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Die Schätze des Großenhainer Sachsenhofes

Anfang des Jahres richteten sich alle Augen in Großenhain auf die ehemalige Sachsenhof-Fläche. Hier kam 800 Jahre alte Stadtgeschichte zum Vorschein.

Von Kathrin Krüger
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Bei den archäologischen Ausgrabungen an der Meißner Straße/Ecke Mozartallee in Großenhain wurden die mittelalterliche Stadtmauer und eine Zwingermauer freigelegt - eine Sensation für die Stadt.
Bei den archäologischen Ausgrabungen an der Meißner Straße/Ecke Mozartallee in Großenhain wurden die mittelalterliche Stadtmauer und eine Zwingermauer freigelegt - eine Sensation für die Stadt. © Norbert Millauer

Großenhain. Er hätte ein archäologisches Freilichtmuseum werden können - nun wird er in Zukunft wahrscheinlich das künftige Polizeirevier: der 1999 abgebrannte Sachsenhof an der Meißner Straße/Ecke Mozartallee. Weil auf dieser dem Freistaat gehörenden Fläche in absehbarer Zeit gebaut werden soll, fanden bis ins Frühjahr 2021 hinein obligatorische Ausgrabungen statt. Zum Vorschein kam Erstaunliches. Die Mitarbeiter des Landesamtes für Archäologie legten die mittelalterliche Stadtmauer und vor allem eine Zwingermauer frei, die man bisher nur von Zeichnungen kannte.

Bogenartig trat das Gemäuer aus dem Mittelalter in der Grube hervor. Aus Bruchstein errichtet, wächst die einstige Zwingermauer der Stadtbefestigung aus einer Tiefe von 4,60 Metern empor. "Eine kleine Sensation", sagte Dr. Westphalen vom Landesamt für Archäologie über die Ausgrabungen. Die Stadtväter pflichteten ihm bei.

Zum ersten Mal wurde die Großenhainer Zwingermauer laut den Archäologen vom Landesamt freigelegt. Dabei ist hier schon 2005 und 2017 gegraben worden. Doch die rund 800 Jahre alte Zwingermauer, die der Stadtmauer vorgelagert war, war da noch nicht gefunden. Baggerfahrer Ulrich Franke von Weberbau hatte sie nun gefühlvoll freigelegt. Im Bereich des ehemaligen Hotelbaus wurden auch Kellermauern dokumentiert, die jedoch älter sind als die des ehemaligen Hotels. Vermutlich waren sie bei früheren Bebauungen in das Hotel integriert worden. Das Gewölbe wurde baugeschichtlich zugeordnet. Christoph Heiermann vom Landesamt: "Es handelt sich um einen Bogen der Brücke über den Stadtgraben vor dem Meißner Tor und der ist somit ein wichtiges erhaltenes Relikt der lokalen Historie."

So sieht die Fläche heute aus.
So sieht die Fläche heute aus. © Kathrin Krüger

Weil eine öffentliche Führung übers Gelände wegen Corona leider abgesagt werden musste, schauten viele Neugierige durch den Gitterzaun auf die beeindruckenden Bauten. Gebietsreferentin Patricia van der Burgt zeigte ausgewählten Gästen neben den gut erhaltenen Resten der Stadtbefestigung auch Objektfunde, vor allem Keramik, vom späten Mittelalter bis in die Neuzeit. Im Technischen Ausschuss des Stadtrates und in einem speziellen Vortrag im Museum stellte die Archäologin die Funde im Herbst noch einmal der interessierten Öffentlichkeit vor. Alles ist inzwischen leider wieder zugeschüttet. Doch penibel dokumentiert. Man weiß jetzt, dass 800 Jahre Stadtgeschichte noch immer im Boden unterm künftigen Polizeirevier schlummert.