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Vom Leistungssport in die Selbstständigkeit

Das Format Heimatsportler geht sonst nach draußen.

So sieht es zur Zeit aus, wenn Martin Hoßmang die Heimatsportler anleitet. Von der Garage aus streamt er live die Übungsstunde. „Wir müssen da jetzt durch, und Sport ist gut für die Mentalität“, betont der 34-Jährige. Weiterhin sagt er, dass es
So sieht es zur Zeit aus, wenn Martin Hoßmang die Heimatsportler anleitet. Von der Garage aus streamt er live die Übungsstunde. „Wir müssen da jetzt durch, und Sport ist gut für die Mentalität“, betont der 34-Jährige. Weiterhin sagt er, dass es © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Nach wenigen Stunden war die Entscheidung getroffen. „Wir haben Verantwortung für diese Menschen“, begründet Martin Hoßmang seine Motivation, trotz Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen weiter Trainingseinheiten anzubieten. Er hält es für wichtig, jetzt einen Weg aufzuzeigen und sich um Alternativen und eine Stabilität zu kümmern. „Es war mir unglaublich wichtig, nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern zu reagieren.“ Und das danken ihm die Sportler.

Von Montag bis Donnerstag wird um 19 Uhr sowie Freitag um 18 Uhr per Stream live eine Stunde Ganzkörpertraining angeboten. Das ist das Konzept der „Heimatsportler“, die der Hoyerswerdaer vor einigen Jahren aus der Taufe gehoben hat. „Regelmäßiges und gut gesteuertes Training“ wird als eine der Grundlagen auf der Website genannt.

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Für Martin Hoßmang gehören Sport und Fitness schon lange zu seinem Leben. Er ist im und mit Fußball groß geworden. Ab 1993 spielte er beim FC Lausitz. Im Alter von 13 wechselte er 2000 zum FC Energie Cottbus. 2006 folgte das Abitur an der dortigen Sportschule. Als größten bisherigen Erfolg nennt Martin Hoßmang die Aufstiege in die Regionalliga, die ihm in Cottbus, Plauen und Bautzen gelungen sind.

Er war jahrelang Leistungssportler und weiß genau mit seinem Körper umzugehen. Das Training, das er heute selbst anbietet, ist zeitbasiert gestaltet und dreht sich damit nicht um eine bestimmte Anzahl Wiederholungen. Das ermöglicht, dass jeder teilnehmen und die individuelle Leistung abrufen kann. Das Niveau kann somit sukzessive und selbstständig gesteigert werden. Die Übungen sind zudem so angelegt, dass sie in verschiedenen Schwierigkeitsstufen ausgeführt werden können, was wieder die persönlichen Möglichkeiten berücksichtigt.

Den Blick immer weiter nach vorne

„Fußball ist vergänglich“, gibt er zu bedenken. Und das bedeutete früher oder später eine Neuorientierung. Mit 27 ging er nach Bautzen und studierte dual an der Berufsakademie Wirtschaftsingenieurwesen. Die Stadtwerke Bautzen waren erst Praxispartner und im Anschluss Arbeitgeber. Während des Studiums war es Martin Hoßmang mit einer Sondergenehmigung möglich, eher den Unterricht zu verlassen und das tägliche Training im Verein wahrzunehmen. In dieser Zeit hat er viel Selbstmanagement gelernt. „Ich musste komplett fokussiert sein.“

Die Arbeit im Bereich Prozessdigitalisierung und -optimierung brachte auf Dauer nicht die gewünschte Erfüllung. „Das macht mich nicht glücklich“, war das Resümee dieser Zeit. Und der Sport hat seine Spuren hinterlassen: „Ich wollte immer weiter voran und war etwas forscher.“ Der Wunsch nach Veränderung war da. Während eines Dreivierteljahres hat er die Selbstständigkeit aufgebaut, parallel weiter bei der Energie-und Wasserwerke Bautzen GmbH gearbeitet und auch am Spielen im Verein festgehalten. „Anfangs war das ein großer Druck – immer fit zu sein.“ Er hatte Verantwortung für seine Mitspieler und wollte auch beruflich uneingeschränkt „abliefern“. Arbeiten und Spielen in Bautzen, Wohnen in Hoyerswerda. Das hat zusätzliche Zeit verlangt und eine gute Organisation und Disziplin.

