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So geht die Schule wieder los

Die Schüler in Görlitz und Niesky scheinen sich darüber zu freuen. Aber es gibt auch Zweifel, wie sinnvoll Präsenzunterricht für zwei Wochen ist.

Schüler und Schülerinnen der Abschlussklassen auf dem Weg in das Joliot-Curie-Gymnasium in Görlitz.
Schüler und Schülerinnen der Abschlussklassen auf dem Weg in das Joliot-Curie-Gymnasium in Görlitz. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Eleonora Hennig ist froh, wieder in die Schule zu können. Beim Lernen zu Hause, erzählt sie, ist die Gefahr eben doch da, dass man Aufgaben von einem Tag auf den nächsten zieht. "In der Schule muss man's gleich erledigen."

Schülerin Eleonora Hennig vor dem Joliot-Curie-Gymnasium.
Schülerin Eleonora Hennig vor dem Joliot-Curie-Gymnasium. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Die Elftklässlerin besucht das Görlitzer Joliot-Curie-Gymnasium. Hier beginnt der Schultag am Montag erst spät. Die siebente Stunde ist die erste. Vorher war ein Teil der rund 120 Elf- und Zwölftklässler zum Corona-Test im Görlitzer Berufsschulzentrum.

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Für die Abschlussklassen an Gymnasien, Oberschulen und Förderschulen hat am Montag der Präsenzunterricht wieder begonnen. Vorher konnten sie sich auf das Coronavirus testen lassen. Sechs Testschulen wurden dafür im Kreis eingerichtet, in Görlitz war es das Berufsschulzentrum, in Niesky das Schleiermacher-Gymnasium.

Über die Hälfte der Schüler machten den Test

Wie viele Schüler die Möglichkeit wahrgenommen haben, ließ sich am Montag vom Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) noch nicht sagen. An den Oberschulen Rothenburg und Niesky hat sich über die Hälfte der Schüler testen lassen - alle mit negativem Ergebnis.

Auch am Görlitzer Joliot-Curie-Gymnasium war der größere Teil beim Schnelltest. Über das Wochenende kamen noch so einige Anmeldungen dazu", erzählt Andreas Müller, stellvertretender Schulleiter. "Unser Zeitfenster war zwischen 12.10 und 13.10 Uhr". Deshalb der späte Unterrichtsstart. "Vorher mit dem Unterricht zu beginnen, wäre ja nicht im Sinn der Sache gewesen."

Tatsächlich wurde den ganzen Montag über getestet - um die Lage an den Teststationen übersichtlich zu halten, dort gößere Gruppenbildungen zu vermeiden, erklärt Vincent Richter, Sprecher des Lasub in Bautzen. Alle Tests am Morgen - bis zu 2.200 Schüler wurden kreisweit erwartet - wären auch logistisch nicht möglich gewesen. Auf der anderen Seite stehen Eltern mit der Frage, welche Aussagekraft die Testungen noch bieten können, wenn Schüler vorab bereits Schulstunden miteinander verbracht haben.

Ein bisschen Sicherheit - aber nicht für lange

Eine Momentaufnahme sollen die Tests sein, "um den Schulbeginn stabil aufrechtzuerhalten und Infektionsgeschehnisse frühzeitig erkennen zu können", hatte Vincent Richter vorige Woche erklärt. Zumindest ein stückweit Sicherheit biete die Testung schon, sagt Andreas Müller, "dass die Schüler und Lehrer, die am Montag aus den Haushalten in die Schule kommen, keine Infektion in sich tragen. Aber es ist wirklich eine Momentaufnahme." Er hätte nichts dagegen, diese einige Tage später zu wiederholen. Das ist derzeit allerdings nicht in Planung.

