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Aus "Vino e cultura" wird eine Weinbar

Das frühere Restaurant am Untermarkt 2 ist nun "Benigna". Sie gehört zum benachbarten "Horschel" und zum Hotel Emmerich.

Axel Krüger (l.) und Bas Dankers sind die Gesichter der neuen Weinbar "Benigna". Franziska Schulz und Charlott Weise (hinten) haben für die farbige Innenausstattung gesorgt.
Axel Krüger (l.) und Bas Dankers sind die Gesichter der neuen Weinbar "Benigna". Franziska Schulz und Charlott Weise (hinten) haben für die farbige Innenausstattung gesorgt. © Nikolai Schmidt

Überrascht, bedauernd, schadenfroh? Zumindest mit gemischten Gefühlen wurde es in der Görlitzer Altstadt aufgenommen, als das Restaurant "Vino e cultura" auf dem Untermarkt im Herbst 2018 nach fünf Jahren schloss. 

Viele hatten das Essen gelobt und die Kammerkonzerte, Puppentheateraufführungen und andere Veranstaltungen im kleinen Theater genossen. Manche hatten sich aber auch an der kühlen Atmosphäre gestört, den hohen weißen Räumen des Hallenhauses und den vielen spiegelnden Flächen, die mehr Distanz schafften als freundlich einluden.

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Das "Vino e cultura" mit hohen, weißen Räumen, als das Haus Untermarkt 2 noch Wolfgang Göhde gehörte.
Das "Vino e cultura" mit hohen, weißen Räumen, als das Haus Untermarkt 2 noch Wolfgang Göhde gehörte. © Archiv/Nikolai Schmidt

Genau das soll nun anders werden. Ende 2019 hat Wolfgang Göhde das Gebäude verkauft, das er seit 2012 mit viel Aufwand, wertvollen Materialien und Liebe zum Detail sanieren ließ. Der Görlitzer Architekt Christian Weise, dem das benachbarte Hotel Emmerich gehört, ist einer der neuen Inhaber und mit seinem Büro sowie seinem Inneneinrichtungsstudio Ottomar vom Obermarkt hierher, in eine obere Etage gezogen. Sein Geschäftspartner Bas Dankers, der das Restaurant "Horschel" nebenan führt, betreibt nun auch die "Benigna", wie die neue Weinbar heißt. 

Warme Farben, bunte Möbel, weiche Tücher

In den vergangenen Wochen und Monaten haben sich die Räume des früheren "Vino e cultura" in die "Benigna" verwandelt. Aus dem kalten Weiß der Wände wurde ein wärmerer Ton. An die hohen Decken kamen Leuchten in geschwungenen Formen, die den Blick auf die Gewölbe dennoch freilassen. Im großen Wintergarten im hinteren Teil hängen Lampen aus buntem Korbgeflecht in halber Höhe – und schon fühlt man sich weniger verloren in dem zwei Etagen hohen Raum. 

Mit blauen Sofas, orangefarbenen runden Tischen, bunten Stühlen und großen, handgefärbten Tüchern brachte das Künstlerduo Schulz & Weise zusammen mit dem Studio Ottomar Wärme, Leben und eine Reminiszenz an die Geschichte des einstigen Tuchhändlerhauses in die Bar. Hinter dem Duo verbergen sich Weises Tochter Charlott und ihre Freundin Franziska Schulz, die zusammen in Amsterdam Kunst studiert haben. 

Benigna Horschels Geschichte gemalt

Charlott Weise hat außerdem große Bilder gemalt, auf denen sie die Geschichte von Benigna Horschel erzählt: jener jungen Frau, die im 15. Jahrhundert vom reichen Tuchhändler und späteren Bürgermeister Georg Emmerich schwanger, aber nicht geheiratet wurde. Sie war vielleicht der Grund dafür, dass er nach Jerusalem pilgerte, für seine Sünden büßte und eine Nachbildung des Heiligen Grabes in Görlitz bauen ließ. 

Beide wohnten auf dem Untermarkt: Emmerich im heutigen Hotel Emmerich mit dem "Horschel"; Benigna im Haus daneben, wo nun die gleichnamige Weinbar an sie erinnert. 

