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Was tun gegen den Müll am Berzdorfer See?

Görlitz will das Müllproblem am Berzdorfer See in den Griff bekommen. Doch wird am Ende alles mehr Geld kosten. Anrainer am Bärwalder See kennen das.

Kein Dreck, sondern ein neues Volleyballnetz am Nordoststrand.
Kein Dreck, sondern ein neues Volleyballnetz am Nordoststrand. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Am Montagmorgen sieht das Bild am Nord- und Nordoststrand des Berzdorfer Sees ganz anders aus als vor einer Woche. Keine Müllsäcke in freier Wildbahn, alles sauber. Auch bei Hagenwerder hat die Stadt Görlitz Wort gehalten: Bei dem Parkplatz an der dortigen Seezufahrt steht jetzt ein Müllcontainer. Eigentlich ist die ehemalige Badestelle rechts der Insel der Sinne keine offizielle Badestelle mehr, wird deshalb von der Stadt nicht bewirtschaftet. Dennoch hatte sie einen Müllcontainer angekündigt - gegen die Müllansammlung, die sich am Parkplatz gebildet hatte.

So mancher hatte den nicht mehr kontrollierten Parkplatz bei Hagenwerder zur Müllentsorgung genutzt. Jetzt steht wieder ein Müllcontainer, um das Problem einzudämmen.
So mancher hatte den nicht mehr kontrollierten Parkplatz bei Hagenwerder zur Müllentsorgung genutzt. Jetzt steht wieder ein Müllcontainer, um das Problem einzudämmen. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Besonders vorige Woche, nach dem ersten schönen Badewochenende, war viel Müll liegen geblieben. Warum, dazu ist bei Facebook nach einem SZ-Beitrag eine Debatte entbrannt: Zu wenige Mülleimer? Oder zu wenig Verantwortungssinn bei den Badegästen?

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So sah es vor einer knappen Woche am Nordstrand aus.
So sah es vor einer knappen Woche am Nordstrand aus. ©  privat

Überfüllte Mülleimer

Es fehlt an Entsorgungsmöglichkeiten, sagt etwa Ronny Hasler, der für den Sicherheitsdienst K9 am Nord- und Nordoststrand auf Verkehrssicherheit achtet und die Parkgebühren an der Seezufahrt einnimmt. So sind zum Beispiel die großen Container, die bis voriges Jahr am Nordoststrand standen, weg. Zu oft, hatte die Stadt Görlitz erklärt, wurden sie genutzt, um illegal Hausmüll zu entsorgen. Aber viele sehen es ähnlich wie Hasler. An manchen Stellen fehle es wirklich an Mülleimern, schreibt ein Nutzer, "und wenn welche da sind, dann sind diese mit Müll überfüllt bis zum geht nicht mehr."

Für sie sei das kein Argument, schreibt eine andere Nutzerin. "Es wird doch alles hingetragen, wieso nicht zurück?". Das sehen zumindest auf Facebook viele so. Auch Joachim Schulze, Stadtrat für die Bündnisgrünen in der Fraktion "Bürger für Görlitz": "Es ist doch so: würde alle 15 Meter ein Mülleimer stehen, würden sich manche Zeitgenossen fragen, warum nicht alle 7,5 Meter", schreibt Schulze. "Auch der 'Müll' war in der Regel mal was anderes als vorher und konnte offenbar problemlos hingeschafft werden. Warum kann er nicht wieder mitgenommen werden?"

Mehr Eigeninitiative

Außerdem wirft er die Frage auf, wer dann die zusätzliche Entsorgung bezahlen soll. "Wenn das der Solidargemeinschaft aufgebürdet werden soll, dann bitte nicht über die Erhöhung von Steuern und zum Beispiel Parkgebühren meckern." Schulze verweist auf die Seen in der schwedischen Provinz, wo sorgsamer mit Gemeineigentum umgegangen werde - und appelliert an die Eigenverantwortung. "Daran fehlt es offenbar bei vielen und es wird nach dem Staat beziehungsweise der Stadt gerufen."

