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Als Kubas Olympioniken in Görlitz Fußball spielten

Vor 45 Jahren siegten die Kubaner gegen Motor Wama Görlitz. Wenige Wochen darauf wurde die DDR Olympiasieger - mit Dynamo-Spielern wie Häfner und Schade.

Die Kubanische Fußball-Nationalmannschaft stellt sich im Mai 1976 auf der Berliner Straße den Fotografen.
Die Kubanische Fußball-Nationalmannschaft stellt sich im Mai 1976 auf der Berliner Straße den Fotografen. © Horst Gotthardt

Dass die Kubanische Olympia-Auswahl in der Neißestadt ein Vorbereitungsspiel auf die Sommer-Olympiade 1976 in Montreal absolvierte, wird vielen Görlitzern nicht mehr im Gedächtnis sein. Ein Grund für SZ-Leser Wolfgang Stiller, an das Ereignis vor 45 Jahren zu erinnern - wenige Wochen vor den diesjährigen Olympischen Spielen in Tokio, für dessen Fußballturnier sich zwar die Nachwuchsauswahl Deutschlands, aber nicht die Kubas qualifiziert hat.

Für den Görlitzer Fußballsport ist das seinerzeit aber ein großer Paukenschlag gewesen, im Mai 1976 die Olympioniken aus Übersee in der Stadt und auf dem Fußballrasen zu haben. Der Gegner hieß damals BSG Motor Wama Görlitz (heute Gelb-Weiß Görlitz), mit dem sich die Kubaner zu einem Vorbereitungsspiel trafen. Die Beziehungen zwischen Kuba und der DDR waren eng, das traf auch auf den Sport zu. So bot der Deutsche Fußballverband der DDR dem sozialistischen Land an, in Vorbereitung auf die Olympiade in die DDR zu reisen.

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Knapper Sieg der Kubaner

Auf Empfehlung des DFV der DDR, schreibt Wolfgang Stiller, sollte auch ein Trainingsspiel im Bezirk Dresden stattfinden. Der Fußballbund wählte dazu Görlitz aus. Was ihn dazu bewog, ist nicht überliefert. Jedenfalls reisten die Kubaner im Ikarus-Bus an und nahmen Quartier im Hotel Stadt Dresden an der oberen Berliner Straße - heute Teil des neuen Landratsamtes, damals eine der ersten Adressen in Görlitz.

Ein Tor fiel in der Begegnung gegen den Bezirksligisten - und das erzielten die Kubaner. Dieser knappe Sieg und die Begegnung allgemein wurden am Abend auf einem Empfang des Oberbürgermeisters Werner Dietrich im Saal des "Stadt Dresden" mit anschließendem Bankett ausgiebig gefeiert. Die Organisation und Durchführung dieses geselligen Abends lag in den Händen von Klaus Hoffmann, damals Stadtrat für Jugendfragen, Körperkultur und Sport.

Bohnen statt Kartoffeln

Der 79-jährige Görlitzer kann sich noch gut an den Empfang erinnern: "Die Kubaner kannten keine Kartoffeln. Sie bevorzugten Bohnen zum Gericht. Es war schwierig, so viele Bohnen in der Küche aufzutreiben, dass es für alle reicht. Aber irgendwie haben wir sie alle satt bekommen, zumal ihnen das Schweinefleisch schmeckte", berichtet Hoffmann mit einer Brise Humor. Schließlich bestand die Mannschaft aus jungen Kerlen, 18 und 19 Jahre jung, und die haben schon was weggeputzt.

Im Fußball standen die Kubaner aber erst am Anfang. Das zeigte nicht nur das magere 1:0 in Görlitz, sondern auch die Spiele bei der Olympiade wenige Wochen darauf. Zwar trotzten sie Polen ein 0:0 ab, aber das anschließende Gruppen-Spiel gegen Iran verlor Kuba mit 0:1 und schied damit aus. Gruppensieger waren Iran und Polen, sie erzielten die meisten Tore.

Zweimal Gold für die DDR

Polen war am Ende der Olympiade wiederum der Finalgegner der DDR-Nationalmannschaft. Die Amateur-Mannschaft von Georg Buschner (Profis waren nicht zugelassen) besiegte Polen mit einem 3:1 und sicherte sich damit Olympia-Gold. Hartmut Schade, Martin Hoffmann und Reinhard Häfner ließen es dreimal im polnischen Kasten klingeln. Knapp 72.000 Zuschauer verfolgten die Begegnung im Olympiastadion Montreal. In der DDR groß gefeiert wurde an diesem 31. Juli 1976 aber ein anderer Sport-Held: Waldemar Cierpinski. Der Hallenser holte für die DDR Gold im Marathon und war damit der erste deutsche Marathon-Olympiasieger.

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