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Römer ersteigert drittes Haus in Görlitz

Die Bahnhofstraße 54 geht für 46.000 Euro an Roberto Petrucci. Diesmal aber ist vieles anders als bei früheren Versteigerungen.

Die Stadt Görlitz hat das einsturzgefährdete Haus Bahnhofstraße 54
vor zwei Jahren notsichern lassen. Jetzt wurde es zwangsversteigert.
Die Stadt Görlitz hat das einsturzgefährdete Haus Bahnhofstraße 54 vor zwei Jahren notsichern lassen. Jetzt wurde es zwangsversteigert. © Archivfoto: Tobias Hoeflich

18 Männer und eine junge Frau wollten am 15. März die Bismarckstraße 18 in Görlitz ersteigern. Für die maroden Reste der Rauschwalder Straße 53 interessierten sich zwei Wochen später elf Menschen. An diesem Mittwoch nun ist alles anders: Nur zwei Bieter wollen das denkmalgeschützte Haus Bahnhofstraße 54 in Görlitz haben.

Das Ergebnis ist trotzdem das gleiche: Leonardo Spettmann aus Düsseldorf/Geldern bekommt auch diesmal den Zuschlag. Wie immer hat der 29-Jährige nicht für sich geboten, sondern für den 48-jährigen Roberto Petrucci aus Rom. Mit 46.000 Euro ist das Gebäude ein Schnäppchen: Für die anderen beiden hatte Spettmann erst bei jeweils 70.000 Euro den Zuschlag bekommen. Die Bahnhofstraße 54 hat einen Verkehrswert von 40.000 Euro. Spettmann musste also nur wenig mehr bieten, dann stieg sein einziger Konkurrent aus.

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Vater ist diesmal nicht dabei

Doch auch sonst war diesmal vieles anders: Spettmann wurde am Mittwoch nicht von seinem mehrfach vorbestraften und erst vor Kurzem aus der Haft entlassenen Vater Karl Leo begleitet, sondern von einer jungen Frau – offenbar seiner Ehefrau oder Freundin. Und: Spettmann war diesmal nicht der Letzte, der ins Bieter-Rennen einstieg, sondern der Erste. Zudem überbot er seinen Konkurrenten diesmal nicht um jeweils einen Euro, sondern erhöhte zunächst in 5.000-Euro-Schritten, später um 900 Euro. Und: Während sein Vater bei der Bismarckstraße 18 erwirkt hatte, dass Petrucci erst am 30. Juni zahlen muss, verhandelte Leonardo Spettmann am Mittwoch nicht. Das heißt: Der Verteilungstermin ist diesmal – wie eigentlich üblich – in sechs Wochen, dann muss Petrucci zahlen.

Vater Karl Leo Spettmann (links) saß insgesamt zehn Jahre in Haft. Sohn Leonardo Spettmann (rechts) ersteigerte in Görlitz die drei Ruinen. Tochter Anastasia Spettmann verkauft die Ruinen weiter.
Vater Karl Leo Spettmann (links) saß insgesamt zehn Jahre in Haft. Sohn Leonardo Spettmann (rechts) ersteigerte in Görlitz die drei Ruinen. Tochter Anastasia Spettmann verkauft die Ruinen weiter. © Fotos: Express

Eine spannende Frage ist, ob der Römer überhaupt ahnt, dass die Spettmanns in seinem Namen Häuser in Görlitz ersteigern. Vor Gericht legte Leonardo Spettmann jetzt zwei Vollmachten vor. Die Erste stammt aus dem Jahr 2012. Darin bevollmächtigt Petrucci Karl Leo Spettmann, „beliebigen Grundbesitz zu erwerben.“ Mit der Untervollmacht aus dem Jahr 2014 gibt der Vater dieses Recht an seinen Sohn Leonardo weiter. Folglich kann man davon ausgehen, dass die Spettmanns schon seit Jahren mit diesen beiden Vollmachten durch das Land tingeln und Häuser für Petrucci ankaufen, von denen dieser im Einzelfall vielleicht weiß, vielleicht aber auch nicht.

Ist Petrucci längst umgezogen?

Erstmals wurde bei diesem Termin Petruccis Wohnadresse öffentlich bekannt gegeben: Via Tuscolana 346 in Rom. Es ist ein schmuckloses, achtgeschossiges Eckhaus an einer vierspurigen Hauptstraße nahe des Stadtzentrums. Sucht man Roberto Petrucci unter dieser Adresse im Internet, stößt man auf ein Amtsblatt der Stadt Duisburg vom Februar 2018. Dem ist zu entnehmen, dass der Italiener in Duisburg Eigentümer einer Wohnung im dritten Stock des Gebäudes Ottostraße 60 ist und zu diesem Zeitpunkt seine Grundsteuern für das Jahr 2016 noch nicht gezahlt hatte. Per Amtsblatt wurde der Grundsteuerbescheid zugestellt, weil er per Post nicht zugestellt werden konnte. Der derzeitige Aufenthaltsort Petruccis sei nicht zu ermitteln, hieß es dort schon vor drei Jahren. Gut möglich also, dass Petrucci längst woanders lebt als auf der Adresse, die Spettmann dem Görlitzer Amtsgericht präsentierte.

Die Häuser Bismarckstraße 18 und Rauschwalder Straße 53 bietet seine Schwester Anastasia Spettmann jetzt zum Schleuderpreis im Internet zum Verkauf an. Gut möglich, dass auch die Bahnhofstraße 54 bald dort zu finden sein wird, obwohl sie noch nicht bezahlt ist. Die Stadt hatte das Haus vor zwei Jahren notsichern lassen, weil es einzustürzen drohte.

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