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So feiert der Tierparkchef Silvester

Sven Hammer verbringt den Jahreswechsel allein im Görlitzer Zoo - im Tibethaus. Zum Teil jedenfalls. Eigentlich ist er vor allem im Gelände unterwegs.

Tierparkdirektor Sven Hammer auf seinem Bett im Tibethaus im Görlitzer Tierpark: Hier verbringt er einen Teil der Silvesternacht.
Tierparkdirektor Sven Hammer auf seinem Bett im Tibethaus im Görlitzer Tierpark: Hier verbringt er einen Teil der Silvesternacht. © Martin Schneider

Sven Hammer übt schon mal. Probeliegen für die Silvesternacht, nicht im trauten Heim, sondern an seiner Arbeitsstätte. Er macht es sich bequem auf Schaffellen und einer etwas harten Matratze, zieht sich den obligatorischen Hut ins Gesicht. "Ich könnte hier glatt noch ein bisschen liegenbleiben", schmunzelt der Direktor des Görlitzer Tierparks. Aber soweit ist es noch nicht.

Silvester, seit 2012 stellt das eine Herausforderung für die Familie Hammer dar. Den Jahreswechsel verbringen Gattin Catrin, Tierpark-Kuratorin, und Sven Hammer seither im Zoo. In diesem Jahr ist Sven Hammer allein. Die Sorge um die Tiere treibt ihn um. Außer dem Tierparkchef ist in dieser besonderen Nacht niemand vom Personal in der Einrichtung. "Aber wenn ich anrufen würde, kämen die Pfleger sofort. Wir sind eine gute Truppe", sagt Sven Hammer.

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Eine Nacht im Tibethaus

Im Tibethaus, obere Etage, wo ansonsten Filme über Tiere aus der dortigen Region gezeigt und Wissen vermittelt werden, verbringt der Zoochef die Nacht. Eine Heizung gibt es nicht. Braucht der Tierparkdirektor aber auch nicht. Denn er ist die meiste Zeit in der Nacht eh auf den Beinen.

Abends, so gegen zehn, elf, kommt Sven Hammer in den Zoo und bezieht seinen Beobachtungsposten. Eigentlich gibt es zwei davon, sagt er. Zum Einen ist das die Terrasse des Tibethauses. "Zum Anderen kann man aber auch vom Sonnendeck aus gut die Lage beobachten", schildert er.

Drei Probleme zu Silvester und danach

Es sind die Böller, Knaller, die rund um den Tierpark gezündet werden und bei den Bewohnern im schlimmsten Fall für Panikattacken sorgen, die Sven Hammer an seine nächtliche Arbeitsstätte treiben. "Ich sehe vor allem drei Probleme", schildert er. Erstens: der Stress für die Tiere durch die Knallerei, Feuergefahr durch Raketen und der nächste Morgen. "Dann muss der ganze Dreck aufgesammelt werden, der im Tierpark landet", sagt Sven Hammer.

Außer seinen Beobachtungen aus mehr oder weniger Ferne, bricht Sven Hammer zu seinen nächtlichen Rundgängen auf. "Wenn es Silvester kalt und regnerisch ist, ist das gut für die Tiere. Dann böllern die Leute nicht so viel auf den Straßen", weiß er.

Geböllert wird auch trotz Verkaufsverbot

Böllern trotz Böller-Verkaufsverbot, ist das denn eigentlich ein Problem in diesem Jahr für den Tierpark? "Ja", sagt Sven Hammer. Denn, dass trotz Verbotes geböllert wird, davon geht er aus. Ob nun aus Altbeständen, aus Knallern, die jenseits der Grenzen gekauft wurden - trotz Reisebeschränkungen oder einfach über das Internet - irgendwoher gibt es schon die Böller, sagt Sven Hammer.

