrimma zu einer Stadtratssitzung. Dieses Foto entstand im Dezember. © Egbert Kamprath

Doch nicht nur die ausführlichen Debatten sorgten für eine lange Sitzung. Wie in den vergangenen Sitzungen unterbrach Gleißberg die Sitzung mehrfach für je eine halbe Stunde, um den Corona-Vorschriften Genüge zu tun. Der Saal wurde nach jeweils 75 Minuten gelüftet. Im Unterschied zu vergangenen Sitzungen haben einige Stadträte die Pausen diesmal vor allem dafür genutzt, um erneut über eingereichte Anträge zu beraten. In der letzten Pause wurde dann sogar noch ein neuer Antrag verfasst.

Der ein oder andere hat sich in den Unterbrechungen eine Zigarette angesteckt. Nicht wenige Besucher nutzten die Chance, um den Saal zu verlassen. Doch nicht nur die. Saßen am Anfang noch 15 Stadträte am Ratstisch, so waren es am Ende nur noch zwölf.

So viel ist sicher: Die Sitzung bleibt unvergesslich. Es gab keinen Beobachter, der sich an eine längere Sitzung erinnern konnte. An vielen Stellen wurde lebhaft, aber immer sachlich diskutiert. Der Marketingspruch der Stadt "Hier lebt die Zeit" erhielt mit der Sitzung am Donnerstag wohl auch eine ganz andere Bedeutung.

Überraschend war dann auch das Ende der öffentlichen Sitzung, das nur noch zwei, drei Besucher miterlebten. Beim Punkt "Anträge, Anfragen und Anregungen der Stadträte" wurde keine Hand gehoben. Das war in den vorherigen Sitzungen ganz anders. Vielleicht lag es ja daran, dass es ausgerechnet der 13. Tagesordnungspunkt war.