Links das Hotel Emmerich mit dem Restaurant "Horschel am Untermarkt 1, daneben unter den Arkaden die neue Weinbar "Benigna".
Links das Hotel Emmerich mit dem Restaurant "Horschel am Untermarkt 1, daneben unter den Arkaden die neue Weinbar "Benigna". © Nikolai Schmidt

Die "Benigna" ist zunächst nur an wenigen Tagen geöffnet und vorerst für ein ausgewähltes Publikum: Meist freitags schenkt Axel Krüger Wein aus für jene, die er über Facebook eingeladen hat, für die Gäste von "Horschel" und "Emmerich" sowie für alle, die vorbeikommen und fragen, ob sie ein Glas Wein bekommen können. 

Die Einschränkung des Zugangs soll nicht falsch oder gar elitär verstanden werden. "Wir sind offen für die Görlitzer und die Gäste der Stadt", sagt Bas Dankers. "Aber wir arbeiten noch unter Corona-Bedingungen, wollen manches erst ausprobieren und lassen uns deshalb im Moment noch etwas Zeit mit der konkreten Entscheidung, wie wir die 'Benigna' zukünftig betreiben wollen."

Axel Krüger: der "1. Weinknecht"

Axel Krüger war bis vor rund zehn Jahren selbst Gastronom, zuletzt betrieb er das "Lucy Schulte" auf der anderen Seite des Untermarktes, und einen Weinladen. Heute konzentriert er sich auf die Beratung von Unternehmen zu ihrer internen Kommunikation, vor allem Mittelständlern im deutschsprachigen Raum. Nebenbei und aus "Weinleidenschaft" blieb er aber auch dem Wein treu, beriet zunächst Privatkunden, später auch Hotels. Und als vor einigen Jahren die Jakobs-Passage mit seiner Unterstützung entstand, baute er sich dort einen Weinkeller aus. 

Bereits in den vergangenen drei Sommern veranstaltete er im Restaurant "Jakobs Söhne" immer wieder Weinabende, zu denen er per Facebook einlud. Höhepunkt seiner kulinarischen Ambitionen war die Genussmesse Coolinaria, die er im Juni 2020 mit dem Kühlhaus-Verein zwischen Frauenkirche und Post veranstaltete. In der "Benigna" bezeichnet er sich nun als "1. Weinknecht", der den Gästen Wein empfiehlt und ausschenkt. "Ich habe Bas Dankers im Laufe des Sommers gefragt, ob ich den Weinkeller der Benigna führen darf", sagt Axel Krüger, "und bin dankbar, dass er mich lässt."

Soll die neue Bar mehr Wärme als das frühere Restaurant ausstrahlen, so möchte er das Weintrinken davon befreien, als etwas "für feine Leute" wahrgenommen zu werden. "Man braucht Wein nicht mit abgespreiztem kleinen Finger zu trinken", sagt Axel Krüger, "Winzer trinken Wein aus Wassergläsern." Er will vor allem deutsche Weine zur Geltung bringen, besonders der Generation junger Winzer, denen nachhaltiger, ökologischer Weinanbau wichtig ist. Auch polnische Weine bietet er an.

Kleines Theater wartet Corona ab

Bas Dankers verfolgt bereits im Restaurant Horschel das Konzept, für die Speisen sorgfältig ausgewählte Produkte und Zutaten regionaler Lieferanten zu verarbeiten. Wein bietet er dort unter anderem von der Görlitzer Weinkulisse am Obermarkt an. "Speisegastronomie und guten Wein kann man nicht voneinander trennen", sagt der Restaurantmanager, der zuvor ein Restaurant in Amsterdam leitete. 

Für ihn ist die "Benigna"-Bar mit Wein von Axel Krüger und der Weinkulisse die Erweiterung des "Horschel". Hier stellt er sich Weinverkostungen, Weinmessen und ähnliches vor, aber auch größere geschlossene Gesellschaften wie Hochzeiten, Geburtstage und Firmenfeiern. Die ersten wurden über das "Horschel" schon gebucht. Das kleine Theater über der Bar möchte er zukünftig wieder für Kultur öffnen. Aber erst, wenn Corona überstanden ist.

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