Allerdings, die Stadt ist der Betreiber des Nord- und Nordoststrandes, ausgenommen die privaten Gelände. Bis 2019 hatte der Sicherheitsdienst K9 nicht nur auf Verkehrssicherheit und die parkenden Autos am See geachtet, sondern auch die Reinigung von Strand und Strandpromenade, die Müllentsorgung und Toilettenreinigung übernommen. Anfang vorigen Jahres wollte die Stadt die Strandpromenade als öffentlichen Weg widmen. Das Kassenhäuschen an der Seezufahrt sollte ersetzt werden durch Parkautomaten. Aber dann machte der Stadtrat mit Stimmen von CDU und AfD die öffentliche Widmung rückgängig. Der Vertrag mit K9 war da aber schon aufgelöst. Die verschiedenen Aufgaben wurden neu ausgeschrieben.

So ist für die Reinigung an Nord- und Nordoststrand sowie am Hundestrand ein Görlitzer Dienstleister beauftragt, die Müllkörbe am Parkplatz an der Strandpromenade gegenüber dem Abzweig zum Nordstrand werden von der Firma Sapos geleert, bei den Bushaltestellen am See sind die GVB zuständig, bei Hagenwerder der städtische Großvermieter Kommwohnen. Manche Bereiche unterliegen auch noch dem Bergbausanierer LMBV.

Alleine an Nord- und Nordoststrand sowie Hundestrand geht es um ein 39.000 Quadratmeter großes Areal, hatte die Stadt erklärt. An hoch frequentierten Tagen sei die Reinigungsfirma an ihrer Belastungsgrenze. Deshalb will die Stadt nun eine Nachbeauftragung für die wöchentliche Reinigung der Parkplatzflächen am Nordostrand Richtung Deutsch-Ossig vornehmen. Insgesamt dürften die Kosten für die Stadt am See gestiegen sein: Sie hatte voriges Jahr eine andere, wichtige Lücke geschlossen - und die DRK-Rettungsschwimmer mit der Badeaufsicht beauftragt.

Boxberg: eigene GmbH

Ausreichend Mülleimer, dafür plädiert Hans Kaspscheck - zumindest in seinem Reich, den Tonschacht-Seen bei Niesky. Er ist der Verwalter des dortigen Campingplatzes. Sechs Bereiche gibt es für Caravan-Wagen und Gäste mit Zelt. Dass sich in der Corna-Zeit mehr Urlauber für ein Ziel in der näheren Umgebung entscheiden, kann er bestätigen. "Aber wir haben auch viele Tagesausflügler", erzählt er. Mehr Müll? "Kann ich eigentlich nicht bestätigen", sagt Hans Kaspscheck. "Wir hatten uns schon voriges Jahr auf mehr Gäste eingestellt." Zu den Konzeptänderungen gehörten auch mehr Müllbehälter, erzählt er. "Ich denke, das ist auch gut so."

Die Gemeinde Boxberg am Bärwalder See hat eine andere Lösung gefunden. "Wir hatten uns damals bei anderen Seebetreibern, also Kommunen und Privaten informiert, was funktioniert und was nicht", erzählt ein Gemeindemitarbeiter. Vor rund zehn Jahren gründete die Gemeinde einen kommunalen Regiebetrieb mit derzeit sieben Mitarbeitern. Sie sind für die Touristinfo zuständig und dafür, die Infrastruktur rund um den See in Ordnung zu halten - die drei Strände, die Radwege, die Stege, die fünf Toiletten.

Mehr Müll, ja, das sei ein Thema, "es ist mehr geworden", sagt ein Gemeinde-Mitarbeiter. Auch der Bärwalder See verzeichnet ein Mehr an Gästen in Corona-Zeiten. "Es ist herausfordernd", gerade an Wochenenden wie zuletzt. Und wo dann einmal Müll liegt, sei die Gefahr groß, dass schnell mehr dazu komme. Deshalb sei der Einsatz am Wochenende wichtig. "Wir sind auch wirklich dankbar, Mitarbeiter gefunden zu haben, die das am Wochenende übernehmen." Von Mittwoch bis Sonntag wird in der Saison dreimal täglich eine Reinigungsrunde gemacht, erklärt die Gemeinde. Allerdings hat das dann auch seinen Preis. Alleine für die Entsorgung bezahlt Boxberg jährlich eine fünfstellige Summe.

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