merken
PLUS Görlitz

Mit Görlitzer Sternfreunden interaktiv ins All

Der Verein schafft sich einen riesigen Bildschirm an, mit dem Raketenstarts verfolgt und Sternbilder erklärt werden können - aber erst nach dem Lockdown.

Lutz Pannier in der Görlitzer Sternwarte.
Lutz Pannier in der Görlitzer Sternwarte. © Archivfoto: Nikolai Schmidt

Lutz Pannier hofft auf ein baldiges Ende des Lockdowns. Denn der Leiter der Görlitzer Scultetus-Sternwarte und der Verein Görlitzer Sternfreunde haben etwas Neues zu bieten: ein 86-Zoll-Display, mit dem es interaktiv ins All geht.

Dieser mehr als 2,18 Meter breite Bildschirm ist die neueste Errungenschaft für die Sternwarte in Görlitz-Biesnitz. Möglich war die Anschaffung für den Verein über einen sächsischen Mitmach-Fonds. "Mit dem Display, mit dem ein Zugang zum Internet möglich ist, können aktuelle Sachen viel besser präsentiert werden", erklärt Lutz Pannier. Zum Beispiel können Raketenstarts verfolgt und Sternbilder erklärt werden. Denn obwohl die Beobachtung am Fernrohr sehr beliebt ist, sind es vor allem ältere Sternfreunde aus Görlitz und dem Umland, für die die Stufen zu den Teleskopen zu beschwerlich sind. Sternbilder bekommen sie künftig auch am interaktiven Display erklärt.

Wandern
Schritt für Schritt
Schritt für Schritt

Gerne an der frischen Luft und immer in Bewegung? Wanderwege, Tipps und Tricks finden Sie hier.

Der Bildschirm verfügt über Antipp-Funktionen, was das interaktive Agieren ermöglicht. Die coronabedingte Schließzeit der Sternwarte nutzten die Sternfreunde für die Installation des Displays.

Sternwarte bleibt wichtig für Schulen

Ansonsten hatten die Sternfreunde über den Winter wenig zu tun. Alle Veranstaltungen fielen wegen der Pandemie aus, auch die um die Weihnachtszeit, die besonders wegen der Planetariumsvorträge zum Stern von Bethlehem sehr gefragt sind. Damit entfielen auch die Einnahmen für den Verein. "Wir wollen aber nicht klagen, wir kommen über die Durststrecke, auch, weil uns Sponsoren und private Spender unterstützen", erklärt Lutz Pannier.

Dennoch wollen die Sternfreunde sobald wie möglich wieder ihre Planetariumsvorträge und andere Veranstaltungen anbieten. Denn das Interesse ist groß. Nach wie vor ist die Sternwarte ein wichtiger Bestandteil der Lehrpläne an den Schulen. Zwar stellte Sachsen den Unterricht im Fach Astronomie im Jahr 2007 ein, aber der Lehrstoff floss in die Lehrpläne anderer Fächer ein, und zwar in allen Klassenstufen. In Heimatkunde der Unterstufe geht es zum Beispiel um Sonne, Mond und Sterne. Im Physikunterricht der sechsten Klassen stehen optische Geräte auf dem Lehrplan, in Geografie geht es in den Klassen sieben und acht um Polartag und -nacht. Göttersagen und der Stand der Gestirne spielen im Deutschunterricht eine Rolle, der italienische Universalgelehrte Galileo Galilei und der deutsche Astronom Johannes Kepler sind Themen im Geschichtsunterricht.

Dieses Foto entstand 1971 zur Einweihung der Sternwarte in Görlitz-Biesnitz.
Dieses Foto entstand 1971 zur Einweihung der Sternwarte in Görlitz-Biesnitz. © Sternwarte/Rainer Kitte

Gleich mehrere Jubiläen

Ein bisschen traurig sind die Sternfreunde aus dem Verein, dass es ausgerechnet in der Winterzeit coronabedingt so viele Einschränkungen gab und gibt. Die schönsten Sternbilder konnten so bei klarem Himmel und langen, dunklen Nächten nicht beobachtet werden. Dennoch plant der Verein für diesen Herbst ein Jubiläumsprogramm. Denn die Sternwarte Görlitz besteht dann seit 165 Jahren. Schon jetzt, am 20. Februar, blickt die Sternwarte auf ein Jubiläum: Vor genau 50 Jahren wurde sie eingeweiht. In Biesnitz entstand ein neues Gebäude, die Sternwarte zog aus der Schule am Klosterplatz um. Ohne die Pandemie hätten die Sternfreunde wahrscheinlich einen Tag der offenen Tür gemacht oder ihn auf den bundesweiten Tag der Astronomie am 20. März verschoben. "Da es aber sehr ungewiss ist, ob dann schon Veranstaltungen möglich sind, planen wir erst für den Oktober, das 165-jährige Bestehen zu würdigen", erklärt Lutz Pannier.

Der Vereins-Chef und Leiter der Sternwarte wird sich ab April dann intensiver darum und um sein Hobby als Astronom kümmern können: Der 65-Jährige geht in den beruflichen Ruhestand.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Görlitz