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Wenn in der Kita plötzlich Ruhe herrscht

Im Landkreis Görlitz halten viele Kindergärten im Sommer zwei Wochen Betriebsruhe. Das stellt Eltern vor enorme Herausforderungen.

Kinder aus der ASB-Kita "Kunterbunt" in Kreba-Neudorf besuchen gern den Spielplatz nebenan. Eine Betriebsruhe gibt es für die Kita nicht.
Kinder aus der ASB-Kita "Kunterbunt" in Kreba-Neudorf besuchen gern den Spielplatz nebenan. Eine Betriebsruhe gibt es für die Kita nicht. © André Schulze

Für Mädchen und Jungen aus der Kita "Berggeister" in Jauernick-Buschbach sind die Kita-Türen derzeit geschlossen. Die Einrichtung hat planmäßig zwei Wochen Betriebsruhe. Die anderen beiden Kitas der Gemeinde Markersdorf sind geöffnet, sodass die Betreuung der Kinder gesichert ist. Auch die für Kinder aus Friedersdorf, die wegen der Sanierung ihrer Kita derzeit in Markersdorf untergebracht sind.

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Schließzeiten regeln die Satzungen der Kommunen

Betriebsruhe während der Sommerferien macht das Sächsische Gesetz zur Förderung von Kindern in Kindertageseinrichtungen (Kita) möglich. Die Öffnungszeiten werden vom Träger der Kita in Abstimmung mit Elternbeirat und Stadt oder Gemeinde festgelegt. "Schließzeiten regeln die Satzung der Gemeinde zur Betreuung in Kitas und die Konzeption der Einrichtung", erläutert Landkreissprecherin Julia Bjar. In der Regel werde die Schließzeit am Ende eines Jahres für das Folgejahr bekannt gegeben.

"Betriebsruhe ist eine gute Möglichkeit, Kindern das Recht auf Ruhe und aktive Erholung zu ermöglichen, wie es Artikel 31 der UN-Kinderrechtskonvention verlangt", erklärt die Sprecherin weiter. Diese Zeit kann zudem für Grundreinigungs-, Reparatur- sowie Sanierungsarbeiten genutzt werden. So wie bei den "Berggeistern", dort steht eine Grundreinigung an.

Kinder im Ausweichquartier

Während der Schließzeit werden Kinder, die in dieser Zeit nicht mit ihren Eltern Urlaub machen und für die auch anderweitig keine Betreuung in der Familie möglich ist, in anderen Kitas der Stadt oder Gemeinde betreut. In Markersdorf gibt es für Schulanfänger die Möglichkeit, in diesem Fall schon einmal den Schulhort kennenzulernen, den sie bald besuchen.

Viele Eltern sind nicht glücklich über die Betriebsruhe. Nicht nur, weil sie während der Schließzeit für Betriebskosten dennoch zur Kasse gebeten werden. Das sehen jedoch die Satzungen der Kommunen so vor, bestätigt die Kreissprecherin.

Andererseits monieren Eltern gerade in diesen Zeiten die Betriebsruhe, da die Kitas wegen der Corona-Pandemie ohnehin lange geschlossen waren. Die Grundreinigung hätte auch da erfolgen können, ist ein Argument für die Unzufriedenheit, wie sie auch im Markersdorfer Rathaus ankam.

Probleme bringt die Betriebsruhe für Eltern in Stadt und Land gleichermaßen, wenn sie für ihre Sprösslinge Ausweichquartiere nutzen müssen. Die Kinder müssen für zwei Wochen mit ungewohnter Umgebung sowie anderen Kindern und Erziehern klarkommen, die Wege zur Kita sind manchmal umständlich und weit, sodass Eltern das Auto oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen müssen.

Nicht alle Träger schließen ihre Kitas im Sommer

Allerdings praktizieren nicht alle Träger von Kitas die Betriebsruhe. In den Kitas beim Arbeiter-Samariter-Bund Görlitz (ASB) gibt es keine Schließzeiten in den Sommerferien. "Wir sehen das als Vorteil für Eltern an, die wenigstens innerhalb der Ferienzeit flexibel sein können. Auch für die Urlaubsplanung der Mitarbeiter ist durchgängige Öffnung von Vorteil", erklärt Andrea Werner, Bereichsleiterin beim ASB. Mitarbeiter können in Abstimmung mit Kollegen auch außerhalb der Saison Urlaubsangebote nutzen.

"Unsere Kitas sind vollumfänglich geöffnet", informiert Franziska Redmann, Sprecherin der Arbeiterwohlfahrt Oberlausitz. Die Kitas und Horte in Trägerschaft des DRK Kreisverbandes Görlitz Stadt und Land haben ebenfalls keine Betriebsruhe. DRK-Vorstand Rüdiger Neumann betont: "Lediglich zwischen Weihnachten und Neujahr schließen wir die Einrichtungen, wenn Eltern keinen Betreuungsbedarf für ihre Kinder haben." Ein System der Notbetreuung für kurzzeitig auftretende Bedarfe gibt es trotzdem. Die beiden DRK-Horte in Reichenbach bieten während der Sommerferien ein gemeinsames Ferienprogramm an.

Vor allem Schulhorte sind durchgängig offen

Von den kommunalen Kitas in Görlitz sind die Kitas "Kleine Weltentdecker", "Haus Kinderland" sowie die Horte "Bienenhaus", "Ameisenhügel", "City Kids" und der Hort der Grundschule 6 über die Sommerferien durchgängig geöffnet. Die anderen haben zweiwöchige Betriebsruhe. Kinder von dort können bei Bedarf in einer anderen Einrichtung in der Stadt betreut werden, bestätigt Stadtsprecherin Juliane Zachmann.

Die Sommerpause werde genutzt für die Grund- und Matratzenreinigung, erklärt sie weiter. Erforderliche Umbau- oder Malerarbeiten werden ebenfalls während der Betriebsruhe durchgeführt. Aktuell wird zum Beispiel die Rollerbahn in der Kita „Hundert Sprachen“ in der Otto-Müller-Straße aufgearbeitet.

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