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Kreis Görlitz: SPD strahlt über das Bundesergebnis

Ein besonderer Abend für alle Parteien bei den Wahlpartys: Die Stimmung bei der CDU ist gedrückt, die Grünen sind mit sich im Reinen. Nur wo steckt die AfD an diesem Abend?

Ausgelassene Stimmung beim Görlitzer SPD-Direktkandidaten Harald Prause-Kosubek nach den ersten Prognosen und Hochrechnungen.
Ausgelassene Stimmung beim Görlitzer SPD-Direktkandidaten Harald Prause-Kosubek nach den ersten Prognosen und Hochrechnungen. © Martin Schneider

Erst mal Ruhe. Laut und deutlich ist dagegen die Stimme der Moderatoren im TV zu hören: Im Restaurant da Vinci in Görlitz feiert die CDU ihre Wahlparty. Von Partystimmung kann zunächst noch keine Rede sein, 18 Uhr, als die ersten Prognosen veröffentlicht werden. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der SPD.

"Abwarten", sagt Clemens Kuche von der Jungen Union in Göritz. Dass die CDU auf Bundesebene mit einem gewissen Dämpfer rechnen musste, sei absehbar gewesen. Mehr liegen in Görlitz von Beginn an die Augen auf Direktkandidat Florian Oest und der Frage, ob er Tino Chrupalla von der AfD das Direktmandat abluchsen kann. Doch nach den ersten Ergebnissen aus den Gemeinden sieht es nicht danach aus. Die Trends sind klar: AfD bei Zweitstimme vorn, Chrupalla bei Erststimme vorn.

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Doch ist die AfD in Görlitz nirgends präsent. Keine Party, kein Vertreter, der für die Medien Auskunft gibt. In Löbau gibt es eine Wahlkampfparty. Das ist alles.

Abwarten bei der CDU

Das sieht nicht so gut aus für die CDU. Mit einem Rückschlag war zu rechnen. Der kam auch.
Das sieht nicht so gut aus für die CDU. Mit einem Rückschlag war zu rechnen. Der kam auch. © Martin Schneider

Weder positiv noch negativ will Sylke Jennewein, Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes, im Da Vinci die Bundes-Prognosen werten. "Da wird es noch Veränderungen geben", sagt sie kurz nach 18 Uhr. Sie geht gelassen in die Wahl. Auch bei ihr persönlich, in der Familie, herrsche "wahrliche Demokratie", erzählt sie: Ihr Mann ist kein CDU-Wähler.

Dass es knapp zugehen würde, das war erwartbar, so auch CDU-Stadtrat Matthias Schöneich. In Wartehaltung auch noch Florian Oest: Die ersten Prognosen sind noch kein Wahlergebnis. Aber, sollten sich die ersten Hochrechnungen bewahrheiten, hätte er sich ein anderes Ergebnis gewünscht. "Wir haben den Anspruch Volkspartei zu sein." Dabei halte er das Wahlprogramm der CDU für gut. Oest fürchtet aber, auf Bundesebene sei nicht alles rausgeholt worden.

Auf der anderen Seite herrscht bei Florian Oest aber auch Erleichterung. Der Wahlkampf als Direktkandidat sei eine intensive Zeit gewesen. "Es ist schon was anderes, wenn man selbst als Kandidat antritt", sagt er. Oest hat CDU-Wahlkämpfe in der Vergangenheit unterstützt, selbst so im Rampenlicht steht er zum ersten Mal. Er freue sich über die Unterstützung, "parteiintern, aber auch über die Parteigrenzen." Damit dürfte er auf seine Erststimmen-Kampagne anspielen, die etwa auch zwei SPD-Bürgermeister unterstützt hatten.

Tassen hoch bei der SPD

Gute Laune bei der SPD, es herrscht gelöste Stimmung nach den ersten Prognosen bei Direktkandidat Harald Prause-Kosubek (rechts) und dem Görlitzer SPD-Chef Silvio Minner.
Gute Laune bei der SPD, es herrscht gelöste Stimmung nach den ersten Prognosen bei Direktkandidat Harald Prause-Kosubek (rechts) und dem Görlitzer SPD-Chef Silvio Minner. © Martin Schneider

