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Kamenz: Bald Party und Kino im Stall

Die Stadt hat das alte Gebäude im Ortsteil Wiesa gekauft - und große Pläne damit.

Noch ist der alte Stall in Kamenz-Wiesa grau. Doch Ortsvorsteher Rolf Ziesche (l.), Gerlinde Hönert (2.v.l.) und Ramona Otto (r.) vom Heimatverein, Projektleiterin Mandy Remus und Bauamtsleiter Frank Kunze treiben den Umbau zum Dorfgemeinschaftshaus vora
Noch ist der alte Stall in Kamenz-Wiesa grau. Doch Ortsvorsteher Rolf Ziesche (l.), Gerlinde Hönert (2.v.l.) und Ramona Otto (r.) vom Heimatverein, Projektleiterin Mandy Remus und Bauamtsleiter Frank Kunze treiben den Umbau zum Dorfgemeinschaftshaus vora © Matthias Schumann

Kamenz. Das riesige Loch im Dach des künftigen Dorfgemeinschaftshauses ist zumindest erst einmal mit Folie abgedeckt. Die Ziegel kommen noch. Diese Investition ist jetzt dringend nötig, um den ehemaligen Stall im Kamenzer Ortsteil Wiesa nach dem Kauf durch die Stadt für die weiteren Pläne zu sichern. 25.000 Euro hat die Stadt insgesamt dafür eingeplant.

Der Umbau und die Sanierung des Stalls werden aber deutlich teurer. Mit einem siebenstelligen Betrag rechnet der Heimatverein als künftiger Betreiber.

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Derzeit feilen Verein, Ortschaftsrat und Stadt an der Planung und den Inhalten. Die nehmen langsam Gestalt an. Dazu gehört auch die Strategie der Stadt, um Fördergeld für das Vorhaben zu beschaffen. Ein konkurrenzfähiges Konzept und Ideen, die andere vielleicht nicht haben, sind Voraussetzung, um die Geldgeber zu überzeugen. Zwar wird ein sanierungsbedürftiges Gebäude aufgemöbelt, was den Standort insgesamt attraktiver macht. Das allein wird aber nicht reichen.

Geplant: Ein lebendiges kulturelles Zentrum

„Es geht um Zukunftsperspektiven für Dorfgemeinschaften“, sagt der Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos). Darum, die Abwanderung aus den ländlichen Regionen zu bremsen. Denn wenn neue Jobs entstehen wie im Kamenzer Norden, dann müsse ja auch ein Potenzial an Arbeitskräften in der Region gehalten werden.

Die Stadt sieht daher dieses Dorfgemeinschaftshaus als Modell für die Region. Es soll ein lebendiges kulturelles Zentrum werden. So wird auch deutlich, dass das Haus über den Ortsteil und die Stadt hinaus in die Umgebung ausstrahlen soll.

Erdgeschoss: Viel Platz für Veranstaltungen

Projektleiterin Mandy Remus von der Stadtverwaltung stellte jetzt das Raumkonzept vor. So soll ein Vereinsraum für bis zu 80 Personen entstehen und Platz bieten für Kleinkunst, Vereinsaktivitäten, Jugendweihen, den Mutter-Kind- und den Seniorentreff. Eine Küche zum gemeinschaftlichen Kochen und Backen steht auch im Konzept. Eine kommerzielle Gastwirtschaft sei aber nicht geplant.

Herzstück des Ganzen wird der große Veranstaltungsraum für bis zu 250 Gäste. Dort soll es Kirmes mit Blasmusik, Konzerte, Partys oder Sommerkino geben. Die Ideen beim Heimatverein kennen kaum Grenzen. Außerdem ist noch Platz für Schulungs- und Beratungsräume. Die will zum Beispiel das DRK für die Weiterbildung nutzen. Im Erdgeschoss soll die sorbische Sprache gepflegt und an die Jugend weitergegeben werden.

Obergeschoss: Raum für Museum und Jugendtreff

Ins Obergeschoss zieht das Heimatmuseum. Das soll sich auch mit dem für die Region prägenden Granitabbau beschäftigen. Im sanierten Stallgebäude werden über 100 Jahre alte Schulbänke zu sehen sein, wertvolle Chroniken und zum Beispiel auch ein Zeugnisbuch aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. Das Schuljahr ging damals von Ostern bis Ostern.

Im Obergeschoss wird auch der Frauenchor proben und ein Jugendtreff einziehen. Eine Kreativwerkstatt für Kinder und Jugendliche ist ebenfalls geplant.

Rettung: Neue Heimat für den Kostümfundus

Außerdem bekommt in dem Objekt ein bemerkenswerter Kostümfundus seine neue Heimat. Die hatte er bisher bei der Arbeitslosenselbsthilfe Kamenz (ASH). Doch die hat sich aufgelöst - was damit beinahe auch dem Fundus passiert wäre. Durch einen Zufall sei man im Vorjahr darüber ins Gespräch gekommen, sagt Heimatvereinsvorsitzende Ramona Otto. Beide Seiten seien sehr froh, dass es mit der Übernahme geklappt hat.

Der Fundus umfasst immerhin etwa 1.400 Kleidungsstücke: historische, auch sorbische Kleidung, Faschingskostüme und sogar Brautkleider. Die Ausleihe startete jetzt wieder, erst einmal im alten Hort. Leider fehle es derzeit wegen Corona an den Anlässen, um solche Kostüme zu tragen. Im neuen Dorfgemeinschaftshaus soll es dann Umkleiden und auch einen Waschraum für die Kleidung geben.

Draußen am ehemaligen Stall soll sich auch einiges tun - mit Spielplatz und Skaterbahn. Den Erntedank wollen die Wiesaer dann dort feiern, und am Grillplatz wird es nach Bratwurst duften. Die Besucher sollen auf Bauern- und Trödelmärkten stöbern können.

Finanzierung: Hoffen auf den Kohlefonds

Bis zum September muss das Konzept so ausgereift sein, dass der Planentwurf aussichtsreich ist, um ihn bei der Förderstelle einreichen zu können. Die Mittel sollen aus dem Fonds für den Kohleausstieg in der Lausitz kommen.

Mit diesen Milliarden unterstützt der Bund den Wandel in den betroffenen Regionen und verspricht eine bis zu 90-prozentige Förderung. Für den Fall, dass Fördermittel aus dem Topf nicht zur Verfügung stehen sollten, werde die Finanzierung des Dorfgemeinschaftshauses in Wiesa schwierig, heißt es. Aber jetzt müssen erst einmal die restlichen Ziegel aufs Stall-Dach.

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