Wenn es nach ihm ginge, sollte in Görlitz ein Böller-Verbot erlassen werden, flächendeckend für die gesamte Stadt. So, wie es beispielsweise Dresden vormacht. "Es wäre besser für die Tiere, egal ob zu Hause oder für Wildtiere", findet Sven Hammer. Das Thema Böllerverbot stand in Görlitz eigentlich im Stadtrat im Dezember auf der Tagesordnung. Es gab eine Beschlussvorlage von CDU und der Bürger für Görlitz. Darin stand, dass ein Feuerwerksverbot rund um den Tierpark beschlossen werden soll. Das Thema wurde von der Tagesordnung genommen. Begründung: Wenn keine Böller verkauft werden dürfen, wird es auch weniger Böllerei geben. Doch Erstens wurde der Antrag wegen Corona zurückgestellt, zum Anderen sieht die Stadt keine Möglichkeit, rund um den Tierpark ein Böllerverbot zu erlassen und verweist auf ganz ähnliche Fälle wie in München, wo ein solches Verbot vor den Gerichten keinen Bestand hatte.

Sven Hammer winkt ab. Quatsch. Er kennt mittlerweile die Stellen, an denen es rund um den Tierpark am meisten und lautesten kracht. Seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereiten sich schon seit Wochen auf den Silvesterabend vor - beziehungsweise die Tiere. Kurz nach Mitternacht macht sich Sven Hammer auf den Weg zu einem der Tierpark-Böllerei-Hotspots: dem Känguru-Gehege. Das befindet sich am Tierpark-Außenrand, nahe der Carl-von-Ossietzky-Straße.

Bis gegen halb zwei kommt Sven Hammer auf seinen nächtlichen Touren hier vorbei. Wenn es sein muss, natürlich auch länger. Die Tiere werden in der Silvesternacht eingesperrt, im wahrsten Sinne des Wortes. Sie dürfen nicht raus, sind in einem engen Raum zusammengepfercht - zu ihrem eigenen Wohl. Sven Hammer zeigt auf die große Scheibe, durch die die Kängurus normalerweise beobachtet werden können, auf ein Gitter. "Wenn die Tiere in Panik wegen der Knallerei geraten, können sie sich verletzen oder im Gitter hängenbleiben", sagt er.

Schön findet es Sven Hammer nicht, die Tiere in der einen Nacht so wegzusperren. "Aber eine andere Möglichkeit haben wir nun mal nicht", so der Zoochef. Die Kängurus, nur ein Problemfall in der Silvesternacht. Von anderen Tieren in den neuen Gehegen, wie etwa den Beos, weiß man im Tierpark noch gar nicht, wie sie auf die Knallerei reagieren.

Gefahr durch Raketen

Hier wird es gefährlich, wenn eine Rakete einschlägt: Nicht jeder Heuballen kann geschützt werden.
Hier wird es gefährlich, wenn eine Rakete einschlägt: Nicht jeder Heuballen kann geschützt werden. © Martin Schneider

So oder so: Am Abend vor Silvester wird im Tierpark erst einmal genau hingeschaut. Wo sind welche Fenster offen, wo könnte eine Feuerwerksrakete einen Brand verursachen? Alles könne aber nicht weggeschlossen werden, sagt Sven Hammer und deutet auf Heu, das den Tieren als tägliches Futter dient. Neben dem zeitlichen Aufwand steht auch immer der finanzielle. "Wir können nicht um jeden Heuballen einen Verschlag zimmern", so Sven Hammer. Deshalb legt er bei seinen nächtlichen Rundgängen immer wieder einen besonderen Blick darauf, ob es schon wegen einer fehlgeleiteten Rakete irgendwo zu qualmen beginnt.

Sven Hammer ist keiner, der die Böllerei generell ablehnt. "Aber es wäre schön, wenn man Kompromisse finden könnte", findet er. Und natürlich hat er er dabei vor allem die Tiere in "seinem" Zoo im Blick - aber nicht nur.

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