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Wer spendet 70.000 Euro für die Synagoge?

Ein neuer Davidstern soll bis Ende des Jahres auf die sanierte Görlitzer Synagoge. Viele haben dafür gespendet. SZ sagt, von wem die größte Summe kommt.

Diese Zeichnung der früheren Görlitzer Synagoge hat Andreas Neumann-Nochten zugunsten des Davidsterns versteigert.
Diese Zeichnung der früheren Görlitzer Synagoge hat Andreas Neumann-Nochten zugunsten des Davidsterns versteigert. © Zeichnung: Andreas Neumann-Nochten

Es sind sehr schöne Beschlüsse, die die Görlitzer Stadträte an diesem Mittwoch und Donnerstag fassen dürfen: Sie sollen der Annahme von Spenden und Schenkungen für die Wiedererrichtung des Davidsterns auf der frisch sanierten ehemaligen Synagoge an der Otto-Müller-Straße zustimmen. Erst Ende Februar hatten sie einstimmig beschlossen, dass der Stern zurückkehren soll. Und nun sind die dafür nötigen 70.000 Euro auch schon zusammen – komplett aus Spenden und Schenkungen.

Wobei: 70.000 Euro war die Schätzung vom Februar. „Jetzt haben wir etwas mehr Geld zusammen, aber vermutlich werden auch die Kosten etwas höher liegen“, erklärt OB Octavian Ursu (CDU). Das hänge mit steigenden Materialpreisen zusammen, aber auch damit, dass Eingriffe in die Statik am Synagogendach nötig werden. Doch Ursu hofft, dass Spenden und Kosten jetzt ungefähr gleich hoch sind.

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Spenden und Schenkungen über 73.240 Euro

Während die exakten Kosten noch nicht feststehen, sieht es bei den Spenden und Schenkungen anders aus: 73.240 Euro sind auf dem Konto der Stadt eingegangen, darunter eine Einzelspende in Höhe von 70.000 Euro. Sie kommt von der Jüdischen Gemeinde Görlitz (JGG). Das bestätigt deren Vorsitzender und Kantor Alex Jacobowitz. „Der Betrag wurde auf Initiative der JGG gesammelt – innerhalb und außerhalb der Gemeinde, also durch Mitglieder und auch Freunde der Gemeinde“, sagt er.

Bereits am 1. März hatte Jacobowitz eine Spende in Höhe von 10.000 Euro angekündigt – und zudem einen erweiterten Spendenaufruf an die Mitglieder, um zusätzliche Schenkungen zu ermöglichen. „Es hat mich nicht nur überrascht, dass so viel Geld zusammengekommen ist, sondern auch, dass es so schnell geklappt hat“, sagt Jacobowitz jetzt. Der Davidstern habe die Menschen inspiriert, Geld zu spenden. Gleichzeitig freut er sich auch, dass bei der Stadt weitere Spenden eingegangen sind, die nichts mit seiner Gemeinde zu tun haben. „Dass das Geld aus ganz unterschiedlichen Teilen der Gesellschaft kommt, ist ein Zeichen von Zusammenarbeit“, sagt er.

Evangelische Hoffnungskirchengemeinde gibt Geld

Unter anderem hatten die Mitglieder der evangelischen Hoffnungskirchengemeinde Görlitz 650 Euro gespendet und deren Pfarrer Frank Hirschmann mit seiner Familie weitere 100 Euro. „Wir haben nach mehreren Gottesdiensten eine Sonderkollekte gesammelt“, berichtet Hirschmann. Er hatte mit etwa 200 bis 300 Euro gerechnet. Dass nun 650 Euro zusammengekommen sind, freut ihn sehr. Auch ihm persönlich sei die Wiedererrichtung des Davidsterns ein Anliegen gewesen, obwohl er keine jüdischen Wurzeln habe.

Der Görlitzer Theologe, Maler und Ex-Stadtrat Andreas Neumann-Nochten hingegen hat jüdische Wurzeln. Er hat für den Davidstern zwei Zeichnungen aus den Jahren 1998 und 2013 versteigert – jeweils im Format A2. So kamen 1.115 Euro zusammen. Ein anonymer Spender hat aufgerundet, sodass Neumann-Nochten am Ende 1.200 Euro an die Stadt überweisen konnte. Auch ihm sei die Spende ein persönliches Anliegen gewesen, sagt der Maler: „Das Gebäude ist jetzt wieder eine Synagoge und nicht mehr nur eine bespielbare Baustelle, da soll auch der Stern wieder drauf.“

Privatmann aus Görlitz spendet 1.070 Euro

Eine ähnlich hohe Summe kommt von Heinz-Reinhard Conti-Windemuth aus Görlitz: 1.070 Euro. „Die Synagoge ist mir ein Herzensanliegen“, sagt er: „Ich bin so dankbar, dass das Gebäude in seiner Schönheit wieder da ist.“ Er sei in einem Dorf aufgewachsen, das die größte jüdische Landgemeinde in Nordhessen war. Auch wenn er selbst keine jüdischen Wurzeln hat, so habe er dadurch schon früh einen Bezug zum Judentum entwickelt.

Die AfD-Fraktion im Stadtrat hat 120 Euro als Schenkung überwiesen. Alle Mitglieder der Fraktion hätten sich beteiligt, sagt Fraktionschef Lutz Jankus: „Das haben wir spontan gemacht – jeder hat gegeben, was er gerade im Portemonnaie hatte.“ Es sei den Stadträten wichtig gewesen, einen symbolischen Beitrag zu leisten: „Nicht als Partei, sondern als Bürger der Stadt.“

OB findet Parteispenden hier unangebracht

OB Octavian Ursu hatte bereits im März erklärt, dass er persönlich Spenden von Parteien oder politischen Organisationen an dieser Stelle für nicht angebracht hält. Ansonsten aber freut er sich jetzt sehr über die Spenden aus unterschiedlichen Teilen der Gesellschaft – und wünscht sich, dass der Davidstern bis Ende des Jahres auf die ehemalige Synagoge zurückkehrt. Sicher sei der Termin freilich nicht, erklärt er mit Verweis auf Materialmangel am Bau und die hohe Auslastung der Firmen.

Ein anderes Datum steht fest: „Die Eröffnung der Synagoge ist jetzt für Mitte Juli geplant“, sagt der OB. Wegen der Corona-Pandemie sei der Termin schon dreimal verschoben worden: „Jetzt planen wir vorsichtig, eher als Veranstaltung im kleinen Kreis.“ Genaueres will die Stadt bekanntgeben, wenn der Termin näherrückt und die Pandemie-Entwicklung absehbarer ist.

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