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Was Görlitzer Lehrer und Eltern jetzt umtreibt

Am Montag starten Grundschulen und Kitas wieder im Präsenzbetrieb. Wie viele Fragen, wie viel Kritik es gibt, zeigte eine Online-Diskussion mit Minister Piwarz.

Im September war Christian Piwarz in Görlitz. Über die Fragen Görlitzer Schulleiter sprach er jetzt online.
Im September war Christian Piwarz in Görlitz. Über die Fragen Görlitzer Schulleiter sprach er jetzt online. © nikolaischmidt.de

Die Fragen füllten 25 Seiten, über 70 kamen noch im Online-Chat hinzu: Wie weiter an den Schulen, Kitas und der Betreuung daheim?

Worum ging es?

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Die CDU hatte in Görlitz, Markkleeberg und Chemnitz zu einer Online-Diskussion eingeladen. Ziel war, Fragen direkt durch Kultusminister Christian Piwarz beantworten zu lassen, sagt Florian Oest, Vorsitzender des CDU Kreisverband Görlitz. Allein deren Fülle zeigte, wie sehr das Thema Homeschooling bewegt. Ebenso die Öffnungspläne: Seit einigen Wochen sind die Abschlussklassen wieder im Präsenzunterricht. Ab 8. März voraussichtlich sollen die niedrigeren Klassenstufen der weiterführenden Schulen zurückkehren, im Wechselunterricht. Am Montag nun öffnen die Grundschulen und Kitas ihre Türen. „Es waren Schulleiter, Erzieher, Eltern dabei“, sagt Oest. In Görlitz etwa von der Oberschule Rauschwalde, den Melanchthon-Schulen, der Scultetus-Oberschule, den Schkolas. Eien Diskussion - war ob der Fülle der Fragen kaum möglich. Einige Antworten schon:

Warum öffnen die Schulen jetzt überhaupt wieder?

Mitte Dezember wurden Schulen und Kitas in Sachsen ob der hohen Infektionszahlen geschlossen. Zu spät, sagten Kritiker. Im Kreis Görlitz mussten mehrere Schulen noch vor dem 14. Dezember schließen, weil zu viele Lehrer und Schüler infiziert oder in Quarantäne waren. Jetzt Grundschulen und Kitas wieder öffnen? Die Reaktionen dazu gingen extrem auseinander, schildert Piwarz. „Es gibt die, die sagen, die Kinder können nicht mehr.“ Und auf der anderen Seite, die die sagen, „Wie könnt ihr nur?“ Eine Abwägung zwischen Gesundheit und dem Recht auf Bildung und Teilhabe. Die eine Seite: die Infektionszahlen. „Die Mutationen sind ein Risiko“, sagt Piwarz und appelliert, sich an Coronamaßnahmen wie die Kontaktreduzierung zu halten. Das Ziel sei bei den Inzidenzzahlen noch längst nicht erreicht. Hoffnung mache aber aktuell, dass die meisten Kreise unter der Inzidenzgrenze von hundert gesunken sind, derzeit auch der Kreis Görlitz. Die andere Seite: „Gerade mit Blick auf die Jüngeren haben wir gemerkt, es geht nicht mehr“. Gerade für sie sei ein Näheverhältnis zum Lehrer oder Erzieher wichtig. Daher habe man sich zur Öffnung Stück für Stück entschlossen. „Und wir werden zurückgehen, wenn es nicht funktioniert.“ Die Pflicht zum Schulbesuch

Warum gehen nicht auch Grundschulen ins Wechselmodell?

Wenn die jüngeren Klassenstufen der Gymnasien, Ober- und Förderschulen voraussichtlich Anfang März in den Präsenzunterricht zurückkehren, dann im Wechselmodell: Ein Teil der Kinder ist in der Schule, parallel der andere Teil in häuslicher Lernzeit. Wie schwierig das zu organisieren ist - auch die Abschlussklassen müssen weiter unterrichtet werden - machte auch eine Görlitzer Schulleiterin deutlich. Mit Blick auf den Infektionsschutz kam aber auch die Frage auf, warum für die Grundschüler am Montag nicht das Wechselmodell gilt. Die Betreuung wäre noch schwerer zu organisieren, erklärte Christian Piwarz. Auch, weil für die Kinder ob ihres Alters auch eine Notbetreuung angeboten werden müsste. Das wäre personell kaum sicherzustellen. In den normalen Präsenzunterricht werden die Grundschulen dennoch nicht zurückkehren. Sie öffnen wieder mit Hygienekonzepten, die Kinder werden in festen Gruppen unterrichtet. Welche Schwierigkeiten es gibt, machte etwa Ronny Staudte, Leiter der Görlitzer Melanchthon-Grundschule deutlich: „Besonders ältere Gebäude haben nicht ausreichend Waschbecken, sanitäre Anlagen, mehrere Treppenaufgänge“, schreibt er im Chat und fragte. „Wird das Thema ‚Schulsanierungen‘ im Hinblick auf die Pandemie mehr Beachtung finden?“

Bekommen Lehrer klare Angaben zum Online-Unterricht?

