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Gibt es genug Ladesäulen für E-Autos im Landkreis Görlitz?

Eine aktuelle Studie schätzt ein, dass es deutschlandweit noch zu wenige Ladesäulen gibt. Doch das Netz wird dichter. Auch im Kreis Görlitz.

Von Moritz Schloms
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Zwei E-Autos tanken Strom an der Ladesäule der Stadtwerke Görlitz am Demianiplatz in Görlitz im Jahr 2022.
Zwei E-Autos tanken Strom an der Ladesäule der Stadtwerke Görlitz am Demianiplatz in Görlitz im Jahr 2022. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Noch in diesem Jahr wollen die Görlitzer Stadtwerke fünf weitere Ladestationen in der Stadt aufbauen. Damit erweitern sie ihr bestehendes Ladenetzwerk für E-Autos, das aktuell aus 12 Ladesäulen mit in der Regel je zwei Ladepunkten besteht.

Dass es bundesweit zu wenig Ladesäulen gibt, ist das Ergebnis einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD Allensbach) zu Mobilität und Nachhaltigkeit. Das gilt als einer der Hintergründe für die sinkende Nachfrage nach E-Autos. Doch wie sieht es im Kreis Görlitz aus und um E-Autos generell?

Wie hoch ist die Nachfrage nach E-Autos im Landkreis Görlitz?

Sachsen gehört deutschlandweit zu den Schlusslichtern, was die Anzahl von zugelassenen E-Autos betrifft. Und in Sachsen schneidet der Landkreis Görlitz besonders mager ab. Wie der MDR berichtete, liegt die E-Auto-Quote dort bei 0,72 Prozent. Bei Spitzenreitern wie Wiesbaden liegt die Quote bei fast acht Prozent.

Raimund Kohli, Geschäftsführer des Skoda Autohauses Klische, schätzt die Lage in Görlitz so ein: "Die Nachfrage nach E-Autos war schon besser, aber es ist noch Interesse da." Seitdem die Umweltprämie weggefallen sei, sinke auch die Nachfrage. In Kundengesprächen höre er zwar häufig die Sorge nach der Reichweite und den Ladesäulen, doch auch ein weiterer Punkt sei zentral.

"Für Kunden, die nicht zu Hause laden können, spielen die Kosten eine erhebliche Rolle." So sei das Laden an öffentlichen Säulen mit im Schnitt 60 bis 80 Cent pro Kilowattstunde recht teuer.

Ein Elektroauto lädt auf einem Parkplatz vor dem BMW-Werk in Leipzig.
Ein Elektroauto lädt auf einem Parkplatz vor dem BMW-Werk in Leipzig. © Hendrik Schmidt/dpa

Einer Allensbach-Studie nach halten nur 14 Prozent der Befragten das Angebot an Ladestationen in der eigenen Umgebung für sehr gut oder gut, 68 Prozent hingegen sehen das Angebot an Ladesäulen in der eigenen Umgebung kritisch. Der Trendvergleich zeige, dass sich die Einschätzungen zwar etwas verbessert haben, die Bilanz aber unverändert kritisch ausfalle, heißt es von den Studien-Autoren.

Wie es um das Ladesäulen-Netz im Landkreis Görlitz steht

Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), sagt: "Der Erfolg der E-Mobilität steht und fällt mit dem Ausbau der Ladeinfrastruktur. Die Menschen brauchen die Gewissheit, überall und zu jeder Zeit unkompliziert laden zu können." Ein besonderer Fokus liege dabei auch auf Schnellladepunkten, die die Wartezeit erheblich verkürzen.

Geschäftsführer Raimund Kohli schätzt ein, dass es in der Stadt Görlitz um die Ladeinfrastruktur nicht schlecht stehe. Wer wissen will, wo genau Ladepunkte im Landkreis sind, kann sich zum Beispiel die Ladesäulenkarte der Bundesnetzagentur ansehen. Die dort veröffentlichten Daten wurden am 21. März das letzte Mal aktualisiert. So eröffnete der Obi-Markt in Niesky kürzlich eine Ladesäule, die in der Karte noch nicht aufgeführt ist. An einer Säule können meist mehrere Autos an sogenannten Ladepunkten geladen werden.

Demnach gibt es in Zittau 14 Ladesäulen, davon einen Schnellladepunkt. In Görlitz sind es 21 Ladesäulen, davon 11 Schnellladeeinrichtungen. Die meisten werden dabei von den Stadtwerken betrieben, jedoch nicht alle. So betreibt beispielsweise Lidl auf der Reichenbacher Straße drei Schnellladepunkte. Und auch das ABB Autohaus Görlitz bietet eine Ladesäule an.

In Leipzig markiert ein stilisiertes Auto auf grünem Grund einen Parkplatz mit Ladesäule für Elektrofahrzeuge.
In Leipzig markiert ein stilisiertes Auto auf grünem Grund einen Parkplatz mit Ladesäule für Elektrofahrzeuge. © Jan Woitas/ZB/dpa

Außerhalb der Stadtgrenzen dünnt das Ladenetz aus. So gibt es offenbar weder in Reichenbach, noch Königshain oder Waldhufen Ladesäulen. In Kodersdorf stellt bei Aral eine Ladesäule. In Niesky sind es drei Ladesäulen.

In Bad Muskau sind es zwei Ladesäulen, keine davon zum Schnellladen geeignet. Sachsen-Energie betreibt in Jonsdorf und Oybin jeweils eine Ladesäule und in Großschönau stellt der Energieversorger zwei weitere Ladesäulen. Alles keine Schnellladepunkte. E-Auto-Fahrer in Großschönau finden noch eine weitere Ladesäule, betrieben vom Autohaus Olaf Havlat.

"E-Autos sind besser als ihr Ruf"

In Weißwasser hingegen sind es zehn Ladesäulen, zwei davon sind für das schnelle Laden geeignet. In Ebersbach-Neugersdorf gibt es laut der Bundesnetzagentur sieben Ladesäulen, ebenfalls sieben in Löbau.

So betreibt das Autohaus Löbau einige Ladepunkte. Geschäftsführer Jörg Kaufmann: "Die werden schon genutzt, insgesamt ist die Nachfrage aber nicht riesig." Im Autohaus selbst verkauft er den elektrischen Mustang Mach-E, ab der zweiten Jahreshälfte soll der Ford Explorer hinzukommen. "Hoffentlich steigt damit auch die Nachfrage", so Geschäftsführer Kaufmann.

Er selbst ist elektrisch unterwegs, im Landkreis sei das Ladenetz besser als viele denken würden. "Es gibt extrem viele Vorurteile gegenüber Elektroautos, gerade auch hier bei uns in der Region." Er empfehle dann immer, eine Probefahrt zu machen. "E-Autos sind besser als ihr Ruf."

Auch Raimund Kohli fährt E-Auto. "Bisher habe ich es noch nie erlebt, dass ich mich irgendwo zum Laden anstellen musste", sagt er.