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Notfall-Ärzte warten auf Patienten

Die neue Bereitschafts-Praxis im Erdgeschoss der Kamenzer Malteserklinik gibt es seit vorigem Jahr. Aber die Kranken finden noch nicht hin.

Dr. Gundula Hofmann (l.) und Schwester Katrin Zeller gehören zu den medizinischen Teams in der neuen K:amenzer Bereitschaftspraxis für Notfälle.
Dr. Gundula Hofmann (l.) und Schwester Katrin Zeller gehören zu den medizinischen Teams in der neuen K:amenzer Bereitschaftspraxis für Notfälle. © René Plaul

Kamenz. Es muss nicht immer Corona sein: Wenn am Wochenende die Bauchschmerzen unerträglich werden, bei hohem Fieber, Brechdurchfall oder Ohrenschmerzen – dann hilft der Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS). Doch dabei hat sich einiges geändert.

Das Angebot habe sich im vergangenen Jahr verbessert, ist sich Katharina Bachmann-Bux sicher, die Sprecherin der KVS. Nur sei das offenbar noch nicht so bei den Patienten angekommen. Es geht um die ärztliche Bereitschaft außerhalb der Praxisöffnungszeiten: Für Fälle, die nicht lebensbedrohlich sind, aber doch so schlimm, dass ein Patient nicht bis zum nächsten Tag warten kann, um den Hausarzt zu konsultieren.

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Notaufnahmen sollen entlastet werden

Der Notdienst wurde früher ausschließlich durch Hausbesuche sichergestellt - nach einem entsprechenden Anruf bei der Notrufnummer 116117. Den gibt es noch immer, vor allem für Kranke, die nicht so mobil sind. Zwei Ärzte sind im Fahrdienst unterwegs, wobei der Bereich aber größer geworden ist. Dafür gibt es die neuen Bereitschaftspraxen in Teilen von Sachsen, so auch im Erdgeschoss des Kamenzer Malteser Krankenhauses.

Im Landkreis Bautzen sind es insgesamt vier – außer in Kamenz, in Bischofswerda, Hoyerswerda und Bautzen. Hintergrund ist in erster Linie, die Notaufnahmen der Krankenhäuser von Patienten zu entlasten, die ambulant behandelt werden können. Aber auch den Fahrdienst der Arztbereitschaft, sagt Dr. Gundula Hofmann, Allgemeinmedizinerin und ärztliche Leiterin der neuen Kamenzer Bereitschaftspraxis.

Genau die laufe noch nicht so richtig, schätzt die KVS ein. Im dritten Quartal 2020 wurden rund 360 Patienten in der Bereitschaftspraxis versorgt. „Die Kapazität ist deutlich höher“, so Bachmann-Bux. In vergleichbaren Praxen waren es erfahrungsgemäß bis zu 1.000 Patienten.

Noch vor einem Jahr ging die KVS davon aus, durch die Bereitschaftspraxis mehr Patienten zu erreichen. Das hat sich nicht bestätigt. Ärztliche Leiterin und Kassenärztliche Vereinigung sind bei der Ursachenforschung. Denn gerade auch für die diensthabenden Ärzte sei die Situation unbefriedigend.

Weg zur Bereitschaftspraxis besser ausschildern

Eingebunden sind allein 126 niedergelassene Ärzte. Dazu das medizinische Fachpersonal wie Krankenschwester Katrin Zeller. Sie bereitete am vorigen Mittwochnachmittag die Praxis vor: fuhr den Computer hoch, legte Rezepte in den Drucker, machte Blutdruckmessgerät und EKG einsatzbereit. Aber auch an dem Tag blieb es erstmal still. Sie sei zuvor in Hoyerswerda in der Bereitschaftspraxis gewesen. Bis zu 60 Patienten hätten da manchmal ohne Pause angeklopft.

Die Praxis spreche sich einfach nicht herum, schätzt Katharina Bachmann-Bux ein. Der Bekanntheitsgrad steige zu langsam: „Es bedarf mehr Informationen für die Bürger“, vermutet die Sprecherin. Gemeinsam mit der ärztlichen Leiterin will sie die Trommel rühren. Vielleicht seien die Hinweise auf die ärztliche Bereitschaftspraxis im Krankenhausareal noch zu unauffällig, spekuliert Katrin Zeller. Darüber könne man reden, bietet die Klinik an. Vielleicht müsste die Bereitschaftspraxis ja auch in der Wegweisung im Stadtgebiet stärker berücksichtigt werden?

Ärztin und KVS führen die Zurückhaltung zumindest teilweise auf die Corona-Pandemie zurück. Dagegen hätten die Einsätze für den Fahrdienst eher noch zugenommen, so Dr. Hofmann. Das gehe in die falsche Richtung. Die Pandemie sollte aber für kranke Menschen kein Grund sein, die Praxis zu meiden, Krankheiten zu verschleppen. Es werde konsequent auf die Hygienestandards geachtet. Ein bisschen kompliziert sei derzeit der Zugang über den Klinik-Haupteingang zur Bereitschaftspraxis, durch die Corona-Einschränkungen noch zusätzlich. Auch das sollte niemanden aufhalten.

Umbau in der Klinik ist geplant

Diese Situation dürfte sich in absehbarer Zeit sowieso verbessern, wenn die neue Notaufnahme gebaut wird. Dann soll es einen gemeinsamen neuen Eingang auf der Vorderseite des Krankenhauses geben und einen gemeinsamen Tresen. An dem wird dann sofort geklärt, welcher Patient ein Fall fürs Krankenhaus und wer in den Händen des Bereitschaftsarztes gut aufgehoben ist.

Die Zusammenarbeiten zwischen kassenärztlicher Bereitschaft und Notfallambulanz mache sich aber bereits jetzt positiv bemerkbar. Immerhin ein Erfolg. Rein planerisch sei die Klinik auch so weit, dass der Umbau sofort losgehen könnte. Der Fördermittelbescheid verzögere sich aber.

Manche Patienten wollen wohl auch wie gewohnt über die Hotline 116117 zum Notdienst kommen. „Sie legen den Hörer irgendwann auf, nach quälender Wartezeit“, vermutet Dr. Hofmann. Ein Termin sei aber nicht nötig – einfach herkommen und die Hotline nur für den Hausbesuch wählen. Drei modern eingerichtete Räume mit dem ärztlichen Equipment für die Notversorgung stünden zur Verfügung. Rezepte und Krankschreibungen – alles sei möglich. Naja, vielleicht nicht ganz. Es gebe keine Corona-Tests, stellt Gundula Hofmann klar und keine allgemeinen Gesundheitschecks.

So ist die Bereitschaftspraxis geöffnet: Mittwoch und Freitag 15 bis 19 Uhr; am Wochenende, an Feier- und Brückentagen 9 bis 13 Uhr und 15 bis 19 Uhr.

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