Online-Unterricht wird weiter Thema sein. Eines, das etwa Winnie Scholz-Kunitz, Leiterin der Oberschule Rauschwalde umtreibt. Sie kritisiert, dass zum Beispiel die Online-Fortbildungen für Lehrer zum Thema videogestützter Unterricht nicht ausreichend seien. Insgesamt werden die Leitlinien zum Fernunterricht derzeit geschärft, erklärte Christian Piwarz, auch die Online-Tutorials für die Lehrer, etwa zum Umgang mit Lernsax.

Was soll in den Leitlinienstehen?

Im Lernsax eine Aufgabe am Montag abzuladen, die am Freitag von den Schülern abzugeben ist, das sei zu wenig. Die überarbeiteten Leitlinien sollen klare Vorgaben machen, ein Katalog zum Abhaken, quasi die „Stundentafel der häuslichen Lernzeit“, sollen sie aber nicht sein - aufgrund unterschiedlicher Voraussetzungen an den Schulen, verschiedener pädagogischer Herangehensweisen, unterschiedlicher Schüler, begründete Piwarz. Ziel sei, den Lehrern den Rücken zu stärken, „was sollt ihr tun, was ist verlangt?“, auch zu zeigen, was zu wenig ist, aber auch den Eltern zu verdeutlichen, welche Vorstellungen realistisch sind. „Das ist ungemein schwierig, weil ich natürlich auch verstehe, dass Eltern ungeduldig werden, wenn das wiederholt nicht funktioniert, dazu vielleicht noch die Probleme bei Lernsax im Januar - das kommt dann alles zusammen.“ Insgesamt sprach er den Lehrern sein Vertrauen aus. Pädagogen seien wissenschaftlich ausgebildete Menschen, die sich an neue Situationen auch erst mal selbst ranarbeiten müssen, „das ist auch das, wo ich Zutrauen habe in die Lehrer. Viele positive Beispiele geben uns da auch Recht, dass sie das tun.“ Entscheidend sei dabei auch, dass an den einzelnen Schulen Einigkeit herrsche.

Wie weiter mit Lernsax?

Er habe sich sehr geärgert über die Lernsax-Ausfälle im Dezember und Anfang Januar, „weil es einfach nicht passieren darf“, so Christian Piwarz. Ihn ärgere aber auch, wenn es nach kleineren Störungen pauschal heiße, Lernsax funktioniere nicht. Es sei noch mal deutlich investiert worden, die Serverkapazitäten ausgeweitet. In der Spitzer greifen vormittags bis zu 65.000 Nutzer zu. Lasten, die weitestgehend ohne Probleme funktionieren. Im Online-Chat teilten diese Meinung nicht alle. Zwei Dinge sollen jetzt verbessert werden, erklärte Piwarz: Die Benutzerfreundlichkeit von Lernsax, zum anderen geht es um die Videokonferenzsysteme, die immer stärker gefragt seien. Lernsax hat ein eigenes Videoprogramm, viele arbeiten auch mit Big Blue Button (BBB), das erst mal ein externes Programm ist. „Wir haben aber auch eine Schnittstelle zwischen Big Blue Button und Lernsax“ - um BBB zu integrieren. „Diese Schnittstelle ist aktuell im Testbetrieb“, erklärte Piwarz. Geprüft werde außerdem, ob andere Programme wie Zoom oder Teams genutzt werden können. Dahinter stehen Datenschutz-Fragen.

Warum wird nicht öfter getestet an den Schulen?

Schülertestungen gab es zum Start der Abschlussklassen vor einem knappen Monat, auch zum Start der Berufsschüler vor einer Woche. Zuerst wurden dafür „Testschulen“ eingerichtet, im Kreis Görlitz waren es sechs. Vor einer Woche dann gingen die mobilen Abstrich-Teams an fast jede Schule. Ein extremer organisatorische Aufwand, schilderte Christian Piwarz. Ihm sei bewusst, dass es sich bei den Tests bisher um „Bestandsaufnahmen“ handele. Im Kreis Görlitz nutzen vorige Woche etwa ein Fünftel der Schüler die Möglichkeit - alle negativ. Sachsenweit sei die Zahl der positiven Ergebnisse niedrig gewesen, erzählte Piwarz. Er hoffe, dass schnell valide Selbsttests möglich sein können. Frank Dörfer, Leiter der Scultetus-Oberschule Görlitz, fragte etwa nach den sogenannten Gurgeltests. Dazu schaue er nach Berlin, so Christian Piwarz: also auf die Zulassung. Das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte hatte kürzlich erklärt, dass die ersten Sonderzulassungen frühestens Anfang März kommen könnten.

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Sport habe in der ersten Phase der Öffnung nicht die Priorität, "das muss ich ganz klar sagen. Es kommt jetzt erst mal darauf an, die Kernfächer zu unterrichten." Für Sportunterricht, "müssen wir noch ein bisschen auf das Frühjahr warten." Das Schwimmen beschäftige ihn dennoch. Bereits im Frühjahr haben viele Kinder in Sachsen während des Lockdowns das Schwimmen nicht gelernt. "Jetzt potenziert sich das Problem." Aber in den Schwimmhallen seien auch die Hygienekonzepte mit die schwierigsten. Eine Überlegung sei, in den Ferien Kurse anzubieten, oder Intensivkurse, wenn es möglichist. Am Ziel, dass Kinder bis zum Ende der Grundschulzeit schwimmen können, wolle er festhalten.

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