merken
PLUS Görlitz

Gerhart-Hauptmann-Theater wird noch internationaler

Die Tänzer kommen aus acht Ländern. Und im Schauspiel führt eine Spur von Zittau nach Japan und wieder zurück. Freitag und Sonnabend haben zwei Stücke Premiere.

Die Tanzcompany des Theaters hat sieben neue Mitglieder. Insgesamt kommen die Tänzer und Choreografen aus acht Ländern.
Die Tanzcompany des Theaters hat sieben neue Mitglieder. Insgesamt kommen die Tänzer und Choreografen aus acht Ländern. © Martin Schneider

Das neue Tanzstück, das am Freitag, 15. Oktober, Premiere im Görlitzer Theater hat, heißt "Phönix". Denn wie Phönix aus der Asche ist auch die Tanztheatercompany nach langer Pause während der Lockdowns wiederauferstanden.

"Die Coronapandemie war tatsächlich Anlass für unsere neue Produktion", sagt Dan Pelleg, Choreograf der Company. "Uns hat interessiert, wie Menschen es immer wieder schaffen, nach Krisen und persönlichen Tiefs neuen Mut und neue Kraft zu schöpfen." Und das in einem Bühnenraum, in dem Erneuerung auch in den Dimensionen Natur, Physik und dem ganzen Universum vorstellbar wird.

Gesundheit und Wellness
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit und Wellness haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

Die Tanzcompany des Gerhart-Hauptmann-Theaters bringt ein Stück mit dem Titel "Phönix" auf die Bühne.
Die Tanzcompany des Gerhart-Hauptmann-Theaters bringt ein Stück mit dem Titel "Phönix" auf die Bühne. © Pawel Sosnowski
Die Tanzcompany des Gerhart-Hauptmann-Theaters bringt ein Stück mit dem Titel "Phönix" auf die Bühne.
Die Tanzcompany des Gerhart-Hauptmann-Theaters bringt ein Stück mit dem Titel "Phönix" auf die Bühne. © Pawel Sosnowski
Die Tanzcompany des Gerhart-Hauptmann-Theaters bringt ein Stück mit dem Titel "Phönix" auf die Bühne.
Die Tanzcompany des Gerhart-Hauptmann-Theaters bringt ein Stück mit dem Titel "Phönix" auf die Bühne. © Pawel Sosnowski

Die Tanzcompany hat sich aber auch ganz konkret erneuert. "Noch nie hatten wir so einen großen Wechsel unter unseren Tänzern", sagt Dan Pelleg. Die meisten Company-Mitglieder bleiben etwa zwei bis drei Jahre am Theater, dann wechseln sie wieder in die Freiberuflichkeit. Durch die Pandemie und die damit verbundene Theaterschließung blieben einige Tänzer aber länger, als sie ursprünglich geplant hatten. "Wir hatten ihnen das nahegelegt, denn für einen freiberuflichen Künstler ist eine Zeit ohne Veranstaltungen weltweit ungeheuer schwer."

Tänzer aus acht Ländern

Jetzt aber, da die Bühnen wieder offen sind und wieder getanzt werden darf, haben sowohl die Tänzer, die länger blieben als auch diejenigen, die sowieso gehen wollten, das Gerhart-Hauptmann-Theater verlassen. Dafür kamen sieben neue Tänzer nach Görlitz, nur drei sind schon länger da. Außerdem sind drei Tänzerinnen gerade in Elternzeit.

International ist die Tanzcompany seit jeher, bei den Proben und Trainings wird Englisch gesprochen. Im Moment kommen die Tänzer inklusive ihres israelischen Choreografen aus acht Ländern: Belgien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Israel, Italien und von der Insel Taiwan. "Einen Chinesen haben wir zum ersten Mal dabei", sagt Dan Pelleg.

Bei den Proben, in denen sich das Konzept eines Tanzstücks erst von der Idee zum Theaterstück vollendet, habe sich herausgestellt, dass die Antwort auf die Phönix-Frage, wie Menschen Krisen überwinden, im Miteinander liegt. "Es war erstaunlich", sagt Dan Pelleg, "die Tänzer, die sich vorher fast gar nicht kannten, begannen plötzlich, einander zu helfen, übernahmen Fürsorge und Verantwortung füreinander." Das sei eine Botschaft des neuen Stückes neben einigen Schattenseiten, die es auch beleuchte.

Das sind die sieben neuen Tänzer des Görlitzer Ballettensembles.
Das sind die sieben neuen Tänzer des Görlitzer Ballettensembles. © Martin Schneider

Keine Zeit für Angst vor Sparplänen

Denn der Vogel Phönix aus der griechischen Mythologie erzählt auch von Auslöschung und Untergang. Diesen Gedanken könnte man auch mit den Sparplänen von Landrat Lange assoziieren, in denen eine Streichung unter anderem der Tanztheatersparte möglich erscheint und die nach wie vor im Raum stehen. Bis Ende dieses Jahres soll ein Arbeitskreis mit Vertretern aller Beteiligten Vorschläge zur Finanzierbarkeit des Theaters ausarbeiten.

