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Wer ist der starke Mann im Görlitzer Filmbüro?

Seit 1. Februar gibt es eine Anlaufstelle, die bei Drehs in der Corona-Zeit helfen und neue Produktionen nach Görlitz holen soll. Der Chef kennt sich in der Szene aus.

Kerstin Gosewisch und Henrik Greisner sind jetzt das "Filmbüro Görlitz". Das Foto entstand am "Braunen Hirsch", einer der Drehorte schlechthin in Görlitz.
Kerstin Gosewisch und Henrik Greisner sind jetzt das "Filmbüro Görlitz". Das Foto entstand am "Braunen Hirsch", einer der Drehorte schlechthin in Görlitz. © Foto: Stadt Görlitz

Ein erstes Foto am "Braunen Hirsch". Das markante Gebäude am Untermarkt ist einer der bekanntesten Görlitzer Drehorte. Und mit Drehorten kennt Henrik Greisner sich seit vielen Jahren aus. Er ist Location-Manager. Kürzlich noch hat er bei dem Film "Uncharted" mitgewirkt, der unter anderem in Babelsberg und Berlin mit Mark Wahlberg, Antonio Banderas und Tom Holland gedreht wurde. Jetzt hat Greisner einen Job in Görlitz - im neuen Filmbüro.

"Um Görlitz kommt man nicht herum"

Die Suche der Orte, die Auswahl, Aufbau des Sets, Betreuung während des Drehs - das alles gehört zur Arbeit als Location-Manager. Görlitz als Drehort sei auf jeden Fall ein Begriff in der Branche. "Ich biete Görlitz regelmäßig an", erzählt Henrik Greisner, "da kommt man nicht dran vorbei". Und gerade in der jetzigen Zeit sehe er die Stadt auch als "ein Kleinod, das den Kopf nicht in den Sand steckt", sondern zeige: "Wir können auch in dieser schwierigen Lage etwas auf die Beine stellen."

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Ausschlaggebend für die Idee des Filmbüros waren die schwierigen Verhältnisse für Filmschaffende in der Corona-Krise. "Die aktuellen Anforderungen an Hygienestandards und Kontaktminimierung stellen Filmteams und Dienstleister vor besondere Herausforderungen", erklärt die Stadt Görlitz. "Um unter Pandemiebedingungen drehen zu können, müssen nahezu alle Abläufe neu bewertet und angepasst werden".

Vor allem dabei soll das Filmbüro helfen. Ziel ist aber auch, den Ruf von Görlitz als Filmproduktionsstandort zu stärken und Dreharbeiten nach Görlitz zu locken, erklärt Claas Danielsen, Geschäftsführer der Mitteldeutschen Medienförderung (MDM). Das Filmbüro ist eine Kooperation zwischen MDM und der Stadt Görlitz und wird vom Freistaat Sachsen gefördert, vorerst bis Jahresende.

Pirna bis Kenia: An Drehorten auf der ganzen Welt

Angesiedelt ist es bei der EGZ, eine städtische Tochtergesellschaft. Seitens der Stadt, die eine halbe Stelle besetzen konnte, ist Kerstin Gosewisch Ansprechpartnerin. Die Frage, ob die halbe Stelle an sie gehen würde, war naheliegend: Sie ist seit vielen Jahren die Filmbeauftragte von Görlitz. Wenn Drehanfragen kommen, dann landen sie zumeist auf ihrem Tisch. Die MDM besetzte eine Stelle: Hendrik Greisner hat schon überall auf der Welt unter ganz unterschiedlichen Bedingungen gearbeitet, auch erschwerten. Der beeindruckendste Drehort? "Kann ich noch nicht sagen, ich habe noch nicht alle gesehen."

Greisner stammt aus Frankfurt am Main, wo er 1967 geboren wurde. Falls künftig Hilfe direkt beim Set-Aufbau gefragt sein sollte, kann er sogar mit anpacken. Er ist gelernter Tischler. Anfang der 90er Jahre verschlug es ihn in die USA, wo er etwa bei den HB-Studios, ein Ausbildungsstudio für künstlerische Berufe, und bei den Burbank-Studios in Los Angeles, ein Fernsehproduktionsstudio, als Studiobauer und Set-Designer arbeitete. In Darmstadt studierte er Industriedesign, in Köln Design und Grafik.

Auf der Film-Plattform Crew United finden sich seither zahlreiche Projekte, an denen er als Location-Manager oder auch Produktionsleiter Anteil hatte, von Werbeclips bis hin zu bekannten Filmen und Serien. So wirkte Greisner etwa bei dem Episodenfilm "Berlin, I love you" mit, bei dem Hellen Mirren, Hannelore Elsner, Sibel Kikelli und Keira Knightley vor der Kamera standen, bei der Netflix-Serie "Sense 8" oder auch bei "Cloud Atlas".

Für letzteren Film war er längere Zeit in Sachsen, in Pirna, erzählt Henrik Greisner. Viele Außenaufnahmen entstanden dort. "Cloud Altlas" wurde von X-Filme produziert. Geschäftsführer ist der Produzent Stefan Arndt - der vor einem Jahr zum Görlitzer Neujahrsempfang die Idee einer Filmakademie für Berufe hinter der Kamera aufbrachte.

Film ist für Görlitz auch Wirtschaftsfaktor

Arndt und Greisner kennen sich, wollen sich am Montag treffen. Henrik Greisners Interesse für das Görlitzer Filmbüro, erzählt er, kam aber vor allem über Markus Bensch zustande, Location-Manager vom Studio Babelsberg. Er hatte beispielsweise ebenfalls bei "Cloud Atlas", auch an Görlitzer Produktionen wie "Der Vorleser" und "In 80 Tagen um die Welt" mitgewirkt, ebenso an den Planungsgesprächen für die Filmakademie in Görlitz. Die Idee für das Filmbüro kam kurz danach in der Corona-Krise auf. Vor allem das offensive Handeln von Görlitz in dieser Lage habe ihn beeindruckt, sagt Greisner.

Oberbürgermeister Octavian Ursu freut sich über das neue Filmbüro. Es sei ein wichtiger Schritt für eine noch gezieltere Unterstützung künftiger Filmproduktionen. Dazu kommt: Film ist für die Stadt auch ein wirtschaftlicher Faktor geworden. Kommen Filmteams, brauchen sie nicht nur gute Drehorte, sondern zum Beispiel auch eine Unterkunft.

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