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Sport

Viele Tore beim Neustart der Bundesliga

Die ersten Spiele nach der Corona-Pause: Dortmund fertig Schalke im Revierderby mit 4:0 ab, Gladbach gewinnt 3:1 in Frankfurt und zieht an RB Leipzig vorbei.

Während Frankfurts Torwart Kevin Trapp (in Gelb) bereit ist fürs Spiel, gehen die Ersatzspieler von Borussia Mönchengladbach zur Bank - sie tragen den vorgeschriebenen Mund-Nasenschutz: ein Merkmal des Neustarts in der Fußball-Bundesliga.
Während Frankfurts Torwart Kevin Trapp (in Gelb) bereit ist fürs Spiel, gehen die Ersatzspieler von Borussia Mönchengladbach zur Bank - sie tragen den vorgeschriebenen Mund-Nasenschutz: ein Merkmal des Neustarts in der Fußball-Bundesliga. © Foto: dpa/Michael Probst

Dortmund. Nach 66 Tagen Pause wegen der Coronavirus-Pandemie nahm die Fußball-Bundesliga am Samstag mit Partien ohne Zuschauer ihren Spielbetrieb wieder auf. Zumindest in den ersten Geisterspielen gab es keine größeren Zwischenfälle. Die meisten Profis hielten sich an die Maßgabe aus dem 36-seitigen "Covid-19 Organisations-Rundschreiben Sonderspielbetrieb": "Gemeinsames Jubeln, Abklatschen und Umarmungen sind zu unterlassen".

Pikanterweise schien dieses Memo vor allem von den Spielern von Hertha BSC nicht gänzlich verinnerlicht worden zu sein: Mehrfach kamen sich die Berliner bei der Feier des 3:0 bei 1899 Hoffenheim recht nahe, Matheus Cunha klopfte Vedad Ibisevic auf den Kopf und nahm den Kapitän von hinten in den Arm. Ihr inzwischen suspendierter Teamkollege Salomon Kalou hatte mit seinem Kabinenvideo inklusive zahlreicher Handshakes den Kritikern des DFL-Konzepts reichlich Argumente geliefert.

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Gladbach nach Blitzstart auf Platz drei

Am Samstagabend schloss Borussia Mönchengladbach den ersten Fußball-Tag nach der Zwangspause mit einem 3:1-Sieg bei Eintracht Frankfurt ab und verdrängte damit RB Leipzig von Platz drei. Das erste Tor nach 36 Sekunden, das zweite nur sechs Minuten später: Die Gladbacher mit einem Blitzstart ihre Champions-League-Ambitionen auch beim Re-Start bekräftigt. Die Mannschaft von Trainer Marco Rose hat nur eines der vergangenen acht Ligaspiele verloren.

Es sind tatsächlich schon zwei Tore gefallen in der Samstagabend-Partie zwischen Eintracht Frankfurt und Borussia Mönchengladbach, wie es der Videowürfel anzeigt. Außer den Akteuren auf dem Rasen haben die Treffer live im Stadion aber nicht mal 300 Leute
Es sind tatsächlich schon zwei Tore gefallen in der Samstagabend-Partie zwischen Eintracht Frankfurt und Borussia Mönchengladbach, wie es der Videowürfel anzeigt. Außer den Akteuren auf dem Rasen haben die Treffer live im Stadion aber nicht mal 300 Leute © dpa/Michael Probst

Ex-Dynamo Schubert im Revierderby unglücklich

Sportlich hat Borussia Dortmund mit Blitzfußball im sonst trostlosen Revierderby einen überzeugenden Prestigesieg im Kampf um die Meisterschaft gefeiert. Der BVB bestrafte Fehler von Schalke 04 in der 178. Auflage des Ruhrpott-Klassikers gnadenlos und gewann hochverdient 4:0 (2:0). Er rückte mit seinem höchsten Derbysieg seit 1966 zumindest für zumindest eine Nacht bis auf einen Punkt an den Tabellenführer Bayern München heran, der am Sonntag beim 1. FC Union Berlin antreten muss.

Schalke kann Dortmund nicht stoppen: Erling Haaland (l.) kämpft hier mit Salif Sane (2. v. l) um den Ball.
Schalke kann Dortmund nicht stoppen: Erling Haaland (l.) kämpft hier mit Salif Sane (2. v. l) um den Ball. © dpa/Martin Meissner

Das Führungstor von Erling Haaland (28.), sein zehntes im neunten Ligaspiel, war statistisch in mehrfacher Hinsicht ein besonderes: Es bedeutete das 2.500. Gegentor für die schwachen Schalker in der deutschen Eliteklasse, zudem brachte es den BVB in die Spur für den 800. Bundesliga-Sieg. Nur der FC Bayern (1.111) hat mehr. Zudem war es der ereste Treffer nach der Zwangspause in der Bundesliga.

