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Görlitzer Gymnasium schickt hundert Schüler heim

Wegen erhöhter Infektionszahlen müssen viele Schüler des Augustum-Annen-Gymnasiums jetzt erst mal zu Hause bleiben. Unter den Betroffenen wächst die Sorge ums Abitur.

Am Augustum-Annen-Gymnasium wurden viele Schüler am Mittwoch zur Sicherheit heimgeschickt.
Am Augustum-Annen-Gymnasium wurden viele Schüler am Mittwoch zur Sicherheit heimgeschickt. © SAE Sächsische Zeitung

Für eine Schülerin einer zwölften Klasse am Görlitzer Augustum brach am Mittwoch eine Welt zusammen. Sie wurde nach Hause geschickt, weil an der Schule viele Neuinfektionen in den vergangenen Tagen registriert wurden. Frühestens in fünf Tagen kann sie sich aus der Quarantäne mit einem PCR-Test heraus testen. Jetzt bangt die Schülerin aus der Gemeinde Neißeaue um drei Klausuren in der nächsten Woche, ihr Abitur, um ihren Lebensentwurf. Der Grund für ihre Quarantäne: Sie ist nicht geimpft.

Tatsächlich mussten Frank Gröll, Leiter des Augustum-Annen-Gymnasiums, und sein Kollegium zahlreiche Schüler nach Hause schicken. Rund 100 sind es nach SZ-Informationen. "Wir haben leider ein gesteigertes Infektionsgeschehen an unserer Schule", sagt Frank Gröll gegenüber der SZ. Ein sogenanntes exponentielles Wachstum der Fälle seit einigen Tagen. Fast alle Klassen seien betroffen, vor allem die Oberstufe, also die 11. und 12. Klassen.

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Gesundheitsamt und Schule entschieden

Die Schule hatte zuvor die betroffenen Schüler informiert. In dem Schreiben wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Quarantäne bedeutet, keinen Sportverein, keinen Supermarkt und kein Café oder ähnliches zu betreten. Corona-Maßnahmen-Gegner auf Telegram veröffentlichten Teile des Anschreibens und schlussfolgerten: "Alle ungeimpften Schüler nach Hause geschickt: Görlitzer Gymnasium führt faktisch Impfpflicht ein."

Vor zweieinhalb Wochen schrieben Impfgegner bei einem Impftermin für Schüler im BSZ Görlitz Sprüche vor den Eingang. Auch in der Vorsichtsmaßnahme des Gymnasiums Augustum vom Mittwoch sehen manche eine Art „faktische Impfpflicht“.
Vor zweieinhalb Wochen schrieben Impfgegner bei einem Impftermin für Schüler im BSZ Görlitz Sprüche vor den Eingang. Auch in der Vorsichtsmaßnahme des Gymnasiums Augustum vom Mittwoch sehen manche eine Art „faktische Impfpflicht“. © SZ/sdn

Das stimmt nicht, erklärt Frank Gröll. Tatsächlich nach Hause geschickt wurden Schüler, die Kontakt mit infizierten Jugendlichen hatten und nicht geimpft sind, vor allem aus der Oberstufe. Die Schule hat diesen Schritt nicht alleine entschieden, sondern zusammen mit dem Gesundheitsamt des Landkreises, erklärt Frank Gröll.

Hinter dem Schritt stehe er. Eine Situation wie vorigen Winter soll seine Schule nicht noch einmal erleben. Das Augustum-Annen-Gymnasium gehörte im Dezember zu den Schulen im Freistaat, die noch einige Tage vor den vorgezogene Weihnachtsferien schließen mussten. Weil so viele Lehrkräfte und Schüler in Quarantäne oder infiziert waren, dass der Schulbetrieb nicht mehr aufrecht zu erhalten war.

Für den Großteil der Schüler geht der Unterricht normal als Präsenzunterricht weiter.

Warten auf herkömmlichen Impfstoff

Dagegen gibt es keinen Online-Unterricht, wie er monatelang im vergangenen Schuljahr angewandt wurde. Das ärgert nun wiederum die Eltern der Schülerin, sehen darin eine gezielte Benachteiligung. Sie hatten bislang eine Impfung mit mRNA-Impfstoffen abgelehnt, weil sie kein Vertrauen zu dem Impfstoff haben, obwohl sowohl der Impfstoff von Biontech als auch von Moderna alle klinischen Studien bestanden haben. Sie sind auch nicht notzugelassen, wie oft fälschlicherweise behauptet wird.

Stattdessen wartet die Familie, die sich selbst nicht als Corona-Leugner oder Impfgegner bezeichnet, auf einen herkömmlichen Impfstoff, wie er auch gegen die Grippe gespritzt wird. Ein solcher Impfstoff der Firma Novavax ist gerade in der Prüfung und soll möglicherweise noch im vierten Quartal zugelassen werden.

Eine gezielte Benachteiligung kann Schulleiter Frank Gröll durch den nicht angebotenen Online-Unterricht nicht sehen. Tatsächlich ist der nicht möglich, erklärt er. Denn die Lehrkräfte sind im normalen Unterricht eingebunden. Sie werden ihr Möglichstes tun, sagt Frank Gröll, und beispielsweise Arbeitsblätter für die Schüler daheim erstellen, "aber Videokonferenzen wie früher werden nicht möglich sein."

Schule nimmt Sorgen der Schüler auf

Die Sorgen der Neißeauer Familie über den weiteren Werdegang ihrer Tochter sind zwar verständlich. Doch reagiert die Schule auch auf die Einschränkungen durch die angeordnete Quarantäne. So werden die geplanten drei Klausuren für die Tochter in der kommenden Woche zunächst nur von den Anwesenden geschrieben. So steht es auch in dem Schreiben an die Schüler. Wer aufgrund der Quarantäne nicht teilnehmen kann, wird die Klausuren nachschreiben können.

Wie lange die Schüler daheim bleiben sollen, hängt vom Einzelfall ab, die meisten voraussichtlich bis 14. Oktober, erklärt Frank Gröll. Er war auch dabei, als vor zweieinhalb Wochen im BSZ Görlitz ein Impftermin für Schüler mehrerer Schulen in Görlitz und Umland stattfand, auch für Schüler des Augustum-Annen-Gymnasiums. Insgesamt hatten bei einer anonymen Abfrage vorher rund 350 Schüler aus Görlitz und dem Umland Interesse angemeldet, sagte Steffen Hermann vom ASB-Impfteam. Erfahrungsgemäß würden etwa 60 Prozent den Termin wahrnehmen.

So auch vor knapp drei Wochen. "Es war ernüchternd", sagt Frank Gröll. "Ich würde mir eine höhere Impfquote wünschen, dass wir nicht mehr in solche Situationen kommen."

Löbauer Gymnasium muss schließen

Das Gymnasium Löbau muss sogar bis zum Beginn der Herbstferien schließen. Wie der Schulleiter auf der Homepage der Schule mitteilt, gab es seit voriger Woche gehäuft Infektionen. "In dieser Woche war eine nochmals zunehmende Dynamik mit vielen Infektionen und Verdachtsfällen in allen Klassenstufen festzustellen. Die Jahrgangsstufe 11 und eine weitere Klasse befanden sich seit gestern in häuslicher Lernzeit." Am Mittwoch habe das Gesundheitsamt des Kreises die Schließung der Schule empfohlen und das Kultusministerium die häusliche Lernzeit angeordnet.

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