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Ist das Sportabzeichen ein Auslaufmodell?

Der Oberlausitzer Kreissportbund lädt zu Sportabzeichentagen ein - und nur wenige gehen hin. Die Ursachen dafür sind vielfältig.

Bernd Michler wählte als eine der Disziplinen für das Sportabzeichen den Medizinball-Weitwurf aus.
Bernd Michler wählte als eine der Disziplinen für das Sportabzeichen den Medizinball-Weitwurf aus. © Martin Schneider

Bernd Michler aus Sohland am Rotstein ist ein "alter Hase". Das bezieht sich nicht auf sein Alter - der Mann ist 66 -, sondern auf seine Sportabzeichen. Zum sechsten oder siebten Mal, genau weiß er das nicht, ist der gebürtige Görlitzer dabei und absolviert an vier Stationen jeweils eine Disziplin. Bislang reichte seine Leistung immer für das Sportabzeichen in Gold. "Wenn nur noch Silber drin ist, höre ich auf", sagt der Mann und lacht.

Denn neben dem Ehrgeiz, im Alter sportlich zu sein und etwas für die eigene Fitness zu tun, steht bei Bernd Michler vor allem der Spaß am Sport und an der Bewegung an erster Stelle. Am Montag absolvierte der Sohländer im Stadion der Freundschaft in Görlitz-Weinhübel neben dem Medizinball-Weitwurf auch ein Seilspringen, einen 50-Meter-Sprint und schließlich einen 3.000-Meter-Ausdauerlauf.

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Gefordert: Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination

Der Oberlausitzer Kreissportbund organisierte drei Veranstaltungen, bei denen die Bedingungen für den Erwerb des Deutschen Sportabzeichens erfüllt werden konnten. Das Sportabzeichen ist ein Ehrenzeichen der Bundesrepublik Deutschland mit Ordenscharakter. Es wird an Männer und Frauen verliehen, die in einem Kalenderjahr die Leistungsanforderungen erfüllen. Es ist die höchste Auszeichnung außerhalb des Wettkampfsports. Einst war Richard von Weizsäcker, der frühere Bundespräsident, ein Aushängeschild: Bis ins hohe Alter unterzog er sich dieser Prüfung - mit Erfolg.

Die zu erbringenden Leistungen orientieren sich an den motorischen Grundfähigkeiten Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination. Aus jeder dieser Disziplinen muss eine Übung erfolgreich abgeschlossen werden.

"Das war eine tolle Leistung", bescheinigt Anastasiya Kube vom Kreissportbund dem 66-jährigen Freizeitsportler Bernd Michler.
"Das war eine tolle Leistung", bescheinigt Anastasiya Kube vom Kreissportbund dem 66-jährigen Freizeitsportler Bernd Michler. © SZ/gla

Zu wenige Teilnehmer

Den Auftakt zu den drei Sportabzeichentagen im Kreis Görlitz gab am vergangenen Freitag die Veranstaltung im Stadion am Schlechteberg in Ebersbach im Oberland. Am Montag war das Stadion der Freundschaft in Görlitz-Weinhübel die Wettkampfstätte. Am Dienstag konnten Zittauer im Weinaustadion die Bedingungen für das Sportabzeichen erfüllen.

Wirklich zufrieden ist der Kreissportbund mit der Teilnahme an diesen Wettbewerben jedoch nicht. In Ebersbach zählte der Kreissportbund etwa 35 Frauen und Männer, in Görlitz kamen am Ende nur etwa um die 20. Die Enttäuschung bei Jörg Mattheus, der in Görlitz die Fäden in der Hand hielt, und seinen Mitstreitern vom Kreissportbund scheint verständlich, denn der Aufwand für die Vorbereitung und Durchführung der Wettbewerbe ist groß. In Zittau dagegen hatten sie mehr zu tun. Hier hatten Sportler von der O-See-Challenge und ein Leichtathletik-Verein mit Nachwuchstalenten die Möglichkeit genutzt, das Sportabzeichen zu erkämpfen.

Überhaupt laufe es viel besser, wenn der Kreissportbund Kitas und Schulen zum Sportabzeichen-Wettkampf einlädt, erklärt Anastasiya Kube vom Sportbund. Dann könnten es schon mal 1.000 Wettkämpfer werden, wie sie sich kürzlich in Weißwasser angemeldet hatten. Der Wettbewerb musste jedoch abgesagt werden, da die Sportstätte nach Bauarbeiten nicht fertig geworden war.

Sportabzeichen für Eignungstest

Marko Weber-Schönherr, der Geschäftsführer des Oberlausitzer Kreissportbundes, sieht eine der Ursachen für die geringe Teilnahme von Erwachsenen darin, dass die Sportvereine derzeit viel zu tun haben, um den regulären Sportbetrieb zu bewältigen. "Solche zusätzlichen Veranstaltungen, wie die Wettbewerbe zum Sportabzeichen, stehen meist nicht im Fokus der Vereine", sagt der Geschäftsführer. Im Ehrenamt seien die Sportvereine froh, nach der pandemiebedingten Pause die anstehenden Herausforderungen im Trainings- und Wettkampfbetrieb zu meistern.

Zwar brauchen manche Menschen das Sportabzeichen als Eignungstest für ihren Beruf, darunter Bundespolizisten und Feuerwehrleute, "aber die können ja nicht warten, bis wir die Sportabzeichentage durchführen", erklärt Weber-Schönherr, "die kommen zwischendurch im Jahr zu den Sporttests." Dennoch war am Montag in Görlitz eine Gruppe von Polizisten da und absolvierte die Disziplinen für das Sportabzeichen.

Dazu komme, dass das Sportabzeichen ein Bundesabzeichen ist, die Ausführung und Werbung dafür allerdings der Basis in den Sportvereinen überlassen werde, sagt Weber-Schönherr. Hier sei einfach mehr Aufmerksamkeit durch den Dachverband erforderlich.

Dieses Phänomen ist nicht das einzige, das der Kreissportbund sieht. Auch Bildungsangebote des Kreissportbundes wie Übungsleiter-Lehrgänge würden derzeit nicht so genutzt, wie es die Geschäftsführung des Sportbundes erhofft. So sagte der Sportbund beispielsweise das Ehrenamtsforum ab, das vor Kurzem stattfinden sollte und mit 15 Referenten gut besetzt war. Allerdings hatten sich viel zu wenige Teilnehmer angemeldet.

Und im nächsten Jahr auf ein Neues!

Im Stadion der Freundschaft drehte Bernd Michler zum Abschluss seines Wettkampfes einsam und im Kampf gegen die Stoppuhr seine Runden beim Ausdauerlauf. Die Mühe lohnte sich: Das goldene Sportabzeichen hat er für dieses Jahr wieder in der Tasche. Im nächsten Jahr will er wieder dabei sein.

Dieser Text wurde am Dienstag mit der Zahl der Teilnehmer in Görlitz und den Akteuren in Zittau aktualisiert.

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