Gelegenheit, sich große Sorgen über die Zukunft zu machen, haben Ballettdirektor Marko E. Weigert und Dan Pelleg aber nicht. "Wir haben enorm viel Arbeit und deshalb den Kopf gar nicht frei dafür, Ängste zuzulassen oder uns Gedanken zu machen, wie es in den kommenden Jahren weitergeht", sagt der Choreograf.

Weitere Tanzstücke in dieser Spielzeit sind "Zerrinnerung" mit Premiere am 15. Januar, die Wiederaufnahme des "Kleinen Mädchens mit den Schwefelhölzchen" und "Viva Vivaldi!" in der Obermühle am 17. Juni. In den Musiktheaterproduktionen "Schneewittchen", "Mack & Mabel" und "Malfi!" wirkt die Tanzcompany ebenfalls mit. Die nächste Aufgabe nach der "Phönix"-Premiere sind aber die Tanzproben für "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny", die Abschiedsinszenierung von Klaus Arauner, die sein Nachfolger als Generalintendant Daniel Morgenroth mit in die neue Spielzeit übernommen hat.

Japanischer Schauspieler "kennt" Zittau seit 50 Jahren

Einen Tag nach "Phönix", an diesem Sonnabend, 16. Oktober, hat das Charlie-Chaplin-Stück "Slapstick" in Zittau Premiere, nach einer authentischen Begegnung des größten Komikers aller Zeiten mit dem Filmregisseur Orson Welles. Chaplin hatte einen Diener, der aus Japan kam. "Das ist bei uns im ganzen Land bekannt", sagt der Schauspieler Gen Seto, der diesen Diener in dem Zittauer Schauspiel als Gast verkörpern wird. Das Theater hatte für diese Rolle gezielt nach einem älteren Japaner gesucht und kam so auf den 66-Jährigen, der seit Jahrzehnten in Wien lebt.

Der japanische Schauspieler Gen Seto spielt in der Zittauer Inszenierung "Slapstick" den japanischen Diener von Charlie Chaplin.
Der japanische Schauspieler Gen Seto spielt in der Zittauer Inszenierung "Slapstick" den japanischen Diener von Charlie Chaplin. © Pawel Sosnowski

Für Gen Seto ist es etwas sehr Besonderes, in Zittau Theater zu spielen. "Ich hatte als Kind einen Lehrer, der häufig davon erzählte, wie er im Zittauer Gebirge Klettern und Wandern war." Als Gen Seto Kind war, war auch die nach dem Zweiten Weltkrieg in Japan eingeführte Demokratie noch jung. "Damals hatten viele Menschen Sorge, die Disziplin würde verloren gehen, auch meine Eltern", sagt er. Deshalb wurde er auf die katholische, von Jesuitenpatern geführte Schule in Kamakura südlich von Tokio geschickt.

Missionar aus Sachsen war Lehrer in Japan

"Einer meiner Lehrer war der Missionar Johannes Stolte aus Dresden", erzählt Gen Seto. "Er war etwa 1940 nach Japan gekommen und blieb dort bis zu seinem Tod." Von ihm lernten die Kinder unter anderem das Bergsteigen. "Es gab eine Berghütte, und wenn wir an Abenden oder regnerischen Tagen dort waren, erzählte er von Sachsen, von der Sächsischen Schweiz, vom Zittauer Gebirge, vom guten Bier, das hier gebraut wird."

Das Gerhart-Hauptmann-Theater inszeniert mit "Slapstick" eine authentische Begegnung zwischen Charlie Chaplin und Orson Wells. In der Mitte: Gen Seto als Diener dazwischen.
Das Gerhart-Hauptmann-Theater inszeniert mit "Slapstick" eine authentische Begegnung zwischen Charlie Chaplin und Orson Wells. In der Mitte: Gen Seto als Diener dazwischen. © Pawel Sosnowski

Bei Gen Seto hat sich aus dieser Zeit eine Leidenschaft fürs Wandern erhalten. "Als ich nach Zittau kam, bin ich bald nach Jonsdorf gefahren, um mir die Felsenformationen anzusehen, von denen mein Lehrer vor inzwischen 50 Jahren so oft schwärmte." Doch auch Zittau und das kleine Schauspielensemble, das schon lange zusammenarbeite und ihn sofort in die Gemeinschaft aufgenommen habe, gefalle ihm sehr.

"Und ich freue mich, dass ich gleich in der ersten Schauspielpremiere dieser Saison mitwirken darf." Leider sei seine Zeit in Zittau begrenzt. Bis zum Ende des Jahres läuft "Slapstick" in Zittau, im Februar folgen vier Vorstellungen in Görlitz.

Mehr zum Thema Görlitz