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Das ist auf dem Lautexgelände entstanden

Vor zehn Jahren gründete sich ein Verein mit dem Ziel, das Areal zu beleben. Dabei geht's um Natur und Umweltschutz. Was bisher erreicht wurde und noch geplant ist.

Claudia Pohl, Marina Griesbach und Gabriele Opitz-Gehrisch (von rechts) haben mitgeholfen, einen Waldgarten auf dem ehemaligen Lautexgelände in Neugersdorf anzulegen.
Claudia Pohl, Marina Griesbach und Gabriele Opitz-Gehrisch (von rechts) haben mitgeholfen, einen Waldgarten auf dem ehemaligen Lautexgelände in Neugersdorf anzulegen. © Matthias Weber/photoweber.de

Früher summten hier Webstühle - jetzt summen Bienen. Mit einer damals ziemlich ungewöhnlichen Idee startete der Neugersdorfer Verein "Lebens(t)räume" vor zehn Jahren in der Oberlandstadt. Auf dem Abrissgelände ehemaliger Fabriken sollten Stauden und Sträucher dafür sorgen, dass sich Bienen ansiedeln und etwas für Natur und Umwelt tun. Franziska Schubert, Neugersdorferin und heute Grünen-Abgeordnete im Sächsischen Landtag, gründete damals den Verein. Inzwischen haben die Mitstreiter noch viel mehr erreicht auf dem Gelände der früheren Lautexfabrik im Areal Ernst-Thälmann-Straße/Rudolf-Breitscheid-Straße.

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Der 2011 gegründete Verein hat das Gelände mit mehreren ehemaligen Fabrikteilen seitdem wieder belebt - und gibt vor allem der Natur viel Raum. Auf der Fläche der alten Spiegelfabrik, die zuvor abgerissen worden war, ist als Erstes die Bienenweide entstanden. Auf 4.000 Quadratmetern nahe der tschechischen Grenze ging's damals los, erinnern sich die Vereinsmitglieder. Saatgut wurde ausgebracht und Sträucher gepflanzt. Das gefällt offenbar den Bienen: Bei der letzten Artenerfassung zählte der Verein 70 Bienenarten, die hier leben. 69 davon sind Wildbienen, hinzu kommen die vereinseigenen Honigbienen.

Franziska Schubert, Landtagsabgeordnete für die Grünen, ist Neugersdorferin und Vorsitzende des Vereins Lebens(t)räume.
Franziska Schubert, Landtagsabgeordnete für die Grünen, ist Neugersdorferin und Vorsitzende des Vereins Lebens(t)räume. © SAE Sächsische Zeitung

Früchte für Mensch und Tier

Mit der Zeit kamen weitere Flächen hinzu, um die sich der Verein kümmert. So pflegt er die Obstbäume auf den Abrissflächen der "Herrenmode" und von ehemals "Reifen-Kumpf". Obstbaumschnittkurse und Sensen-Workshops, in denen interessierte Teilnehmer diese traditionelle Art der Grasmahd lernen, werden angeboten. Gemäht wird zudem auch oft mit dem Balkenmäher, denn ein kurzer, englischer Rasen gefällt Insekten und Tieren nicht.

Außerdem hat Lebens(t)räume einen Waldgarten mit essbaren Früchten angelegt. Der ist noch ganz neu, aber in einigen Jahren werden die Neugersdorfer hier ernten können. Außerdem bietet der Waldgarten Lebensraum für Tiere und Insekten. Eine besondere Aktion: Zu Geburtstagen oder anderen Anlässen können Bürger auf der Fläche ihren eigenen Baum pflanzen. Claudia Pohl aus Ebersbach hat diese Idee zusammen mit dem Verein umgesetzt und es gibt auch ein grünes Klassenzimmer, das von Schülergruppen genutzt werden kann, berichtet der Vereinsvorstand. Der besteht aus Gründerin und Vereinsvorsitzender Franziska Schubert sowie Stellvertreterin Angelika Dornich und Maik Kirchner.

Seltene Tiere kommen zurück

Die Artenvielfalt hat über die Jahre zugenommen: Mit mehr Insekten kommen mehr Vögel und sogar Eidechsen, haben die Vereinsmitglieder beobachtet. Der seltene Schwalbenschwanz - eine Schmetterlingsart - sei wieder zu beobachten. Und der Gemeine Bienenkäfer ist wieder aufgetaucht. Früher kam er recht häufig vor, mittlerweile ist er aber selten geworden.

Von Anfang an sei es dem Verein ein großes Anliegen, Wissen zum Thema Umwelt zu vermitteln. Dazu gibt es verschiedene Aktivitäten. Als Nächstes ist eine Bienenerlebniswelt geplant, in der man in Zukunft Einblick in die Welt der Bienen nehmen kann. