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Aus der großen weiten Welt zurück nach Kamenz

Sie waren am Tegernsee, in Südafrika und auf einem Kreuzfahrtschiff: Mit dieser Erfahrung kümmern sich zwei Rückkehrer künftig um Fissels Gasthof bei Kamenz.

Claudia und Uwe Röhrbein (hinten), die Wirtsleute von Fissels Gasthof in Cunnersdorf bekommen Verstärkung. Tochter Isabel und Schwiegersohn Benjamin (vorn mit Sohn Theodor) wollen den Gasthof weiterführen. Sohn Oliver (l) lernt auch in der Gastronomie.
Claudia und Uwe Röhrbein (hinten), die Wirtsleute von Fissels Gasthof in Cunnersdorf bekommen Verstärkung. Tochter Isabel und Schwiegersohn Benjamin (vorn mit Sohn Theodor) wollen den Gasthof weiterführen. Sohn Oliver (l) lernt auch in der Gastronomie. © Matthias Schumann

Kamenz. Die Pflöcke gegenüber von Fissels Gasthof im Kamenzer Ortsteil Cunnersdorf sind eingeschlagen. Die Bodenplatte für das neue Heim von Tochter Isabel und Familie soll nun im August kommen.

Fast 13 Jahre war die Tochter der Wirtsleute Claudia und Uwe Röhrbein deutschlandweit in der Gastronomie unterwegs – sammelte Erfahrungen am Tegernsee in traditioneller Küche und im Rheinland mit Sushi-Spezialitäten. Und in Berlin bei Fischers Fritz ging‘s – man ahnt es – viel um Fisch. In der Hauptstadt lernte sie auch ihren Mann kennen – Benjamin Fischer.

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Ihn trieb es in den vergangenen Jahren noch viel weiter in der Welt herum – bis nach Südafrika und auf ein amerikanisches Kreuzfahrtschiff der Sechssterne-Klasse, ein schwimmendes Luxushotel.

Dort habe er zum Beispiel gelernt, wie Luxus-Verpflegung – von Hummer über Seezunge bis zur Königskrabbe – in riesigen Mengen für 1.000 Menschen gekocht werden kann. Benjamin Fischer: „Es ist immer gut, unterschiedliche Küchen und Geschmäcker kennenzulernen.“ Aber gerade auf dem Kreuzfahrer sei es auch Kameradschaft und Teamwork gewesen. Außerdem sei er stress-resistent seit der Fahrt.

Seit über 120 Jahren im Familienbesitz

Tochter Isabel sagt: „Ich wollte das Leben in die eigenen Hände nehmen, mal rauskommen.“ Und Vater Uwe Röhrbein ist sich sicher: „Es ist richtig gewesen, ein bisschen durch die Welt zu tingeln, sich umzuschauen, wie es andere machen."

Seit vier Jahren sind Isabel und Benjamin Fischer in Leipzig angekommen. Dort ist Benjamin Fischer jetzt Küchenchef in einem Hotel und seine Frau Chef de Rang, wie es französisch heißt, in einem Bio-Restaurant. In Leipzig sind beide ihrer Heimat schon wieder näher gekommen, denn Benjamin Fischer ist gebürtiger Karl-Marx-Städter.

Vor allem Isabel Fischer wollte aber wieder nach Cunnersdorf, und die Familie zieht nun bald mit. Die Entscheidung habe auch etwas mit dem kleinen Sohn Theodor zu tun. „Mit den Großeltern in der Nähe boten sich die besten Perspektiven.“ Es sei Zeit, sesshaft zu werden, sagen Fischers.

Dazu komme natürlich der Gasthof in Cunnersdorf mit langer Familiengeschichte, mit den Eltern, Großeltern und Urgroßeltern, die das alles aufgebaut haben: „Da hängt das Herz von uns beiden dran“, sagt Isabel Fischer. „Es wäre doch sehr schade, das einfach zu verkaufen: Es ist unsere Zukunft.“

Mit Abholservice den Lockdown überbrückt

Es freut die Eltern Claudia und Uwe Röhrbein natürlich besonders, die Kinder in der Nähe zu haben. "Es ist auch wirklich nicht selbstverständlich heutzutage", sagt Uwe Röhrbein, dass ein Betrieb in der Familie weitergegeben werden kann - perspektivisch. "Denn ein bisschen haben wir auch noch zu strampeln.“

Seit 1895 ist der Gasthof im Familienbesitz „und wurde immer von der Familie Fissel betrieben“, versichert Claudia Röhrbein, geborene Fissel. Fast zumindest. Ein kurzes Intermezzo des Konsums gab es zu DDR-Zeiten in den 1970er-Jahren. Schon Ende der 70er stand wieder ein Fissel hinter dem Tresen. 1998 stiegen Claudia und Uwe Röhrbein ein. Wobei das vergangene Jahr mit mehrfacher Corona-Pause wohl das schwerste seit der Übernahme war.

Claudia Röhrbein: „Wie haben den gesamten Lockdown mit Abholservice gearbeitet, um die Zeit so gut wie möglich zu überbrücken. Nun müsse man sehen, wie das Geschäft wieder anläuft. Das Hauptgeschäft seien Familienfeiern. Auch Tanz soll es wieder geben. Aber: Werden die Gäste zurückkommen? Tochter Isabel ist überzeugt davon: „Es sind doch so viele tolle Stammgäste.“

Beide jungen Leute kommen mit viel Gastronomie-Erfahrung nach Cunnersdorf. Aber ob es dann gleich im heimischen Gasthof losgehen kann, sei noch fraglich. Gerade nach der langen Corona-Zeit sei es eben unsicher, ob das Wirtshaus sofort zwei Familien ernähren kann. Aber das sehen die beiden Rückkehrer nicht so dramatisch. Schließlich sei die Landeshauptstadt Dresden vor der Tür, und gerade in der Gastronomie werde ja Personal händeringend gesucht.

Die Röhrbeins haben die Corona-Zeit genutzt, um den Gasthof aufzumöbeln. Die Gäste können nun im erweiterten Biergarten Platz nehmen, wozu auch ein Kräutergarten gehört. Der Gastraum ist frisch renoviert in zartem Grün mit goldfarbener Schrift.

Der Kachelofen im Gastraum bleibt

Der Kachelofen mit Bank davor ist geblieben und wird auch künftig an kalten Tagen für wohlige Wärme sorgen. Den historischen Saal hatten die Röhrbeins bereits restauriert. Doch im Vorjahr zeigten sich plötzlich mächtige Wasserflecken. Also musste jetzt auch noch das halbe Saaldach neu gedeckt werden. Es hatte über 120 Jahre gehalten.

Nun soll am Eigenheim der Kinder gebaut werden. Aufgrund der aktuellen Situation habe es den Baustart ausgebremst. Geduld haben die Fischers aber auch schon im langen Antrags- und Planverfahren lernen müssen. Die Firmen kämen einfach nicht mit den Aufträgen hinterher, sagt Benjamin Fischer.

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Auf dem Areal soll im Übrigen noch ein zweites Haus entstehen. Dort will der Nachbar bauen. Jetzt müssen nur noch die Bauleute endlich anrücken – zumindest bei Fischers. Bis zum Jahresende soll das Haus stehen. Die junge Familie hofft bis März 2022, bis zum Geburtstag von Sohn Theodor, in den eigenen vier Wänden zu wohnen. Und ob Röhrbein oder Fischer: Fest steht, dass der Gasthof den Namen Fissel behält.

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