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Wochenmarkt: Erster Krach nach Pächterwechsel

Görlitzer Händler klagen über gestiegene Standgebühren. Das aber war abzusehen, nachdem der alte Pächter in die Wüste geschickt wurde.

Doris Ansorge im Imbiss-Stand auf dem Wochenmarkt in Görlitz.
Doris Ansorge im Imbiss-Stand auf dem Wochenmarkt in Görlitz. © Martin Schneider

Der Wochenmarkt auf der Elisabethstraße blüht wieder auf: Tulpen, Primeln, Alpenveilchen. Bei einigen Händlern hält sich die Freude dennoch in Grenzen.

Seit 36 Jahren stehen Doris Ansorge und ihr Mann mit ihrem Imbiss-Stand auf dem Wochenmarkt. Aber solche Standgebühren hatten sie noch nie. Bisher haben sie 35 Euro pro Tag bezahlt, erzählt Doris Ansorge, jetzt seien es 60,32 Euro. Weil jetzt die Klappe mitgerechnet wird, hatte ihr Mann bereits im Stadtrat erzählt. Bisher wurde nur der Imbisswagen gezählt, etwa zehn Quadratmeter - mit Klappe werden es 18.

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Der Markt auf dem Elisabethplatz in Görlitz: Inzwischen kommen die ersten Gärtner mit ihren Ständen wieder, dei saison beginnt. Aber mancher ist nicht glücklich.
Der Markt auf dem Elisabethplatz in Görlitz: Inzwischen kommen die ersten Gärtner mit ihren Ständen wieder, dei saison beginnt. Aber mancher ist nicht glücklich. © Martin Schneider

Mit einem Monatsvertrag wäre es günstiger gewesen. Dann würde sie der Tag 47 Euro kosten. Aber das wollten Ansorges nicht. "Dann müssten wir die Gebühr jeden Monat bezahlen, auch wenn wir nicht stehen." Etwa wegen des Wetters oder Krankheit. So zahlt das Ehepaar nun 1.628 Euro pro Monat. "Das ist doch Wucher." Und die Wasserleitung, die der Vorpächter habe legen lassen, die sei nun auch gesperrt.

Neuausschreibung nach AfD-Angriffen

In den vergangenen 18 Jahren waren Francois Fritz, Marzena Paszkiewicz und Sylwia Fritz, die Wochenmarkt GbR, die Marktpächter. Das Trio steht auch hinter einem Hotel auf der Elisabethstraße. Voriges Jahr hatte die AfD die fristlose Kündigung verlangt: Die Wochenmarkt GbR würde einige Stellplätze, die eigentlich für die Marktpächter gedacht waren, ihren Hotelgästen zur Verfügung stellen. Das sei vertraglich nicht geregelt, man wolle rechtliche Klarheit, sagte die AfD.

Francois Fritz hatte immer dagegen gehalten, die Nutzung der Parkplätze sei sehr wohl mit der Verwaltung geklärt. Den Vorstoß der AfD sah er als Angriff gegen ihn als Gegner der Partei. Der Antrag der AfD wurde abgelehnt. Eine Kündigung gab es dennoch: Der Markt sollte, nachdem die Corona-Krise gezeigt hatte, dass manche Veränderung gut angenommen wurde, ein neues Konzept bekommen. Die Neuausschreibung dafür gewann Ende 2020 die Deutsche Marktgilde.

Hähnchen-Verkäufer will weg, Blumenverkäufer nicht

Die Meinungen über die neuen Pächter und damit die Gebühren gehen auseinander. Von 35 Euro auf 61 pro Tag seien die Standgebühren für den Broiler-Wagen gestiegen, erzählt zum Beispiel Hähnchen-Verkäufer Thomas Rothe. Ob er auf dem Wochenmarkt bleibt? "Ich muss sehen", aus Görlitz wolle er sich jedenfalls nicht verabschieden.