In Bautzen entstand auf Grund der schon vorhandenen Nähe der erste Standort der Heimatsportler, die es nun seit 2017 gibt. Durch Freunde und Bekannte erlangte das Format schnell einen Aufschwung, was in Hoyerswerda etwa anderthalb Jahre dauerte, bis die Kurse eine ähnliche Reichweite erlangt hatten. „Durch diese zwei Standorte hat es eine Dynamik entwickelt und mich immer wieder bestätigt“, kann Martin Hoßmang heute berichten.

Die Stadt als Trainingsort

Der Leitsatz „Mach deine Stadt zum Gym“ ist Programm. Denn sommers wie winters wird draußen trainiert – mitten in der Stadt. An verschiedenen Orten finden sich passende Gegebenheiten. In Hoyerswerda wird mal auf der Gundermann-Plaza am Bürgerzentrum oder im Jürgen-von-Woyski-Park trainiert. Anfangs wurde auch das FKO (also der Freizeitkomplex Ost) als Trainingsort genutzt. Es braucht nicht viel, um gemeinsam effektiv zu trainieren. Ausreichend Platz ist wichtig. Anfangs waren noch mehr Kleingeräte im Training eingebaut, aber mittlerweile genügt es, wenn die Sporttreibenden eine Matte mitbringen. Auch dadurch lassen sich die Kurse eins zu eins in jedes Wohnzimmer verlegen, wie es im Augenblick der Fall ist.

Mit der Gewerbeanmeldung und dem Logo kam auch das Konzept, dass sich auf ein Ganzkörper-Workout konzentriert. Darin sieht Martin Hoßmang einen großen Vorteil, denn das Training ist immer anders. Durch die Abwechslung wird es nie langweilig. „Die Sportler kommen und wissen nicht, was heute passiert.“ Die Übungen sind mehrdimensional. Das erfordert, den ganzen Körper unter Kontrolle zu haben und zu schulen.

Bis zu 20 SportlerInnen stellen sich ein, damit wirklich alle gefördert werden können, denn „ich sehe das eben als Dienstleistung an“.

Doch die Ziele sind weit umfänglicher. Es geht dabei auch darum, eine Gesellschaft herzustellen und zu fördern. Wie die Gruppendynamik sich entwickelt, macht es auch spannend, beschreibt es Martin Hoßmang; gewisse Schnittmengen ergeben sich immer. Dann ist da noch die Stärkung des Immunsystems und am Ende „gehen alle zufrieden und ausgeglichen nach Hause“. Es sind viele Aspekte, die auf den ersten Blick nicht zu erkennen sind. Routine, Bewegung und der soziale Faktor werden gewissermaßen zu einer Hilfestellung für den Alltag.

Heute bewährt sich, wie die Website und das Buchungstool angelegt wurden. Denn so ist der Aufwand nebenher nicht riesig und der Unterschied zum gewohnten Training in der Stadt ist nun, dass Martin Hoßmang einen Link für den Stream erstellen und einpflegen muss. Alles, was analog funktioniert hätte, wie zum Beispiel Anwesenheitskontrolle und die Buchung der Kurse, müsste spätestens jetzt umgedacht und neu angelegt werden. Doch so ändert sich an der Handhabung gar nichts. „Ich bin froh, dass ich damals schon so angefangen habe.“ Aber es ist auch spürbar, dass das Training daheim nicht für jeden etwas ist – „vor dem Bildschirm und in der gewohnten Umgebung“. Wie in dieser Situation jeder abgeholt werden kann, beschäftigt Martin Hoßmang weiterhin. Vergleichbar mit der Zahl der SportlerInnen, die sonst teilnehmen, ist die Nachfrage gerade gering.

Gut für die Gemütslage

Das Frühjahr hat einen finanziellen Einschnitt bedeutet. Im Sommer konnte mit einem entsprechenden Konzept das Training schnell angepasst werden. Betriebssport fällt bis auf Weiteres weg, wie alles, was mehr Event-Charakter hat. Doch das Zusammensein außerhalb der Arbeit kann den Zusammenhalt schulen.

Aktuell wird an einer räumlichen Erweiterung – einem kleinen Büro und einem Fitnessraum im Wohnhaus in der Hoyerswerdaer Altstadt – gearbeitet, um im Bereich Personaltraining mehr anbieten zu können. Dafür ist die Zeit gerade da. Darin sieht Martin Hoßmang einen Vorteil dieser Tage und Wochen. Und die Kurse gehen unverändert weiter. „Es bewirkt viel für die Gemütslage, wenn die Teilnehmer in der Stunde Spaß haben und sich bewegen. Dann kommt die Erkenntnis, dass es dem Körper nachhaltig guttut.“

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