Am Joliot-Curie-Gymnasium startete der Schultag mit einer Tutoriumsstunde: Wie weiter mit Bewertungen, mit Klausuren, dem Ablauf vor Ort? Unterrichtet werden ausschließlich die Prüfungsfächer. "Angenommen, in einem Gemeinschaftskunde-Kurs sind sonst 15 Leute, acht wollen die Abiturprüfung ablegen - dann kommen diese acht zum Präsenzunterricht", erklärt Andreas Müller. Abiprüfung in Deutsch und Mathe ist am Joliot-Curie-Gymnasium Pflicht. Deshalb findet der Unterricht in diesen Fächern im normalen Kursverband statt. Im Klassenraum wird unterrichtet, solange die Schülerzahl maximal 15 beträgt. "Damit hat jeder seine Bank für sich allein und Abstand." Bei Kursen mit größeren Schülerzahlen soll es in die Aula gehen.

Schüler gehen gerne in die Schule

Sowohl an der Nieskyer wie der Rothenburger Oberschule sind die Zehntklässler und die Neuntklässler, für die der Hauptschulabschluss ansteht, wieder in der Schule. Hier wurden die Klassen geteilt.

Schülerin Pauline Klimke vor dem Joliot-Curie-Gymnasium auf dem Wilhelmsplatz in Görlitz.
Schülerin Pauline Klimke vor dem Joliot-Curie-Gymnasium auf dem Wilhelmsplatz in Görlitz. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Pauline Klimke jedenfalls ist froh, wieder Schule in der Schule zu haben. Auch sie besucht die elfte Klasse am Joliot-Curie-Gymnasium. Immer zu Hause zu lernen - auf Dauer werde es echt anstrengend, erzählt sie. "Man schafft es einfach nicht so wie im Unterricht in der Schule." Allein schon, weil zum Beispiel Fragen nicht sofort beantwortet werden können. "Ich finde es auch gut, dass es jetzt mit den Prüfungsfächern losgeht."

Homeschooling - es geht einfach langsamer voran, erzählt eine Mitschülerin. Sie sieht einen weiteren Vorteil, jetzt wieder in der Schule zu sein, "wir haben damit auch wieder Klausurenphase". Eine Schülerin, die sich auf Klausuren freut? Sie habe zu Schuljahresbeginn die eine oder andere Klausur ein bisschen verhauen, erzählt das Mädchen, "deshalb brauche ich jetzt die Noten, um das wieder rauszuholen."

Zwei Wochen Schule: Zweifel an Präsenzunterricht

Für die Abschlussklassen wurden extra Stundenpläne eingerichtet - die es organisatorisch in sich haben. Denn auf der anderen Seite steht für die jüngeren Schüler weiter Homeschooling auf dem Plan. Dafür hatte das Joliot-Curie-Gymnasium - auch andere wie das Augustum-Annen-Gymnasium - bereits vor dem zweiten Lockdown verstärkt Video-Unterricht getestet.

"Das nutzen wir jetzt auch", sagt Andreas Müller. "Nicht zu hundert Prozent, wir arbeiten auch weiter mit schriftlichen Aufgaben und Chat, aber verstärkt auch mit Video-Unterricht." Kommt auf den Lehrer an, sagen die Schüler. Andreas Müller jedenfalls unterrichtet Mathe gern über Video, erzählt er. "Mein Eindruck ist, gerade mit den Älteren funktioniert das auch, die machen mit. Klar, sie haben die Prüfungen vor Augen und sicher auch deshalb eine Motivation". Seinem Eindruck nach ist es für die Jüngeren, schlicht aufgrund des Alters, schwieriger, sich aus schriftlichen Aufgaben und Videounterricht einen strukturierten Tagesablauf zu schaffen.

Aber es gibt auch Zweifel an dem Präsenzunterricht. "Es sind jetzt zwei Wochen bis zu den Ferien, um die es geht", sagt Müller. "Für diesen Zeitraum fast täglich 120 Schüler in die Schule zu holen - ich weiß nicht. Dazu kommt, dass auf der anderen Seite über härtere Lockdown-Maßnahmen diskutiert wird." Wie die aussehen werden, wird am Dienstag in der Ministerpräsidentenkonferenz beraten.

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