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"Musik für unsere Lieblingsstadt"

Ab 20. März werden an verschiedenen Orten in Görlitz Bläser spielen. Dabei erklingt ein extra dafür geschriebenes Lied, das bald jeder kennen soll.

Maria-Ruth Schäfer organsiert viele "Geburtstagsständchen" für Görlitz. Thomas Stapel (l.) hat dafür ein Stück komponiert, Gotthard Pissang spielt jeden Sonntag
Maria-Ruth Schäfer organsiert viele "Geburtstagsständchen" für Görlitz. Thomas Stapel (l.) hat dafür ein Stück komponiert, Gotthard Pissang spielt jeden Sonntag © Paul Glaser

Gleich bei den ersten Tönen blieben ein paar Menschen auf dem Görlitzer Untermarkt stehen und schauten hinauf, als Maria-Ruth Schäfer auf der Tuba und Gotthard Pissang auf der Trompete Anfang der Woche ein Lied vom Rathausturm herunterbliesen. "Wie haben wir Livemusik vermisst!", werden die spontanen Zuhörer gedacht haben.

Denn selbst in der Adventszeit war Bläsermusik von Türmen nur selten und wenn, dann unangekündigt zu hören. Die große Tradition der Posaunenchöre schien unterbrochen, Einzelne spielten trotzdem. Um wieder mehr Musik auf die Görlitzer Straßen und Plätze zu bringen, hat sich Maria-Ruth Schäfer jetzt ein Herz gefasst.

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Junge Frau bringt Blechblasmusik nach vorn

Die Initiatorin des musikalischen Netzwerks Blech:Werk:Stadt will Görlitz – und Zgorzelec, falls möglich – über ein halbes Jahr hinweg an jedem Sonnabend und Sonntag mit kleinen Konzerten zum Klingen bringen. Zum ersten Mal am 20. März und dann weiter bis zum 19. September.

Maria-Ruth Schäfer mit ihrem Helikon.
Maria-Ruth Schäfer mit ihrem Helikon. © Nikolai Schmidt/Archiv

Dafür hat sie zu allen ihr bekannten Görlitzer Musikgruppen, die "Blechmusik" machen, Kontakt aufgenommen und sie gefragt, ob sie sich beteiligen und ein Geburtstagsständchen für "unsere Lieblingsstadt" spielen möchten, die ja 2021 schließlich 950 Jahre alt wird. Die Begeisterung kann man sich vorstellen – fast alle Musiker haben triste Zeiten hinter sich.

Kleine Konzerte an 27 Wochenenden

So stehen die Bläserformationen für 22 der 27 Sonnabende schon fest. "Die größeren Gruppen habe ich möglichst weit nach hinten gelegt, in Richtung Sommer", sagt Maria-Ruth Schäfer in der Hoffnung, dass sich dann wieder mehr als nur die Angehörigen zweier Hausstände treffen können. Dazu zählen zum Beispiel das Görlitzer Jugendblasorchester im Mai und September oder die Bigband der Musikschule Johann Adam Hiller im Juli.

An den meisten Sonntagen wird Gotthard Pissang, Leiter des Posaunenchors Frauenkirche, mit seiner Trompete vom Rathausturm aus ein paar Lieder blasen. "Zusammen mit meiner Frau", sagt er, "da brauchen wir uns über die Zahl der Hausstände keine Gedanken zu machen."

Keine Angst vor Menschenaufläufen

In der Adventszeit hatten die Posaunenchöre von ihrem ursprünglichen Plan, Turmkonzerte zu geben, Abstand genommen mit der Begründung, von oben sei für die Musiker nicht zu garantieren, dass die Zuhörer am Boden die Abstände einhalten. Die Verantwortung dafür könne ein Posaunenchor nicht übernehmen, sagte Posaunenwart Steffen Peschel im November.

Gotthard Pissang, der hin und wieder vom Balkon der Peterskirche spielte, weiß inzwischen aus Erfahrung, dass die Zahl der Menschen meist gering ist, die sich tatsächlich am Fuße eines Turms versammeln. "Wir haben dafür erlebt, dass sich ringsum die Fenster öffnen", sagt er. "Wir wurden auch von Menschen angesprochen, die uns aus der Entfernung gehört haben, etwa aus dem Rathaus." Aber zu größeren Versammlungen sei es nie gekommen, auch weil die kleinen Konzerte nicht angekündigt waren.

Daran möchte Maria-Ruth Schäfer anknüpfen. "Die Menschen sollen schon wissen, dass an jedem Sonnabend 15 Uhr und an den Sonntagen etwas zu hören ist, aber den Ort müssen Sie selbst herausfinden." Auf ihrer Homepage zur Blech:Werk:Stadt sind alle Termine unter "Popup Geburtstagsblechmusik" mit Orten veröffentlicht.

Neuer Ohrwurm für Görlitz

Was alle Konzerte verbindet, ist ein "Turmsignal", das Thomas Stapel, der Leiter der Musikschule Johann Adam Hiller am Fischmarkt, komponiert hat. Vierstimmig, eingängig und auch für Laien zu spielen, die ihr Instrument noch nicht seit Jahren beherrschen. "Ein Ohrwurm für unsere Aktion", sagt Maria-Ruth Schäfer, "bald wird ihn jeder kennen."

Sie hatte Thomas Stapel gefragt, ob er ein eigenes Musikstück für die "Geburtstagsständchen" komponieren könne, und binnen eines Tages schickte er ihr einen Entwurf. "Es hat Spaß gemacht", sagt Stapel. Alle Auftritte werden damit beginnen, darauf folgen drei oder vier weitere Musikstücke.

Manchen wird die Idee, dass vor allem Laien an verschiedenen Orten der Stadt auftreten, an die Fête de la Musique erinnern, die Gotthard Pissang früher organisierte. "Auch daran möchten wir anknüpfen", sagt Maria-Ruth Schäfer, "eine große Görlitzer Fête de la Musique, über viele Wochen verteilt."

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