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Markttreiben statt Altstadtfest in Görlitz

Das große Altstadtfest findet dieses Jahr nicht statt. Es gibt stattdessen kleinere Formate: Am Wochenende geht es beim Marktleben durch die Epochen.

Archivbild: Um Historie ging es im Nikolaizwinger auch früher.
Archivbild: Um Historie ging es im Nikolaizwinger auch früher. © Archiv: Pawel Sosnowski

Am Freitagabend beginnt in Görlitz die "Zeitreise". Das Altstadtfest, das jährlich Tausende Gäste in die Stadt zieht, ist aufgrund der Corona-Krise dieses Jahr erneut abgesagt. Der Veranstalter, der Kulturservice Görlitz, hatte sich aber entschieden, an mehreren Wochenenden kleinere Veranstaltungen zu organisieren.

Bausteine aus dem Altstadtfest

"Wir habe einzelne Bausteine aus dem Altstadtfest herausgelöst", erklärt Stephanie Rikl vom Kulturservice. So fand voriges Wochenende "Verein(t) am Meridian" statt: Im Stadthallengarten präsentierten sich rund 40 Görlitzer Vereine. Für das kommende Wochenende steht das Zeitreise-Fest an. Im Mittelpunkt steht das Marktleben in 950 Jahren Görlitzer Geschichte: Mittelalter, Renaissance, die Zeit des Napoleonismus, bis hin zu den Goldenen Zwanziger Jahren, die etwa mit der Spanischen Grippe und später der Inflation weniger glücklich verliefen als erhofft.

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Konzerte, Feuershow Modenschauen

Der Kulturservice arbeitet dafür mit mehreren Vereinen und Künstlern zusammen. Zum Beispiel mit der Dippoldiswalderin Jana Paula Herold, Veranstalterin für historisches Theater und Mittelalter-Feste. In ihrem Programm geht es um das Thema: "Als Napoleon sich aus Görlitz schlich". "Es gibt handwerkliche Vorführungen", erklärt Stephanie Rikl, Artistik mit Bezug zu den Epochen, Schautanz und Schaukampf, Morgen- und Abendkonzerte, eine Feuershow. Modenschauen. So erklärt etwa die Gruppe Vorwerk Vonatus, die schon bei früheren Altstadtfesten dabei war, warum die Burgen sinnlos wurden - militärisches Befestigungswesen auf humoristische Weise.

Um die Zwanziger Jahre geht es bei Alberts Sisters, zu denen Freyja Herold gehört. "Wir blicken hoffnungsvoll auf das Wochenende", sagt sie. Beim Altstadtfest ist die Gruppe ebenfalls schon mehrfach aufgetreten, immer mit historischen Themen. Für sie sei das Altstadtfest eines der schönsten, sagt Freyja Herold, "für eine meiner Kolleginnen ist es auch immer ein Heimspiel, sie ist ehemalige Görlitzerin. Wir hoffen, dass es auch im kleinen Rahmen ein farbenreiches Fest wird und die Leute auch etwas davon haben."

Alberts Sisters bei einem früheren Auftritt. Bei ihnen geht es um die Zwanziger Jahre.
Alberts Sisters bei einem früheren Auftritt. Bei ihnen geht es um die Zwanziger Jahre. © Kulturservice Görlitz

Beginn ist am Freitag um 17 Uhr, der Schluss am Sonntag 19 Uhr. Am Freitag und Sonnabend ist bis jeweils 22 Uhr "Marktzeit" auf dem Veranstaltungsgelände zwischen Nikolaizwinger, Gottfried-Kiesow-Platz und der Peterskirche. Auf den Bühnen stehen neben Vorwerk Vonatus, den Alberts Sisters, sowie Jana-Paula Herold, die als die Bertholdin auftritt, zum Beispiel die Gruppe Domus Donin, die zum Kulturverein Dohna gehört und Geschichten aus der Frühzeit der Stadt und dem damaligen Lagerwesen erzählt, die Musiker-Gruppe Bakchus, die Mittelalter-Gruppe Piers of Oxford sowie die Jonglage-Künstler und Musiker Duo Confilius.

Das Duo Confilius sind Cornelia Fuchs und Philipp Aaron Fuchs, beide Musiker und Jongleure.
Das Duo Confilius sind Cornelia Fuchs und Philipp Aaron Fuchs, beide Musiker und Jongleure. © Foto: Kulturservice Görlitz

Auch wenn das Progamm in seiner Art dem des Altstadtfestes ähnelt, bei dem im Nikolaizwinger auch immer Mittelaltermarkt ist, soll es keine Großveranstaltung werden, sondern das Fest sei in kleinerem Rahmen angelegt", erklärt Stephanie Rikl. "Wir rechnen mit unter tausend Gästen gleichzeitig." Es gelten auch Hygienemaßnahmen, also zum Beispiel die Abstandsregelungen, wo die nicht eingehalten werden können, die Maskenpflicht. "Beim Nikolaizwinger wird es auch eine Personenzählung und, je nachdem, einen Einlass-Stopp geben, weil dort der Raum begrenzt ist."

Corona-Lage in Görlitz noch entspannt

Die Corona-Lage ist im Landkreis Görlitz weiterhin entspannt im Vergleich zu anderen Regionen. Im Nachbarlandkreis Bautzen etwa liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 7,2. Im Kreis Görlitz lag sie am Dienstag bei 2. Eine weitere Infektion innerhalb der zurückliegenden 24 Stunden registrierte das Gesundheitsamt des Kreises in Görlitz. Ärger, das Altstadtfest nicht doch größer geplant zu haben, herrsche aber nicht. "Wir sind froh, dass wir in einer Lage sind, in der wir diese kleinen Formate durchführen können", sagt Stephanie Rikl.

Die Entscheidung dafür sei im März gefallen, als die Zahlen in Görlitz noch ganz anders aussahen. "Und wir brauchen auch eine Planungssicherheit", erklärt sie. "Es wäre viel schlimmer gewesen, hätte sich die Situation anders entwickelt und wir hätten gar nichts gehabt." Bei den drei, aus dem Altstadtfest herausgelösten Veranstaltungen gehe es auch darum, kleinere Institutionen zu unterstützen. "Voriges Wochenende ging es um die Vereine, dieses Wochenende um kleine Künstlergruppen und im September veranstalten wir das Familienfest."

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