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Hier gibt es in Görlitz kostenlose Lebensmittel

Die Initiative „Foodsharing“ will Nahrung vor der Mülltonne retten. Das funktioniert schon in vielen Städten – und ist ganz simpel.

Felix Schneider von der Initiative „Foodsharing“ steht vor dem neuen „Fairteiler“ am Bioladen „NaturkostArche“ an der Bautzener Straße 32 in Görlitz.
Felix Schneider von der Initiative „Foodsharing“ steht vor dem neuen „Fairteiler“ am Bioladen „NaturkostArche“ an der Bautzener Straße 32 in Görlitz. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Ausgerechnet zum Fototermin ist der Schrank so gut wie leer. Nur ein paar Brote liegen darin, dazu ein paar kleinere Tütchen mit Lebensmitteln. „Das variiert, vor allem am Ende der Woche ist er manchmal richtig gut gefüllt“, sagt Felix Schneider. Er gehört zur Görlitzer Ortsgruppe der Initiative „Foodsharing“. Die entstand im Jahr 2012 in Berlin – um sich gegen Lebensmittelverschwendung zu engagieren und ungewollte und überproduzierte Lebensmittel in privaten Haushalten sowie von Betrieben zu „retten“.

Mittlerweile ist sie zu einer internationalen Bewegung mit über 200.000 registrierten Nutzern in Deutschland, Österreich, der Schweiz und weiteren europäischen Ländern herangewachsen – und auch in Görlitz präsent. „Unsere Ortsgruppe hat etwa 50 Mitglieder, von denen rund 20 aktiv sind“, sagt Felix Schneider.

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Sie haben direkt vor dem Bioladen „NaturkostArche“ an der Bautzener Straße 32 den „Fairteiler“ aufgestellt: je einen Kühlschrank, Gefriertruhe und normalen Schrank. Alle drei sind offen für jedermann, solange das Gelände offen ist. Normalerweise wird das Eingangstor wochentags gegen 20 Uhr verschlossen, am Sonnabend um 16 Uhr. Bis dahin kann jeder die Schränke nutzen – um etwas hereinzustellen, oder auch, um sich zu bedienen.

Ein paar Grundprinzipien sind aber zu beachten. „Vor allem sollte man nur solche Lebensmittel reinstellen, die man selbst noch essen würde“, sagt der 24-Jährige. Ein abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum ist keine Hürde: Die meisten Lebensmittel sind weit darüber hinaus noch gut. Aber was verdorben ist, hat hier nichts zu suchen. Auch Alkohol ist tabu, denn auch Kinder kommen an die Schränke ran.

1.000 Euro Förderung von der Stadt

Felix Schneider stammt aus Zittau, lebt seit vier Jahren in Görlitz und studiert hier Soziale Arbeit. Beim Fokus Festival im vorigen August ist er auf Foodsharing aufmerksam geworden. Die Ortsgruppe bestand damals schon, präsentierte sich beim Festival, hatte aber noch keine Schränke aufgestellt. Das passierte schließlich mit einer Förderung über 1.000 Euro von der Stadt, berichtet Felix Schneider: „Von dem Geld konnten wir den Kühlschrank kaufen und können den Strom bis Ende 2022 bezahlen.“ Den anderen Schrank bekamen sie kostenlos aus einem Privathaushalt. Weitere Kosten fallen aktuell nicht an, denn alle Mitglieder arbeiten im Ehrenamt.

Zu tun haben sie genug. Vor allem müssen sie täglich überproduzierte Lebensmittel bei den Betrieben, die sie bisher für das Projekt gewonnen haben, abholen. Die Brotschmiede in der Altstadt gehört dazu, von der Theater-Gastronomie gibt es abgelaufene Getränke und auch der Enderhof aus Tetta stellt zur Verfügung, was er nicht verkauft hat. „NaturkostArche“ auch, aber dort muss nichts abgeholt werden, das erledigen die Betreiber gleich selbst.

Zudem kann auch jeder Private, der zu viel eingekauft hat oder in den Urlaub fährt, Nahrung zur Verfügung stellen. „Die Leute können die Sachen vorbeibringen oder sie von uns abholen lassen“, sagt Felix Schneider. Alle Kontaktdaten gibt es auf der Internetseite. Dort finden sich auch noch andere Unterstützungsmöglichkeiten. So kann zum Beispiel jemand schreiben, was er gern abgeben möchte – und der nächste geht hin und holt es sich gleich direkt – ohne den Umweg über die Bautzener Straße. Wichtig ist einzig das Ziel: So wenig Nahrung wie möglich wegzuwerfen.

[email protected]

www.foodsharing.de

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