Es gebe nichts zum Schimpfen, sagt dagegen Rosenverkäufer Lothar Franke. Eine Erhöhung in der Standmiete habe es gegeben, ja, "aber es ist nicht so gravierend", sagt Franke. Nur eine Sache sei für ihn jetzt nicht so glücklich: Die Standzeiten sind festgelegt auf Montag bis Freitag von 8 bis 17 Uhr, Sonnabend bis 13 Uhr. Aber mit Schnittblumen vielleicht bei praller Hitze bis 17 Uhr zu stehen, "da geht mir die Ware ein", sagt er. Auch brauche er Zeit für die Rosen in Weinhübel. "Aber ansonsten gibt es wirklich nichts zu meckern. Schauen sie sich mal um, es ist jetzt so ordentlich und sauber hier."

Neuer Pächter verteidigt sich und kommt in den Stadtrat

Im jüngsten Stadtrat ging der Schwarze Peter im Grunde an die Marktgilde: Sie lege die Gebühren in eigener wirtschaftlicher Verantwortung fest. So argumentiert die Stadt auch auf SZ-Nachfrage: Der Konzessionär habe das Recht, "von den Markthändlern Vergütungen zu verlangen." Der Pächter trage dabei das wirtschaftliche Risiko, die Bemessung des Standentgeltes sei eine unternehmerische Entscheidung des Konzessionärs.

Die Stadt Görlitz erklärt, sie sei nun mit der Deutschen Marktgilde und den Händlern im Gespräch, um zu vermitteln. Eine Vertreterin der Marktgilde sei in die nächste Stadtratssitzung eingeladen worden. "Und dann werden wir Rede und Antwort stehen", sagt Katrin Schiel, Prokuristin des Dresdner Standortes.

"Wir sind ganz sicher nicht hergekommen, um uns an Görlitz zu bereichern", macht sie deutlich. Und erklärt die Rechnung: Grundlage für die Standgebühren sei die Pacht die in den Städten unterschiedlich ausfällt. Nimmt man sie als eine Grundlage für die Brutto-Standgebühren, kommt man in Dresden auf knapp zwei Euro pro Quadratmeter, in Zwickau auf 1,40 Euro - in Görlitz auf 2,99 Euro. Hier liegt die Pacht, außerhalb der Coronazeit, bei 4.000. Das sei, auch mit Blick darauf wie viele Händler da seien, sehr hoch.

Das bestätigt Fritz, er hatte ähnliche Grundkosten angelegt. Für die Marktgilde kommt noch mehr dazu. Fritz hatte etwa die Toiletten für die Händler im Hotel eingerichtet, die Platzreinigung selbst übernommen. Das kann die Marktgilde nicht. Für die Platzpflege hat sie eine Görlitzer Firma beauftragt. Dazu kommt etwa: Die sechs Markt-Stromkästen sind marode, müssen saniert werden, erklärt Katrin Schiel. Manche Kosten habe die Marktgilde nicht einmal umgelegt - etwa die Miete für die Toiletten im City-Center.

Der Görlitzer Wochenmarkt war immer schwierig. Als die Stadt vor 20 Jahren ihn selbst betrieb, wurde keine Marktordnung erlassen - wegen des Widerstands der Händler. Deshalb hatte die Stadt den Wochenmarkt verpachtet. Sie argumentiert, seit 2010 sei die Pacht konstant. "Über die Frage einer Absenkung kann man erst – gemeinsam mit dem Stadtrat - diskutieren, wenn alle sonstigen Informationen vorliegen". Sie will sich jetzt einen Überblick verschaffen - wie die Pacht in anderen Städten ist, wie die anderen Händler in Görlitz die Lage sehen.

AfD steht zur Neuordnung des Wochenmarktes

Und die AfD? "Wir sehen das noch genauso wie damals", sagt Lutz Jankus. Die Gründe für die Forderung nach einer Kündigung des Vorpächters sehe er auch heute noch als gerechtfertigt an, deswegen gebe es inzwischen auch eine rechtliche Auseinandersetzung zwischen Wochenmarkt GbR und Stadt.

"Die Stadt selbst wollte es nicht übernehmen", sagt Jankus. "Eigentlich haben wir den Händlern dann gesagt: Leute, schließt euch zusammen, macht das Ding selbst." Sie seien aber nicht begeistert gewesen. Drei Bewerber gab es dann für den Markt. Die Marktgilde, sagt Jankus, "kann nicht daran interessiert sein, dass Händler jetzt wegziehen. Der Marktbetreiber muss ja eine Pacht an die Stadt zahlen und daran interessiert sein, das über die Marktgebühren reinzuholen."

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