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"Kalt und seelenlos"

Die Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der Fußball-Bundesliga ist auch im Ausland auf enormes Interesse gestoßen und wird ausgiebig kommentiert.

Die Spielbälle werden in der Halbzeitpause desinfiziert.
Die Spielbälle werden in der Halbzeitpause desinfiziert. © Lukas Schulze/Getty/POOL/dpa

Von Thomas Eßer

Berlin. Der Bundesliga-Neustart ließ in Italien gar Erinnerungen an die Mondlandung aufkommen. "Der erste Schritt von Neil Armstrong ist noch mal etwas anderes, aber das Tor des Norwegers ist Geschichte", schrieb die "Gazzetta dello Sport" zu Erling Haalands Premierentor nach der Corona-Pause zum 1:0 seiner Dortmunder gegen den FC Schalke 04. "Hätten wir für die Menschheit einen Fußballer wählen müssen, nur um diesem Bastard eines Virus ins Gesicht zu schlagen, hätten wir uns für Erling Haaland entschieden."

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Mit dem ersten Anpfiff 66 Tage nach dem zuvor letzten Bundesligaspiel präsentierte sich die Eliteklasse des deutschen Fußballs am Wochenende auf der ganz großen Bühne. In Zeiten, in denen der Ball in allen großen Ligen wegen der Coronavirus-Pandemie ruht, war die Saisonfortsetzung in über 200 FIFA-Mitgliedsländern zu sehen. Rund um den Globus wurde das Neustart-Experiment neugierig beobachtet - und medial sowie von Profis überwiegend positiv bewertet.

"Erstes Fazit nach 90 Minuten: wie erwartet sehr merkwürdig ohne Fans. Trotzdem macht es Spaß, endlich wieder Fußball zu sehen nach so langer Zeit", schrieb der deutsche Nationalspieler in Diensten von Manchester City, Ilkay Gündogan, bei Twitter. AC-Mailand-Star Zlatan Ibrahimovic freute sich ebenfalls und dankte der Liga für ihre Rückkehr. Lukas Podolski machte das ungewohnte Schauspiel stolz: "Wir als Bundesliga, wir als Deutsche haben mal wieder bewiesen, dass wir es drauf haben. In puncto Disziplin, Organisation, Zusammenhalt", sagte der Weltmeister von 2014 am Samstag bei "Bild TV".

Bruno Labadia (M), Trainer von Hertha, und Michael Preetz (r), Manager des Vereins, freuen sich am Spielfeldrand über den 0:3 Sieg ihrer Mannschaft.
Bruno Labadia (M), Trainer von Hertha, und Michael Preetz (r), Manager des Vereins, freuen sich am Spielfeldrand über den 0:3 Sieg ihrer Mannschaft. © Thomas Kienzle/AFP/POOL/dpa

Der frühere Bayern-Verteidiger Bixente Lizarazu nutzte das Geschehen in den leeren deutschen Stadien zur Kritik am Vorgehen in seiner französischen Heimat. "Die Deutschen haben sehr schnell ein funktionsfähiges System erstellt, während wir noch immer diskutiert haben", sagte der 50-Jährige der französischen Sportzeitung "L'Équipe", die am Sonntag von einer "kraftvollen Wiederaufnahme" und einer "Hürde, die gefallen ist" schrieb. In Frankreich war die Saison der Ligue 1 Ende April abgebrochen und Paris Saint-Germain mit dem deutschen Trainer Thomas Tuchel zum Meister erklärt worden.

Soweit ist es in den anderen großen europäischen Spielklassen wie der Premier League oder der Serie A noch nicht. Die Umsetzung des Liga-Hygienekonzepts und der größtenteils unfallfreie Neustart des Fußball-Spektakels hierzulande geben dort auch Anlass zur Hoffnung. "Die Bundesliga hat den Fußball nach Monaten des Todes und der Angst wieder zum Leben erweckt, hat die Weichen für die anderen gestellt, die immer noch nach Mut und Protokollen suchen", schrieb die "Gazzetta dello Sport". In den drei großen italienischen Sporttageszeitungen prangte der BVB-Sieg im Geister-Revierderby gegen Schalke am Sonntag groß auf dem Titel.

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Der britische "Independent" stimmte den italienischen Kollegen zu: "Die Bundesliga hat gezeigt, wie es geht. Sie hat für diesen Sport einen Präzedenzfall geschaffen. Das wird helfen, das Denken zu verändern." Etwas nüchterner kommentierte der "Telegraph" das Geschehen: "Die Rückkehr der Bundesliga fühlte sich funktional, kalt und seelenlos an - aber das ist alles, was wir im Augenblick haben." (dpa) 

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