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Die Kunst war ihr Leben

Inga Arnold-Geierhos hat das kulturelle Leben in Görlitz geprägt, ob als Kunsthistorikerin im Städtischen Museum oder in Kunstvereinen. Ein Nachruf.

Inga Arnold-Geierhos leitete viele Jahre mit Begeisterung den Oberlausitzer Kunstverein.
Inga Arnold-Geierhos leitete viele Jahre mit Begeisterung den Oberlausitzer Kunstverein. © Rolf Ullmann/Archiv

Die schönen Künste, Architektur, Literatur, Musik: Das war Inga Arnold-Geierhos' Welt und all das teilte sie freundlich mit ihren Mitmenschen. Besonders die Renaissance hatte es ihr angetan und war vielleicht ein Grund dafür, dass sie 1980 nach Görlitz kam und sich immer für die Stadt begeisterte.

1943 war sie im Erzgebirge als Tochter eines Pfarrers geboren worden. Bei Bautzen wuchs sie auf, studierte in Leipzig Museologie, arbeitete fünf Jahre in Sanssouci und dann noch einmal so lange in Thüringen, wo sie sich entschied, noch Kunstgeschichte zu studieren. Ihre Diplomarbeit schrieb sie über die Wandmalerei im Görlitzer Frenzelhof, die sie abschloss, als ihr Sohn schon fast zur Schule ging.

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Kunsthistorikerin im Städtischen Museum

Fasziniert war Inga Arnold nicht nur von der Renaissance, sondern auch von den Wegen, auf denen sie nach Görlitz gelangt war. Immer wieder war sie auf deren Spuren unterwegs, reiste nach Südböhmen und in die Slowakei, nach Ungarn, Frankreich, Andalusien oder Neapel, um Details zu entdecken, die in keinem Buch zu finden sind.

Über 20 Jahre arbeitete die Kunsthistorikerin in den Städtischen Kunstsammlungen, wo sie unter anderem mit einer Neuaufstellung des Graphischen Kabinetts begann, das mit einem Bestand von rund 60.000 Werken heute zu den bedeutendsten Grafiksammlungen im Osten Deutschlands zählt. Bis zu ihrem Ruhestand 2003 leitete sie im Museum die Abteilung Kunstgeschichte.

Doch auch Musik, etwa ihre Mitwirkung im Görlitzer Bachchor, und die Literatur bedeuteten Inga Arnold-Geierhos viel. Als Kind schon habe sie sich am liebsten in einem Apfelbaum verkrochen, um zu lesen, erzählte sie einmal. Später schrieb sie selbst. Bis zuletzt arbeitete sie an ihrem Buch über Dorothea Wüsten-Koeppen, die studierte Malerin an der Seite des autodidaktischen Künstlers Johannes Wüsten.

Ihre Meinung zählte

Dabei war es ihr wichtig, das Bild der "treuen Begleiterin eines Antifaschisten" aufzulösen. Mit Ausstellungen und Publikationen hatte sie bereits Johannes Wüstens Leistungen als Maler und Grafiker hervorgehoben. Dorothea Wüsten entdeckte und würdigte sie aufgrund ihrer noch erhaltenen Ölbilder, Grafiken und Keramiken als hochbedeutende Künstlerin.

In den vergangenen Jahrzehnten setzte sich Inga Arnold-Geierhos dafür ein, dass zeitgenössische Werke hiesiger Künstler eine Öffentlichkeit erfuhren. Viele Jahre leitete sie den Oberlausitzer Kunstverein, den sie 1991 mitbegründet hatte. Doch auch als sie die Leitung abgab, war sie noch lange darin tätig, ihre Meinung zählte. Auch den um 2000 gegründeten Textilkunstverein Artemision leitete sie viele Jahre.

Spätes privates Glück

Privat fand Inga Arnold spät ihr Glück. In ihren 50ern lernte sie den Osteuropahistoriker Wolfgang Geierhos kennen. Die beiden verband eine tiefe Zuneigung, die ihnen bis ins hohe Alter anzumerken war. Sie heirateten und sanierten ein Haus in der Nikolaivorstadt, in dem Gäste, Künstler, Besucher immer gern willkommen waren. Eine der letzten Reisen, die sie miteinander unternahmen, führte sie nach Griechenland, wegen der antiken Kunst und Architektur Sehnsuchtsort für beide.

Inga Arnold-Geierhos mit ihrem Ehemann Wolfgang Geierhos (r.) und dem Historiker Dimitrios Benekos im Hafen von Volos, Griechenland.
Inga Arnold-Geierhos mit ihrem Ehemann Wolfgang Geierhos (r.) und dem Historiker Dimitrios Benekos im Hafen von Volos, Griechenland. © privat

Von ihren Freunden und Bekannten im Umfeld des Oberlausitzer Kunstvereins konnte sich Inga Arnold-Geierhos im vergangenen September bei einer Ausstellung in der Annenkapelle verabschieden. Da war sie bereits schwerkrank. Ihre engsten Begleiter waren bis zum Schluss an ihrer Seite. Am vergangenen Dienstag ist Inga Arnold-Geierhos im Kreise ihrer Familie zu Hause gestorben.

Der Trauergottesdienst findet am Freitag, 12. Februar 2021, 9 Uhr in der Peterskirche statt.

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