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Warum sich die Neugersdorfer an Kahlschläge gewöhnen müssen

Finanzielle Verluste, kaputte Wege, kahle Flächen: Ungeziefer und Stürme haben dem Wald zugesetzt. Die Stadt hat nun ein Konzept dagegen.

Jede Menge abgeholzte Bäume, die aus dem Wald geschafft werden müssen - wie auf diesem Symbolfoto sieht es auch im Neugersdorfer Stadtwald derzeit aus.
Jede Menge abgeholzte Bäume, die aus dem Wald geschafft werden müssen - wie auf diesem Symbolfoto sieht es auch im Neugersdorfer Stadtwald derzeit aus. © dpa-Zentralbild

Die Neugersdorfer beschweren sich am meisten. Und zwar über die kaputten Waldwege und den Zustand des Waldes. Diese Erkenntnis hat Förster Patrick Schiffmann in den vergangenen Jahren gewonnen, seit er für das Revier zwischen Hainewalde und Ebersbach zuständig ist, zu dem auch die Waldflächen von Ebersbach-Neugersdorf gehören. Auch der Neugersdorfer Stadtwald gehört dazu. An den Grenzen Seifhennersdorf und Leutersdorf ebenso. "Von da kommen aber nicht so viele Klagen." Der Stadtwald ist beliebtes Ausflugsziel der Einwohner für Sport und Freizeitaktivitäten. Nur sind die derzeit oft beschwerlich, weil die Waldwege an vielen Stellen einer Kraterlandschaft gleichen und kaum begehbar sind. "Die Wege sind noch nicht gemacht, weil es im Frühjahr nass und kalt war", erklärt Förster Patrick Schiffmann. "Das hätte keinen Sinn ergeben bei dem Schlamm." Denn immer noch muss geschlagenes Holz aus dem Wald geschafft werden. Das geschieht mit großen Maschinen, die wieder alles zunichtemachen würden, wenn der Boden feucht ist.

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"Drei Jahre Dürre und dazu der Borkenkäferbefall, da sind wir mit der Waldpflege gar nicht hinterhergekommen", fasst Förster Schiffmann die Lage zusammen. Wegen des Borkenkäferbefalls musste viel mehr Holz geschlagen werden als geplant. Sturmschäden kamen auch noch hinzu. Und das alles wegzuräumen, dauert. Und der eklatante Zustand des Waldes bringt der Stadt hohe Verluste. Sie beziffert den Ertragsverlust durch Borkenkäferbefall und Stürme auf 280.000 Euro.

Arbeitskräfte fehlen

Es sei auch immer noch nicht abzusehen, wie die Entwicklung weitergeht, sagt Patrick Schiffmann. "Wir haben immer noch mit dem Borkenkäfer zu tun. Und dann ist die Aufforstung dran. Das wird in den nächsten fünf Jahren nicht zu schaffen sein", zeichnet der Förster ein düsteres Bild für die Zukunft des Waldes. Zumindest in der Form, wie die Einwohner ihn kennen. "Gewöhnen Sie sich schon mal an den Kahlschlag und daran, dass nicht sofort wieder aufgeforstet werden kann", sagt Förster Schiffmann. Denn die großen Flächen, die jetzt abgeholzt wurden, können so schnell nicht wieder bepflanzt werden. Das hängt zum einen damit zusammen, dass in den Firmen die Arbeitskräfte zum Anpflanzen fehlen. Zum anderen sei auch das Pflanzgut mittlerweile Mangelware, erklärt Schiffmann.

Aufgrund der Lage wolle und müsse man sich nun umorientieren, was die Ausrichtung des Waldes betrifft. Bisher wurde der Wald eher wirtschaftlich genutzt, also Bäume angepflanzt, Holz geschlagen und zu Geld gemacht. Anschließend wurde wieder aufgeforstet. Das neue Ziel: der Wald soll mehr der Erholung dienen. Das sieht das Konzept der Stadt nun vor. Schiffmann setzt außerdem auf die sogenannte Naturverjüngung. Das heißt: Man überlässt im Prinzip den Wald sich selbst. "Es wächst von allein nach, dauert aber eben länger", erläutert der Förster. Auch das, was dann wächst, sei für viele erst einmal ungewohnt und sehe aus wie Wildwuchs. Einen Eindruck davon bekommt man bereits am Eingang des Stadtwaldes beim Dreiecker-Parkplatz in Neugersdorf. Auf einer Fläche, die dort abgeholzt wurde, sprießen nun junger Ahorn, wilde Blumen und andere Sträucher.

Mehr Erholung, weniger Wirtschaft

Der Wald, wie viele ihn kennen, mit ordentlichen Fichtenreihen, durch die man weit hindurchschauen kann, werde es so nicht mehr geben, prognostiziert der Forstmann. Baumartenvielfalt sei aber auch nötig, so Schiffmann. Eben damit der Borkenkäfer, dem hauptsächlich die Fichte schmeckt, nicht mehr so viel Angriffsfläche hat.

Dennoch: Damit es sich für die Stadt rechnet, müssen auch weiterhin Baumbestände angepflanzt werden, die dann Erträge im Holzverkauf bringen sollen. Das soll hauptsächlich im Raumbusch in Ebersbach geschehen, den Neugersdorfer Stadtwald sieht die Stadt eher für Erholungszwecke und Freizeitgestaltung. Insbesondere die Corona-Zeit habe gezeigt, wie wichtig solche Erholungsgebiete vor der Haustür für die Menschen geworden sind, heißt es dazu von der Stadtverwaltung.

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