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Filmakademie Görlitz ist startklar

Im Frühjahr soll der erste Kurs an der Hochschule Görlitz/Zittau beginnen. Es gibt prominente Unterstützung.

"Der Zauberlehrling" mit Max Schimmelpfennig und Felix von Manteuffel wurde in Görlitz gedreht. Produzentin war Ingelore König, die auch die Filmakademie unterstützt.
"Der Zauberlehrling" mit Max Schimmelpfennig und Felix von Manteuffel wurde in Görlitz gedreht. Produzentin war Ingelore König, die auch die Filmakademie unterstützt. © mdr/kinderfilm gmbh/junghans

Das ging schnell. Anfang des Jahres kam die Idee zu einer Filmakademie auf. Es geht um die Weiterbildung für Berufe hinter der Kamera: Lichttechnik, Filmtechnik, Requisite, Bühnenbau. Nun ist die Planung eines ersten Studienkurses fast abgeschlossen. Wenn die Lage es zulässt und alles funktioniert wie geplant, soll im Frühjahr der erste Zertifikatskurs starten.

Prominente Filmgesichter unterstützen Filmakademie

Voriges Jahr hat Felix von Boehm in Görlitz "Fabian", der von Tom Schilling gespielt wurde, produziert. Jetzt gehört von Boehm auch zu den Unterstützern der Filmakademie.
Voriges Jahr hat Felix von Boehm in Görlitz "Fabian", der von Tom Schilling gespielt wurde, produziert. Jetzt gehört von Boehm auch zu den Unterstützern der Filmakademie. © Nikolai Schmidt

Zuerst hatte der Berliner X-Filme-Produzent Stefan Arndt die Idee für eine Filmakademie aufgebracht und beim Neujahrsempfang der Stadt dieses Jahr vorgestellt. Inzwischen hat das Vorhaben zahlreiche weitere prominente Unterstützer. Dazu zählen Produzent Peter Hartwig, der unter anderem für "Frantz" und "Goethe!" in Görlitz Produktionsleiter war, Produzent Marcus Loges, Herstellungsleiter für die Serie "Babylon Berlin", Felix von Boehm, der mit seiner Produktionsfirma Lupa-Film voriges Jahr "Fabian" in Görlitz drehte, Ingelore König, die für den "Zauberlehrling" hier produzierte oder auch der Kameramann Peter Badel.

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Auch Arndt hat schon in Görlitz gedreht, zum Beispiel "Jeder stirbt für sich allein" mit Emma Thompson und Brendan Gleeson. Technik und Personal müssen die Filmschaffenden immer mitbringen. Wie praktisch wäre es da, Leute vor Ort zu haben? Vor allem aber geht es um Fachkräftemangel, den es auch in der Filmbranche gibt. Die Filmakademie soll ein Weiterbildungsangebot sein für Menschen, die vielleicht schon eine handwerkliche Ausbildung haben und damit verstärkt in der Filmbranche arbeiten möchten.

Emma Thompson im Gespräch mit Regisseur Vicent Perez: 2015 wurde in Görlitz "Jeder stirbt für sich allein" gedreht, Produzent war Stefan Arndt.
Emma Thompson im Gespräch mit Regisseur Vicent Perez: 2015 wurde in Görlitz "Jeder stirbt für sich allein" gedreht, Produzent war Stefan Arndt. © Archiv: Nikolai Schmidt

"Für seine hohe Attraktivität für Filmschaffende ist Görlitz bekannt", so Sophia Keil, Prorektorin und Professorin für Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule Zittau/Görlitz. "Wir wollen noch attraktiver für die Filmbranche werden." Die Hochschule hatte früh Interesse angemeldet. Es seien aber viele Partner im Boot. "Der Grundstein für die Filmakademie wurde im Juli im Jugendstilkaufhaus gelegt", als Vertreter der Stadt, der Filmbranche, der Hochschule und der Medienförderung Mitteldeutschland zusammenkamen. Drei Workshops gab es seitdem und diverse Beratungen mit Filmschaffenden, welchen Bedarf sie eigentlich haben, was eine solche Filmakademie beinhalten müsse.

Anfang Juli kamen Produzent Stefan Arndt, Oberbürgermeister Octavian Ursu, Hochschulrektor Alexander Kratzsch und weitere Beteiligte im Jugendstil-Kaufhaus zusammen.
Anfang Juli kamen Produzent Stefan Arndt, Oberbürgermeister Octavian Ursu, Hochschulrektor Alexander Kratzsch und weitere Beteiligte im Jugendstil-Kaufhaus zusammen. © Nikolai Schmidt

Inhalt steht: Von Filmgeschichte bis Recht

Der Inhalt steht nun. Im ersten Kurs - Produktionsassistenz - soll es um Grundlagen einer Film- oder Fernsehproduktion gehen, erklärt Sophia Keil. Zum Beispiel um Grundkenntnisse in Film- und Mediengeschichte, Filmtechnik und Filmdreh. Ein anderer Punkt sind wirtschaftliche und rechtliche Grundlagen, ein Planspiel für eine Filmentwicklung ist vorgesehen, auch die Finanzierung in der Branche wird betrachtet. Behandelt wird ebenso die Frage, wie man ein Team zusammenstellt und was nachhaltige Filmproduktion bedeutet.

Neben der Theorie ist auch ein Praktikum bei einer echten Filmproduktion vorgesehen. Insgesamt wird der Kurs ein Semester, also sechs Monate dauern. Und sechs Module werden es sein, erklärt Sophia Keil. Dafür gibt es am Ende 35 Credit-Points - früher die Studienscheine. Wichtig ist das, weil es dabei nicht bleiben soll.

Filmakademie soll zum Studiengang wachsen

"Wir wollen erst mal klein anfangen, damit es realistisch ist", sagt der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu. Es sind weitere Kurse, etwa zu Ausstattung oder Bild, Licht und Ton vorgesehen. Perspektivisch, wird das Angebot angenommen, soll daraus ein Studiengang an der Hochschule Zittau/Görlitz entstehen, ein berufsbegleitender Bachelor-Studiengang. Wenn es soweit ist, und Teilnehmer, die jetzt den Zertifikatskurs absolvieren, mit einem Studium weitermachen wollen, können sie sich den Kurs als erstes Semester anrechnen lassen, erklärt Sophia Keil.

Es ist ein Projekt, das die Stadt allein nicht stemmen kann, sagt Octavian Ursu. Etwa 200.000 Euro würde ein solcher Kurs pro Jahr kosten. Deshalb ist die Stadt im Gespräch mit der Mitteldeutschen Medienförderung.

Eine Frage war auch: Wer soll überhaupt die Lehre übernehmen, also die Vorlesungen und Übungen halten? Bei der Dozentensuche ist die Hochschule zu etwa 80 Prozent fündig geworden bislang, erzählt Sophia Keil. Womöglich steht dann ja auch der eine oder andere Promi vor den Studenten.

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