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Wie Corona die Veranstalter ausbremst

Hygieneregeln ermöglichten bisher Theater und einiges mehr in Görlitz und Niesky. Im November geht gar nichts mehr. Und was wird aus Silvester?

Vor einem Jahr startete er optimistisch: Mario Cichy, der neue Manager des First Club. Jetzt ist der Laden vorerst dicht.
Vor einem Jahr startete er optimistisch: Mario Cichy, der neue Manager des First Club. Jetzt ist der Laden vorerst dicht. © Nikolai Schmidt

Der First Club in der Görlitzer Elisabethstraße hatte sich schon vor der Lockdown-Ankündigung am Mittwoch für den konsequenten Weg entschieden. „Schweren Herzens haben wir angesichts der aktuellen Situation beschlossen, dass wir die gesamte Saison 20/21 ausfallen lassen werden“, schrieben die Betreiber schon vorab bei Facebook. Und weiter: „Wir stehen für ausgelassene Partys und können uns einfach nicht vorstellen, dass wir Euch dies mit einem komplexen Hygienekonzept und vielen Kompromissen auch nur ansatzweise bieten können. Und wirtschaftlich ist das auch nicht umsetzbar.“

Landskron verzichtet auf Silvesterparty

Der Club geht damit noch einen Schritt weiter als die Landskron Kulturbrauerei, die bis zum Jahresende alle Veranstaltungen abgesagt hat – auch die Silvesterparty. Absagen dieser Art aufgrund der Corona-Situation häufen sich mittlerweile. Selbst der Heimatverein Ludwigsdorf/Ober-Neundorf hat mitgeteilt, dass bis Ende März alles ausfällt – mit Ausnahme der Kürbisveranstaltungen. Weil der Verein keine Einnahmen mehr hat, bittet er nun um Spenden.

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Andere Veranstalter hingegen haben den Oktober noch einmal genutzt. Das bestätigt zum Beispiel Philipp Bormann, der Referent des Generalintendanten am Gerhart-Hauptmann-Theater. Im Görlitzer Haus gilt das genehmigte Hygienekonzept mit 88 Plätzen. „Das funktioniert sehr gut, wir haben immer ein volles Haus und bekommen auch sehr gute Rückmeldungen von unseren Gästen, die uns sagen, dass sie sich bei uns sicher und gut aufgehoben fühlen.“ Dennoch muss auch das Theater ab Montag schließen – wie alle Kultureinrichtungen bundesweit. Das Theater trifft das hart. „Bis Ende November waren die meisten Veranstaltungen ausverkauft“, sagt Philipp Bormann. Ihm bleibt jetzt nur die Hoffnung, im Dezember wieder öffnen zu dürfen, sodass zumindest die beliebten Weihnachtskonzerte stattfinden können.

Theater liegt unter 100 Gästen

Schon seit wenigen Tagen gilt die neue Allgemeinverfügung des Landkreises, wonach Veranstaltungen nur noch mit 100 Personen und genereller Maskenpflicht erlaubt sind und nach 22 Uhr kein Alkohol mehr ausgeschenkt werden darf. „Für uns hat sich dadurch nichts geändert“, sagt Philipp Bormann: „Wir waren ohnehin schon unter 100 Gästen – und nach 22 Uhr sind die meisten Veranstaltungen vorbei.“

Die Zahl von 100 Personen gilt für jegliche öffentliche Veranstaltung, auch für Gottesdienste, erklärt Landrat Bernd Lange. Was viele wundert, ist der Unterschied zu Familienfeiern, die nur mit zehn Personen erlaubt sind. Bei Veranstaltungen gibt es ein Hygienekonzept und einen Verantwortlichen, bei Feiern zwar einen Feiernden, aber keinen Verantwortlichen im Sinne der Verordnungen, heißt es in der Verfügung des Kreises.

Firstenstein war lange optimistisch

Auch andere Veranstalter waren bis Mittwoch noch optimistisch. So waren im Hotel „Zum Firstenstein“ in Königshain für November und Dezember zwei Kabarett-Abende geplant, dazu ein Schlachtfest und ein Oldie-Abend. „Nach unserem aktuellen Konzept dürfen wir 90 Gäste mit Abstand reinlassen“, sagt Norbert Hauffe vom Firstenstein. Im September habe es einen Kabarett-Abend mit Ranz & May nach diesem Konzept gegeben: „Das war ausverkauft, alles hat ohne Probleme funktioniert.“ Jetzt nutzt ihm das gar nichts mehr: Für den November muss er alles absagen.

Ähnlich Julia Boegershausen: Die Görlitzerin hatte im November vier Konzerte in der Alten Synagoge in der Langenstraße geplant. „Dazu habe ich Anfang der Woche positive Rückmeldungen vom Gesundheitsamt erhalten“, sagt sie. Voraussichtlich 30 bis 40 Besucher hätte sie reinlassen dürfen – in kleineren Gruppen und mit genug Abstand. Nun geht gar nichts mehr.

Abschlussbälle fallen aus

Auch andere trifft es hart. So hat Thomas Matzke bereits am Montag schweren Herzens die für November geplanten Abschlussbälle seiner Tanzschule abgesagt. Vor Corona hatten diese meist um die 400 Gäste. Nach der bisher gültigen Corona-Verordnung hätten sie im Bürgerhaus Niesky mit 290 Gästen stattfinden können. „Das wäre finanziell auch noch gegangen“, sagt er. Nach dem bundesweiten Beschluss am Mittwoch hätte er sie ohnehin absagen müssen. Doch auch schon mit der am Montag gültigen Regelung – 100 Gäste, Ausschankschluss um 22 Uhr und Maske beim Tanzen – wäre es keineswegs möglich gewesen. Und auch eine Verschiebung auf nächstes Jahr sei nicht drin: „Da müssten die Schüler ja vorher noch einmal Tanzstunden nehmen.“

Bürgerhaus muss Veranstaltungen absagen

Auch andere Veranstaltungen im Bürgerhaus Niesky müssen nun abgesagt werden. „Die Veranstaltung ,Lieder vom Wolgastrand‘ mit Ronny Weiland am 15. November war mit 150 Karten ausverkauft“, sagt Betriebsleiterin Angela Rädisch. „Als die Corona-Zahlen stiegen, riefen uns viele Gäste an, aber wir konnten keine richtige Auskunft geben“, sagt sie. Täglich gab es etwas Neues: „Für uns war das keine schöne Situation.“ Mittlerweile hat sie zumindest Gewissheit, kann den Gästen Antworten geben. Zum Beispiel, dass die „Lieder vom Wolgastrand“ auf den 19. März verlegt sind. Die Karten behalten ihre Gültigkeit.

Auch Johannes Daume vom Rosenhof ist derzeit nicht sehr erfreut. Zwar sind alle Teile des Rosenhofes mit genehmigtem Hygienekonzept noch bis Sonntag geöffnet, aber gerade Familienfeiern werden schon seit Tagen in Mengen abgesagt, selbst alle Vereins-Veranstaltungen des Reitervereins fallen aus. Größere Veranstaltungen hatte Daume in nächster Zeit keine geplant. „Wir überlegen derzeit lediglich, ob Silvester machbar ist“, sagt er. Diese Veranstaltung sei immer schon im Januar ausgebucht. Jetzt sei dazu noch keine Entscheidung gefallen. Wie es im Dezember mit Weihnachtsfeiern aussehen wird, sei genauso ungewiss. Das sei wirklich sehr ärgerlich. „Aber am Ende nehme ich alles so, wie es kommt“, sagt Daume.

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