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Auf den Sanitätsgefreiten Neumann!

Die Großenhainer Husarenfreunde schwelgen zum 20. Geburtstag in Erinnerungen. Es gab tolle Erlebnisse. Doch die Gruppe ist geschrumpft.

Stolz schreiten sie zum 20-jährigen Jubiläum des Husarenvereins Großenhain, voran: (v.l.) Falk Wagenzink, Günter Moh, Lothar Fiebig, Konrad Hardt, Volker Ulbricht und Fred-Jürgen Vogel.
Stolz schreiten sie zum 20-jährigen Jubiläum des Husarenvereins Großenhain, voran: (v.l.) Falk Wagenzink, Günter Moh, Lothar Fiebig, Konrad Hardt, Volker Ulbricht und Fred-Jürgen Vogel. © Norbert Millauer

Großenhain. Früher ritten die Husaren auf Pferden - heute fahren sie mit der Eisenbahn. Genauer gesagt mit der K&K-Bahn. In der lassen sich die Uniformierten von Wolfgang Krause durch die Stadt chauffieren. An der Mückenschänke will ein Hochzeitspärchen mit ihnen fotografiert werden. In  der Innenstadt winkt ihnen ein kleines Mädchen gleich an zwei Stellen zu. Keine Frage - die Großenhainer Traditionshusaren leben! Doch sie sind wenige und in die Jahre gekommen. Urgestein Manfred Leubner ist aus Altersgründen nicht mehr dabei, Reiterin Birgit Dreßler wohnt jetzt woanders. Auch andere Gründungsmitglieder sind ausgeschieden.

Doch Männer wie Konrad Hardt, Volker Ulbricht und Quartiermeister Lothar Fiebig halten seit (fast) 20 Jahren zur Stange. Im Standquartier an der Dresdner Kreuzung, an dessen Fassade ein großer Husar abgebildet ist, schwelgen sie in Erinnerungen. An jene Zeit, als im Fremdenverkehrsverein und im Schützenverein der Wunsch aufkam, Großenhains bedeutende Militärgeschichte als Traditionspflege wieder aufzunehmen. "In  meinem Antikcafé kam im Jahr 2000 die Interessengemeinschaft erstmalig zusammen, dann wurde es ein Verein. Man ließ sich Uniformen nach historischem Vorbild schneidern, lernte reiten, forschte in der Geschichte - und im November 2003 wurde schon das Standquartier als kleines Museum und Vereinshaus eingeweiht. 

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Seitdem waren die königsblauen Reiter bei vielem dabei, was in Großenhain und anderswo gefeiert wurde: die 800-Jahrfeier, der Tag der Sachsen, die Kavallerietage, das Dresdner Stadtfest, das 125. Jubiläum der Galopprennbahn Dresden-Seidnitz oder die 275-jährige Wiederkehr des Zeithainer Lustlagers. "Wir haben Kinder und Jugendliche zu Thementagen eingeladen, im Standquartier fanden Ausstellungen und der Denkmalstag statt", erinnert Lothar Fiebig. Er erwähnt auch die Baumspenden für den Park Walda und die Großenhainer Postmeilensäule. "Auch ohne große Sponsoren war uns das wichtig", so Fiebig.

Gema zahlt noch für Husarenmarsch

Der vielleicht größte Clou gelang den Husarenfreunden mit der Aufnahme einer CD im damaligen Kulturhaus Krone. Mit den Geißlitztaler Musikanten und Gesangssolist Gottfried Förster von der Singgemeinschaft wurde auch der berühmte Großenhainer Husarenmarsch von Albin Müller auf CD gebannt. Die Finanzierung eines Tonstudios unterstützten die Stadt und der Lionsclub. "Die Melodie mit dem Text über den Sanitätsgefreiten Neumann kannte ich schon in meiner Studentenzeit", erinnert sich Architekt Hardt, der aus Westfalen kam. Er hat acht der insgesamt 15 Strophen zum Parademarsch der 18er Husaren über den Sanitätsgefreiten selbst gedichtet. Noch heute zahlt die Gema dafür Tantiemen. 

Was bleibt, ist die CD, die von den Husarenfreunden noch verschenkt wird. Und Erinnerungen an das, was nicht mehr geht. So sind zwar noch mit Günther Leonhardt und Günter Moh zwei Schützen unter den sechs Husarenfreunden. Doch Salut schießen dürfen sie nicht mehr. Auch das Reiten ist vorbei, seit Birgit Dreßler ihre Pferde verkaufen musste. Oberbürgermeister Sven Mißbach bedauert wie die Husarenfreunde selbst, dass es keinen Nachwuchs gibt, der unter diesen Umständen die schöne Großenhain-Attraktion weiterführen will. Doch Falk Wagenzink kommt sogar aus Lommatzsch jedes Mal zu den internen Treffen.  "Wir schwatzen dann und helfen uns gegenseitig", heißt es. 

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Fernsehaufnahmen zu "Unterwegs in Sachsen" oder die Gestaltung der Husaren-Gedenkstätte an der Kirche sind im Stadtquartier genauso dokumentiert wie ein großes Husaren-Kolloquium mit Wettiner Prinzen. Auch, wenn die Abspaltung des Arbeitskreises Geschichte der Großenhainer Husaren als Fakt auf der Negativ-Seite bleibt: die Husarenfreunde, zu denen auch Fred-Jürgen Vogel in Preußenuniform gehört, schmettern weiter mit Freude die Strophen des "Sanitätsgefreiten Neumann" vorm Banner des nicht mehr existierenden Husarenvereins.  

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Im Standquartier an der Dresdner Straße wird auf den Vereinsgeburtstag angestoßen. © Norbert Millauer
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Lothar Fiebig steht sich vor dem Spiegel die Husarenmütze auf.  © Norbert Millauer
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Mit der K&K-Bahn geht es mit geladenen Gästen durch die Stadt. © Norbert Millauer

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