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Wie Görlitz den Innenstadt-Handel retten will

Unter dem Slogan „Der schöne Samstag“ sollen Kunden gelockt werden. Ein Budget ist da. Ende April könnte es soweit sein.

Verkaufsoffene Sonntage waren einmal. Jetzt sollen Kunden verstärkt am Sonnabend in die Innenstadt gelockt werden.
Verkaufsoffene Sonntage waren einmal. Jetzt sollen Kunden verstärkt am Sonnabend in die Innenstadt gelockt werden. © Archivfoto: Pawel Sosnowski

Aktuell sind wir bei Stufe null. So jedenfalls nennt es Benedikt Hummel vom Städtischen Kulturservice. Null heißt: Der innerstädtische Handel ist zum Großteil heruntergefahren. Wer nicht zum Grundbedarf gehört, darf allenfalls „Click & Collect“ sowie „Click & Meet“ anbieten, also Einkaufen mit Terminvergabe. So richtig glücklich aber macht das niemanden – abgesehen von Internet-Giganten wie Amazon, die von der Corona-Krise profitieren.

Doch Görlitz will die Kunden vom Internet zurück in die Innenstadt-Läden holen. Darüber, wie das gelingen soll, haben sich in den vergangenen Wochen viele Akteure Gedanken gemacht: Der Kulturservice, die Rathausspitze, die Wirtschaftsförderer von der Europastadt GmbH (EGZ), die IHK und die Händler selbst, also der Aktionsring Handel und die neue City-Initiative.

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Kunden bis Bautzen und weiter

Sie alle haben das Ergebnis am Freitag vor Medienvertretern präsentiert: Unter dem Slogan „Der schöne Samstag“ sollen Kunden in die Innenstadt gelockt werden, erklärt OB Octavian Ursu. Görlitzer sollen angesprochen werden, aber auch Menschen aus dem Umland, möglichst bis Bautzen und weiter. Hummel wünscht sich gar, dass „Der schöne Samstag“ zu einer Marke wird, „die die Stadt als Erlebnisraum zeigt, wo es sich besonders schön einkauft“. Genau darum geht es: Einkaufen als Erlebnis. Und damit es wirklich ein Erlebnis ist, soll es nicht täglich umgesetzt werden und auch nicht wöchentlich. „Vielleicht einmal im Monat“, überlegt Ursu. Aber das sei noch nicht festgelegt. Stattdessen müsse geschaut werden, wie es funktioniert.

Nach Stufe Null kommt als großer Auftakt Stufe 1. Die sieht so aus, dass möglichst alle Innenstadt-Händler sonnabends einheitlich von 10 bis 18 Uhr öffnen, dazu soll es vom Bahnhof bis zum Marienplatz mobile Gastronomie geben – und einen gemeinsamen, plakativen und farbenfrohen Werbeauftritt. Für Stufe 1 sind zwei Termine geplant – im Abstand von zwei Wochen.

Start vielleicht Ende April

Wann genau, hängt von der Pandemie-Entwicklung ab. „Wir hoffen auf Ende April oder Anfang Mai“, sagt Andrea Behr von der EGZ. Nach ihrer Aussage haben die beteiligten Partner dafür ein Budget von 6.000 Euro zusammengetragen. Damit lassen sich die zwei Sonnabende auf jeden Fall stemmen. „Wir haben aber noch viel mehr Ideen, deshalb wäre es schön, wenn wir Sponsoren finden“, sagt sie. Gern würde sie 15.000 Euro einplanen. Ilona Markert von der City-Initiative sieht ihre Aufgabe jetzt darin, die Händler zu motivieren, an beiden Tagen wirklich von 10 bis 18 Uhr zu öffnen: „Das ist Arbeit, die auf uns zukommt.“ Doch sie glaubt, dass es sich lohnt, weil es dann wirklich zum Erlebnis wird. Und ganz bewusst bis 18 Uhr, sodass Auswärtige – wenn sie schon einmal in Görlitz sind – hinterher gleich noch ins Restaurant oder ins Theater gehen können.

Stufe 2 bei „Der schöne Samstag“ wird professioneller. Da könnten ästhetische Leitlinien eingeführt werden, zum Beispiel Gestaltungsrichtlinien für die mobile Gastronomie oder vielleicht auch einheitliche Einkaufstaschen. Vor allem aber sollen Veranstaltungen dazu kommen. Das können Foren am Postplatz für Produktpräsentationen sein, vielleicht auch Kleinkunst auf einer kleinen Bühne und ein Ausbau des Angebots durch mobile Händler und Schausteller. Das wäre vielleicht drei- bis viermal pro Jahr möglich, eventuell sogar einmal im Monat. Die Novemberausgabe könnte als „Lichterglanz“ begangen werden.

Stufe 2 ist noch nicht finanziert

Das Problem bei Stufe 2 ist das Geld. Optimal wären 100.000 Euro für Organisation, Werbung und spezielle Aktionen. Doch dieses Geld ist nicht da, auch nicht ansatzweise. „Nur Stufe 1 ist gesichert, alles andere sind Ideen, die wir entwickelt haben, wo wir aber nach einer Finanzierung suchen müssen“, schränkt Ursu ein. Leider gebe es für den Handel kaum Fördermöglichkeiten: „Das ist wirklich eine Lücke.“

Stufe 3 ist der Weihnachtsmarkt am Postplatz, der 2020 erstmals stattfinden sollte, dann aber wegen Corona ausgefallen ist. Dafür sind weitere 30.000 Euro nötig. Stufe 4 – die letzte von allen – ist mit „Strategie“ überschrieben. Das könnte zum Beispiel eine Innenstadt-Konferenz sein, zu der Experten, Stadtentwickler und Architekten eingeladen werden, um über Innenstadtentwicklung zu reden. So soll Görlitz auch von Erfahrungen aus anderen Regionen profitieren, etwa der deutsch-französischen Grenzregion. Die Ergebnisse könnten in einem Strategiepapier landen.

Händler zeigen sich einverstanden

Doch das ist eher Zukunftsmusik. Für die Händler sind jetzt die Stufen 1 und 2 wichtig. „Wir finden uns in dem Konzept wieder, es hat unsere Zustimmung“, sagt Frank Reimann vom Aktionsring Handel. Anfangs habe es 50 oder 60 Vorschläge gegeben. Längst nicht alle sind am Ende bei „Der schöne Samstag“ eingeflossen, sagt er. So ist die Finanzierung einer Stadtgutscheinkarte durch die Stadt nicht möglich, auch kostenloses Parken wird es nicht geben – zumal dafür alle Betreiber von Parkplatzflächen mitspielen müssten.

Unter der Woche sind indes keine speziellen Einkaufserlebnisse geplant. Und sonntags? Laut Stadtratsbeschluss soll es 2021 nach der Absage des Frühlingsfestes noch drei verkaufsoffene Sonntage geben. Ursu hofft, dass sie stattfinden. Reimann sieht das nicht als akutes Thema: „Die Frage ist, ob sie dem Handel wirklich etwas bringen.“ Die Konzentration soll jetzt erst einmal auf „Der schöne Samstag“ liegen.

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