Andere SPD-Mitglieder hatten sich darüber geärgert. Am Wahlabend aber gibt es hier kein böses Wort. Dankbarkeit auch bei Harald Prause-Kosubek, Direktkandidat der SPD. Im Hinterzimmer des Parteibüros auf der Elisabethstraße sieht es schon nach Party aus - vom Vorabend, erzählt Harald Prause-Kosubek. Da gab es schon eine kleine Dankeschön-Party für die Wahlhelfer der SPD in Görlitz. Die Laune ist auch am Wahlabend gut. Es gibt schon mal Blumen für Harald Prause-Kosubek und zu essen für alle. Aber auch eine Unsicherheit. "Wir waren sehr gespannt, ob wir den Vorsprung aus den Umfragen ins Ziel retten können." In der ersten Prognosen liegt die SPD ganz minimal vor der CDU, "es ist jetzt also fast ein Patt. Aber ich bin optimistisch", sagt Prause-Kosubek.

Besser angekommen auf den Marktplätzen

Vor allem müsse man auch sehen, wo die SPD herkam. "Vor ein paar Wochen lagen wir in den Umfragen noch bei 15 Prozent." Um die 25 waren es kurz ach 18 Uhr. "Darüber bin ich total begeistert." Ein bisschen die Laune verhageln ihm die ersten Ergebnisse der Linken, zeitweise gar unter 5 Prozent. "Ich hoffe, das geht noch bisschen nach oben." Denn Prause-Kosubek hatte sich auf Bundesebene eher für Rot-Rot-Grün ausgesprochen als für eine Ampel-Koalition, "dafür fehlt mir die Fantasie, muss ich sagen".

"Wir habe den Ball immer flach gehalten", sagt Ulrich Kemmerlings von der Kreis-SPD. Auch er ist zufrieden. "Wenn sich die ersten Prognosen bestätigen, können wir in Sachsen sogar auf eine Verdopplung der Stimmen blicken."

Man habe das auch im Wahlkampf gemerkt. Auf den Marktplätzen - mehr Freundlichkeit habe gegenüber der SPD geherrscht, erzählt Silvio Minner, einer der Stadt-Vorsitzenden der SPD Görlitz. "Wir sind besser angekommen als vor vier Jahren."

Besser als je zuvor - aber schlechter als gehofft

"Gedrückte Freude", so drückt es Annett Jagiela aus. Für sie herrscht noch Spannung: Sie ist Direktkandidatin der Bündnisgrünen im Görlitzer Wahlkreis.
"Gedrückte Freude", so drückt es Annett Jagiela aus. Für sie herrscht noch Spannung: Sie ist Direktkandidatin der Bündnisgrünen im Görlitzer Wahlkreis. © Martin Schneider

Dass sie es tatsächlich in den Bundestag schaffen würde - damit hatte Caro Renner nicht gerechnet, erzählt sie vorm Parteibüro der Bünnisgrünen in Görlitz am Wilhelmsplatz. Spontan war sie für die Grünen angetreten, steht auf Platz 13 der Landesliste. Damit wird es für sie wahrscheinlich nicht reichen für einen Einzug in den Bundestag. "Aber ich wollte den ländlichen Raum vertreten im Wahlkampf", erzählt sie.

Unsicherheit bis zum Schluss

Ob jemand den Söder hören wolle, fragt Franziska Schubert in die Runde im Wahlbüro der Grünen. Nö? Dann könne man den Lautsprecher der TV-Übertragung jetzt ja leiser stellen. Die ersten Prognosen für die Grünen - sie habe ein gutes Gefühl, sagt Franziska Schubert. "Wir haben zwar unser Ziel nicht erreicht. Aber wir kommen von 8,9 Prozent." Die ersten Hochrechnungen zeigten knapp 15 Prozent an. "Das wäre das beste Wahlergebnis, das wir je hatten." Sie blickt in die Runde im Grünen-Büro."Hier sitzen viele junge Leute, sicher auch viele, die vor vier Jahren nicht gekommen wären."

Gedämpfte Freude, so würde es Annett Jagiela, Direktkandidatin der Grünen im Landkreis zusammenfassen. Sie zieht ein ähnliches Fazit: das beste Ergebnis der Grünen bislang zeigt der Beamer im Grünen-Büro, "und da steckt viel harte Arbeit drin". Aber, ja, es falle ihr schwer sich so richtig zu freuen. Auf etwas mehr hatte man gehofft.

Eines haben sie alle gemeinsam: die große Unbekannte. Welche Ergebnisse wird die Briefwahl noch verändern?

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