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Hat das Görlitzer Nostromo noch eine Chance?

Der Schlachthof-Eigentümer droht dem Club mit einer Räumungsklage. Stadträte haben aber trotzdem noch Hoffnung.

Von Ingo Kramer
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Das Schild mit der Aufschrift „Wir wollen bleiben“ hing schon im Februar am Club Nostromo im alten Schlachthof in Görlitz.
Das Schild mit der Aufschrift „Wir wollen bleiben“ hing schon im Februar am Club Nostromo im alten Schlachthof in Görlitz. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Im Internet kochen die Reaktionen hoch, seit die SZ neulich berichtet hat, dass der Görlitzer Club Nostromo in Gefahr ist. Hintergrund: Der Eigentümer des Schlachthof-Geländes betrachtet die Verkaufsverhandlungen als gescheitert und droht mit Räumungsklage. Weil er es nicht verkauft bekommt, will er das Gelände stilllegen.

„Hauptsache wieder einen Ort zerstören, der durch bürgerschaftliches Engagement entstanden ist und sich etabliert hat“, schreibt ein Facebook-Nutzer. Andere schlagen einen Spendenaufruf vor, um dem Eigentümer das Areal abkaufen und das Nostromo retten zu können.

Und die Stadträte? „Wir haben bisher darauf vertraut, dass das, was Bürgermeister Michael Wieler erläutert hat, eine brauchbare Lösung ist“, sagt CDU-Fraktionschef Dieter Gleisberg. Jetzt sei diese offenbar gescheitert. „Eine bessere Idee haben wir leider auch nicht“, so Gleisberg. Doch der CDU-Mann schätzt das Nostromo: „Ich weiß, dass es ein gutes Angebot gemacht hat.“ Gleisberg schlägt vor, dass die Nostromo-Leute dem Schlachthof-Eigentümer ein Kaufangebot für die Teilfläche machen sollten, die sie benötigen. Und dann Spenden zu sammeln: „Bestimmt würden wir als Stadträte auch etwas dazugeben.“

Eigentümer und Nostromo sollten reden

Yvonne Reich von den Bürgern für Görlitz findet das Thema schwierig. „Die einzige Lösung ist, miteinander zu reden“, sagt sie. Eigentümer und Nostromo sollten sich jetzt an einen Tisch setzen – auch wenn die Fronten verhärtet sind. „Anders geht es nicht“, sagt sie. Dass Bürgermeister Wieler – gleichzeitig Vereinsvorsitzender bei den Bürgern für Görlitz – an der aktuellen Situation nicht ganz unschuldig ist, sieht auch Yvonne Reich so. Dennoch sollten sich ihrer Ansicht nach jetzt erst einmal die beiden betroffenen Parteien zusammensetzen – zunächst ohne Wieler.

Die Linkspartei wird deutlicher. „Herr Wieler mit seinen unabgestimmten Äußerungen zu seiner ,Seifenblase’ Bevölkerungsschutzzentrum hat auf dem ehemaligen Schlachthofgelände nicht nur den Stein gegen das Nostromo ins Rollen gebracht, sondern er hat zusätzlich immer vorgetäuscht, eine Lösung zum Erhalt zu haben“, sagt Stadtrat Mirko Schultze. Seine taktischen Fehler habe Wieler nicht eingesehen: „Dies war offensichtlich eine typische Hinhalte- und Verschleierungstaktik.“

Mike Altmann (Motor Görlitz) sieht einen anderen Weg: „Herr Wieler sollte Ruhe bewahren und weiter das Gespräch mit allen Beteiligten suchen.“ Das Nostromo erfülle seit über 20 Jahren eine wichtige Funktion in der Stadt und zeige, was man aus einer alten Industrieanlage machen kann. Für ihn stelle sich die Frage, „ob wir es hier mit einem Kulturdenkmal zu tun haben“. Dieser Frage sollten sich Experten widmen, findet Altmann. Zudem sieht er ein generelles Problem: „Wir müssen dahin kommen, dass die Stadt bei solchen Flächen handlungsfähig wird.“ Momentan sei sie ja nicht einmal in der Lage, 300.000 Euro für das Gelände zu bezahlen. Daran müsste sich etwas ändern.

Stadt sollte den Verein unterstützen

Am wenigsten Hoffnung für einen Verbleib des Nostromos im Schlachthof-Gelände hat die AfD-Fraktion. „Dafür sehe ich keine Chance“, sagt Sebastian Wippel: „Wir können ja kein Geld ausgeben, das wir nicht haben.“ Doch auch für ihn ist das Nostromo „ohne Frage ein wichtiges Angebot.“ Deshalb sollte die Stadt den Verein seiner Meinung nach dabei unterstützen, neue Räume zu finden. Wippel ist in erster Linie sauer auf Wieler: „Er hat den Stadtrat ziemlich im Dunkeln gelassen, was die Verhandlungen angeht und mit wem sie stattfinden.“ Nun versuche der Schlachthof-Eigentümer offenbar, mit Druck auf das Nostromo den Preis nach oben zu treiben.

Im Nostromo selbst ist die Räumungsklage bisher nicht eingegangen. Deshalb hält der Schall- und Rauch-Verein als Betreiber momentan still – und wartet ab, ob der Eigentümer diesen Schritt wirklich geht.