Das 2:0 erzielte Raphael Guerreiro kurz vor der Pause, nachdem Schalke-Torhüter Markus Schubert ein Befreiungsschlag missglückt war. Der Ex-Dynamo war von Trainer David Wagner zur neuen Nummer eins bei den Königsblauen erklärt worden. Noch mal Guerreiro  sowie Thorgan Hazard erzielten die weiteren Tore für den BVB. 80.000 Zuschauer hätten den Spielern normalerweise ins Ohr geschrien - so jedoch hallten die Anweisungen der Trainer und das Ploppen beim Pass von der leeren "Grauen Wand" wider.

Erling Haaland von Borussia Dortmund hat das erste Tor in der Fußball-Bundesliga beim Neustart nach der Corona-Pause erzielt. Der 19 Jahre alte Norweger traf in der 29. Minute des Revierderbys gegen den FC Schalke 04 zum 1:0. Er jubelte danach wie vorgesc
Erling Haaland von Borussia Dortmund hat das erste Tor in der Fußball-Bundesliga beim Neustart nach der Corona-Pause erzielt. Der 19 Jahre alte Norweger traf in der 29. Minute des Revierderbys gegen den FC Schalke 04 zum 1:0. Er jubelte danach wie vorgesc © dpa/Martin Meissner

"Unsere Fans sind nicht da, die gelbe Wand ist nicht da, das ist sehr, sehr komisch", sagte Dortmunds Trainer Lucien Favre. Während der Schweizer trotzdem zufrieden sein konnte, stellte Schalke-Coach Davic Wagner ernüchtert fest:  "Wir haben kein gutes Spiel gemacht. Derby-Niederlagen sind prinzipiell unangenehm - auch in dieser skurrilen Atmosphäre" Dabei erfuhr das Duell als erstes Topspiel einer großen Liga weltweit Aufmerksamkeit.

Leipzig vergibt viele Chancen gegen Freiburg

RB Leipzig hat nach zweimonatiger Corona-Pause große Anlaufschwierigkeiten gezeigt. Das Team von Trainer Julian Nagelsmann kam zu Hause trotz einer engagierten Vorstellung gegen einen cleveren SC Freiburg nicht über ein 1:1 (0:1) hinaus und ließ im Kampf um die Champions-League-Plätze zwei wichtige Punkte liegen. Die Führung von Manuel Gulde (34.) glich Yussuf Poulsen (77.) aus. Leipzig erhöhte in der zweiten Halbzeit mehr und mehr den Druck und kam nach einer Stunde im Minutentakt zu Chancen. Timo Werner, Kevin Kampl und Poulsen zielten aber entweder zu ungenau oder fanden ihren Meister im starken Freiburger Schlussmann Alexander Schwolow. Das mögliche Freiburger Siegtor wurde am Ende nicht gegeben.

Dieses Zweikampf vor den leeren Rängen im Leipziger Stadion ist Tyler Adams zwar vor Freiburgs Christian Günter am Ball, aber zum Sieg reichte es für RB bei diesem Geisterspiel nicht.
Dieses Zweikampf vor den leeren Rängen im Leipziger Stadion ist Tyler Adams zwar vor Freiburgs Christian Günter am Ball, aber zum Sieg reichte es für RB bei diesem Geisterspiel nicht. ©  dpa/Jan Woitas

Still war es im Stadion trotz des Fehlens der Zuschauer nicht. Die Spieler schrien sich permanent an, von der Seitenlinie gaben die Trainer lautstarke Kommandos. Die Reservespieler saßen in einer Extra-Zone neben den Ersatzbänken und verfolgten die Partie aus der prallen Sonne.

Einen erfolgreichen Einstand feierte Trainer Bruno Labbadia, der sich mit Hertha BSC 3:0 bei der TSG 1899 Hoffenheim durchsetzte. Beim FC Augsburg saß der neue Coach Heiko Herrlich beim 1:2 (0:1) gegen den VfL Wolfsburg wegen seines Verstoßes gegen die Quarantäne-Regeln nicht auf der Trainerbank.

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