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Sport

Corona-Wutrede zeigt Wirkung in Leipzig

Kultur mit Publikum darf wieder stattfinden, der Sport aber nicht – hatte Leipzigs Handball-Chef öffentlich beklagt. Seitdem geht alles ganz schnell.

Die Arena in Leipzig ist noch leer, doch beim Heimspiel der DHfK-Handballer am 27. Mai gegen Kiel sollen erstmals wieder Zuschauer dabei sein dürfen.
Die Arena in Leipzig ist noch leer, doch beim Heimspiel der DHfK-Handballer am 27. Mai gegen Kiel sollen erstmals wieder Zuschauer dabei sein dürfen. © Klaus Trotter

Leipzig. Das Telefon von Karsten Günther, dem Manager von Handball-Bundesligist SC DHfK Leipzig, klingelt nun öfter noch als ohnehin schon – was ihn ehrlicherweise nach seiner Corona-Wutrede vom Dienstagnachmittag nicht überrascht. Das war sein Ziel. Sachlich-fundiert und zunehmend emotional hatte er die missliche Lage seines Vereins inmitten der Corona-Pandemie beschrieben, was im Internet inzwischen tausendfach geklickt und geteilt wurde und in Günthers Aussage gipfelte: „Unsere Spieler können am Donnerstag in der Arena vor 1.000 Zuschauern Volkslieder singen, aber Handball dürfen sie nicht spielen.“

Tatsächlich stellt das exakt die Sachlage dar, die in der aktuell gültigen sächsischen Corona-Schutzverordnung festgeschrieben ist. Laut Paragraf 18 ist bei entsprechender Inzidenz die Öffnung von diversen Kulturstätten samt Publikum erlaubt, während Paragraf 19 den Sportbetrieb weiterhin verbietet – mit Ausnahmen für Profis, Schule und Kinder. Von Zuschauern kein Wort, dabei gebe es laut Günther sowohl Konzepte, ausreichend geringe Inzidenzen als auch allgemeine politische Zustimmung.

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Die Gründe sind für ihn offensichtlich, es handelt sich um einen Systemfehler: „Sinnvolle Lösungen scheinen in diesem Land nicht mehr möglich, weil sich jeder hinter Paragrafen versteckt und immer auf die nächste Instanz verweist.“

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Der Aufschrei zeigt Wirkung, wie Günther bestätigt. „Auch Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung haben sich gemeldet und ihre Bereitschaft für einen konstruktiven und lösungsorientierten Austausch signalisiert“, sagt er. Das Heimspiel am Donnerstagabend gegen Erlangen, das Leipzig mit 30:25 gewann, fand wieder ohne Zuschauer statt, nächsten Donnerstag aber gegen Tabellenführer Kiel sollen Zuschauer dabei sein dürfen – entweder über ein Modellprojekt, dem jetzt noch das Justizministerium zustimmen muss, oder durch eine Gleichstellung von Sport- und Kulturstätten im Paragraf 18 der Corona-Schutzverordnung.

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