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Droht Kamenz riesiger Sandabbau?

Schon vor Jahren stieß das Vorhaben zwischen dem Ortsteil Brauna und der Gemeinde Neukirch auf Widerstand. Was nun zur Diskussion steht.

Könnte es so wie hier bei Würschnitz nahe Laußnitz auch bald zwischen Kamenz und Neukirch aussehen? Eine Bergbaufirma plant jetzt, ein Abbaugebiet bei Kamenz zu erschließen. Das sorgte schon vor Jahren für Widerstand.
Könnte es so wie hier bei Würschnitz nahe Laußnitz auch bald zwischen Kamenz und Neukirch aussehen? Eine Bergbaufirma plant jetzt, ein Abbaugebiet bei Kamenz zu erschließen. Das sorgte schon vor Jahren für Widerstand. © Kristin Richter

Kamenz. Bergbau spielt im Raum Kamenz immer wieder eine Rolle. Oft auch, weil dieser mit Belastungen für Anwohner und Umwelt verbunden ist. Gerade der Hunger nach Kies und Sand ist groß. Das Kieswerk in Ottendorf-Okrilla sorgte mit neuen Erschließungsplänen in jüngster Vergangenheit für viele Diskussionen. Jetzt hat ein Bergbauunternehmen Flächen zwischen Kamenz und Neukirch in den Fokus genommen.

Um die gab es vor Jahren schon mehrfach großen Wirbel und Proteste. Nun interessiert sich die Deutsche Quarz AG für die Sandlagerstätte und beabsichtigt, ein Planverfahren aus dem Jahr 2013 wieder anzuschieben. Darüber hat die Stadt Kamenz jetzt die Öffentlichkeit informiert.

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Unternehmensvertreter der Quarz AG und einer weiteren Firma hatten sich laut Stadt im Rathaus gemeldet und die Pläne erläutert. Wenn es nach dem Unternehmen geht, soll das Planverfahren im kommenden Jahr abgeschlossen werden. Das lässt bei Anrainern die Alarmglocken schrillen.

Gemeinde Neukirch bisher nicht informiert

Die Lagerstätten des Quarzsandes befinden sich nach den Informationen der Stadt Kamenz im Bereich Brauna, Petershain und Gottschdorf. Fürs Erste gehe es um die Lagerstätte Brauna 1, die Brauna, aber vor allem auch die Neukircher Ortsteile wie Gottschdorf betrifft. Geplant ist eine Abbaufläche von 50 Hektar.

Die Gesamtlagerstätte Brauna 1 habe sogar eine Fläche von etwa 150 Hektar. Pro Jahr wolle die Firma rund 250.000 Tonnen Quarzsand fördern. Sprengungen seien laut Auskunft des Unternehmens nicht notwendig. Es werde mit Radladern gearbeitet.

Vor 20 Jahren war von einer „Horrorvision“ und der „Insel Gottschdorf im Sandgrubenmeer“ die Rede, gegen die sich Anwohner wehrten. Gerade in Neukirch liefen Vereine und Gemeinde Sturm gegen das Vorhaben, das auch mit erheblichen Rodungen verbunden wäre.

In dieser Idylle könnten bald Sandlaster rollen. Die Ortschaft Brauna zum Beispiel lehnt das ab, verweist auf die schützenswerte Natur und die Trinkwasserversorgung.
In dieser Idylle könnten bald Sandlaster rollen. Die Ortschaft Brauna zum Beispiel lehnt das ab, verweist auf die schützenswerte Natur und die Trinkwasserversorgung. © René Plaul

An der Haltung hat sich nichts geändert, schätzt Bürgermeisterin Grit Truxa-Richter (parteilos) ein. Sie äußert sich verwundert darüber, dass das Unternehmen gerade die am meisten betroffene Gemeinde noch nicht offiziell über sein Vorhaben informiert habe. So sei es auch schwierig zu agieren. Aber die Gemeinde sehe den Abbau nach wie vor sehr kritisch und wolle ihn nicht.

Die Natur sei schon damals schützenswert gewesen, habe sich über die Jahre weiter entwickelt und sei es nun um so mehr. Sogar der Seeadler lebe hier. Vielerorts habe der Borkenkäfer gewütet, aber in dem fraglichen Gebiet gerade nicht. Man habe sich angestrengt, Mischwald zu entwickeln. Der Sandabbau würde diesen Bemühungen entgegenwirken. Ebenso den Anstrengungen im Landkreis, den Tourismus voranzubringen: „Das passt nicht zusammen.“ Da es derzeit keine Unterlagen gebe, sei es noch schwer, sich ein Urteil zu bilden.

Kamenz erwartet 50 bis 60 zusätzliche Lkws pro Tag

So sei im Planverfahren auch zu klären, welche Auswirkungen der Abbau auf den Naturraum und die nächstgelegene Wohnbebauung habe, sagt der Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos). Der Kamenzer Ortsteil Rohrbach wäre etwa 800 Meter vom künftigen Tagebau entfernt.

Dazu komme noch die zu erwartende Lasterlawine. Das Stadtbauamt hat schon mal gerechnet. Bei einem Abbau von 250.000 Tonnen Sand im Jahr käme ein zusätzlicher Schwerlastverkehr von etwa 50 bis 60 Lkws pro Tag auf Anlieger zu. Direkt betroffen wären je nach Transportrichtung Neukirch und Brauna.

Der Transport des abgebauten Quarzsandes werde voraussichtlich nordwärts über Schwepnitz auf die B 97 oder südwärts und danach nach Osten über die S 100 erfolgen. „Die Kamenzer Innenstadt wäre damit ebenfalls durch den Lkw-Verkehr betroffen“, stellt OB Dantz fest. Das Straßennetz sei aber kaum dafür ausgelegt.

Probleme mit dem Trinkwasser befürchtet

Gerade die Verkehrsbelastung thematisierten auch der Braunaer Ortsvorsteher Frank Friede und der Kamenzer Stadtrat Jörg Bäuerle (Wählervereinigung Kamenz und Ortsteile) im Stadtentwicklungsausschuss.

Zu klären wäre außerdem durch ein hydrogeologisches Gutachten, wie sich die Senkung des Grundwasserspiegels auf die Wohngebiete und den umliegenden Wald auswirkt, so Bäuerle. Zumal es schon jetzt ein sehr trockenes Terrain sei. Er macht zudem auf die seltenen Quarzhügel aufmerksam, die erhaltenswert seien.

Klar positioniert hat sich schon der Ortschaftsrat Brauna: Er lehnt das Vorhaben ab. Es gefährde die Trinkwasserversorgung. Der schützenswerte Lebensraum für bedrohte Tierarten in einem zusammenhängenden Wald sei ein weiterer Aspekt. Die Stadt weist auch auf das "innerhalb der Lagerstätte Brauna 1 liegende Flächennaturdenkmal Weiße Berge hin", das erhalten bleiben müsse.

Es sei zu klären, inwieweit das Vorhaben überhaupt genehmigungsfähig ist, so Roland Dantz. Kamenz wolle sich auch mit den Nachbarn abstimmen. Die Planunterlagen erwartet die Stadt bis Ende Mai. Auf der Grundlage werde dann eine Stellungnahme erarbeitet und im Stadtrat besprochen.

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