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Kamenz: Neues Gymnasium ist zu klein

Bis 2022 wird noch am Schulgebäude in der Henselstraße gebaut. Doch schon jetzt ist klar, dass es darin eng wird. Wie kann das sein?

Das historische Kamenzer Gymnasium an der Henselstraße bekommt derzeit einen Anbau. Doch auch damit wird das Schulgebäude, wenn es 2022 fertig wird, schon wieder zu klein sein.
Das historische Kamenzer Gymnasium an der Henselstraße bekommt derzeit einen Anbau. Doch auch damit wird das Schulgebäude, wenn es 2022 fertig wird, schon wieder zu klein sein. © René Plaul

Kamenz. Der Neubau des Gymnasiums in Kamenz ist noch längst nicht fertig - da zeichnet sich schon ab, dass er zu klein ausfällt.

Das kritisiert die Stadt Kamenz jetzt deutlich in ihrer Stellungnahme zur aktuellen Schulnetzplanung das Landratsamtes Bautzen. Darin präsentiert der Kreis auch eine neue Modellrechnung für künftig zu erwartende Schülerzahlen am Gymnasium in Kamenz.

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Demnach könne für das kommende Schuljahr der Bedarf noch gedeckt werden. Allerdings bietet das derzeitige Gebäude an der Macherstraße mehr Platz. Nach dem Umzug an die Henselstraße, wo das historische Gebäude des Gymnasiums saniert und erweitert wird, verringert sich die Aufnahmekapazität jedoch, stellt die Stadt fest. Dann würde es eng mit dem Schulstart im Sommer 2022.

„Angesichts des aktuellen Investitionsvolumens sehen wir es als bedauerlich an, dass bereits mit Inbetriebnahme des Standortes feststeht, dass die Kapazitäten nicht ausreichen“, heißt es seitens der Stadt. Bei 28,5 Millionen Euro liegen derzeit nach Kreisangaben die Kosten für den Bau.

Schülerzahl steigt bis 2025 auf 800

Die Stadt habe bereits 2018 darauf hingewiesen, dass eine Planung mit 3,5 Zügen pro Klassenstufe nicht ausreiche, heißt es. Es müsse mit vier oder besser fünf Klassen pro Stufe gerechnet werden, um die kommenden Schülerzahlen aufzunehmen.

Gegenwärtig liegt die Schülerzahl bei etwa 700. Sie steigt nach derzeitigen Prognosen von Kreis und Kultusministerium bis 2025 auf 800. Ein enormer Sprung. Bis 2030 bleibt diese Zahl laut Prognose relativ stabil. Das müsse berücksichtigt werden. Es sei kein kurzfristiges Strohfeuer, das sich vielleicht mit Interimslösungen überbrücken lasse, ist sich Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos) sicher. Es sei eine längerfristige Entwicklung.

Die Stadt rechnet mit noch höherem Bedarf

Die Stadt sieht über die Prognose hinaus sogar noch mehr Bedarf. Dabei spiele eine zu erwartende Sogwirkung des Neubaus eine Rolle. Aber vor allem die wirtschaftliche Entwicklung in der Region mit 3.500 Jobs mittlerweile bei Accumotive, mit dem Klimakompressorenwerk in Straßgräbchen und mit 30 Hektar Gewerbe-Entwicklungspotenzial in Kamenz. Außerdem rechnet die Stadt mit Zuzug.

Das alles finde sich in der Prognose nicht wieder. Die Stadt sieht nur in einem weiteren Anbau ans Gymnasium die richtige Lösung, um all das zu berücksichtigen.

Beim Landkreis ist man sich darüber im Klaren, dass sich die Schülerzahlen „gegenüber früheren Prognosen wesentlich positiver“ entwickeln. Die Modellrechnung gehe für die Folgejahre ab der Inbetriebnahme des Neubaus von insgesamt 36 Klassen und Kursen aus. Das sind vier Klassen/Kurse mehr, als der Bau jetzt vorsieht. Der Kreis sei „bestrebt, die Lücke zu schließen“. Er orientiert sich damit am prognostizieren Zuwachs von etwa 100 Schülern, während die Stadt einen noch größeren Bedarf sieht.

Kritik an den prognostizierten Zahlen

Die Ursache für die Fehlplanung liege wohl vor allem in Prognosen, die nur zutreffen, wenn nichts Unerwartetes passiere, so OB Dantz. In Kamenz sei aber viel passiert. So sei es nicht verwunderlich, dass die Schülerzahlen anders ausfallen, als vor zehn Jahren prognostiziert.

Stadtrat Thomas Lieberwirth (Die Linke) kritisiert zudem, dass man sich bei unterschiedlichen Prognosen immer an der schlechtesten Variante orientiere. Aus Sicht des Stadtrates sei die Entwicklung erkennbar gewesen. Cordula Gneuß (AfD) fragt sich, wie man vor zehn Jahren derart falsch liegen konnte. Gemessen an der jetzigen Auslastung müsste statt für 36 sogar Raum für 43 Klassen/Kurse geschaffen werden.

Der Kreis hält entgegen, er prüfe fortlaufend die Schülerströme und beziehe Hinweise der Stadt mit ein. Prognosen müssten aber fundiert dargelegt werden, um die Kapazität einer Schule aufstocken zu dürfen. Ansonsten gebe es dafür im Kultusministerium keine Chance.

Kreis denkt über weiteren Anbau nach

Jens Krüger, Stadtrat für die Wählervereinigung Kamenz und Ortsteile und selbst Lehrer am Gymnasium, ist dankbar, dass mit der jetzigen Baumaßnahme das Traditionsgebäude reaktiviert wird. Zugleich weiß er um die absehbaren Schwierigkeiten. Die Schule sei zeitweise tatsächlich nur noch dreizügig gewesen und die erfolgte Planung daher nicht ganz unberechtigt. Doch inzwischen sei das Gymnasium teilweise schon fünfzügig. So hoffe er, dass schnell ein zusätzlicher Erweiterungsbau kommt. Bis dahin sei Kreativität gefragt. Nachmittagsunterricht könne eine Möglichkeit sein oder die parallele Nutzung des jetzigen Standorts.

Das dürfe aber keine Dauer-Interims-Lösung sein, fordert Alex Theile (Die Linke). Die Stadt müsse auf den nächsten Anbau drängen. OB Dantz orientiert dabei auf eine partnerschaftliche Lösung, die mit dem Kreis gefunden werden soll.

Man werde unterschiedliche Varianten abwägen, heißt es aus dem Landratsamt. „Dabei wird auch die mögliche nochmalige Erweiterung eine Rolle spielen“, teilt Pressesprecherin Cynthia Thor mit. „Am Ende wird die sinnvollste Variante unter Beachtung der Wirtschaftlichkeit zum Tragen kommen.“

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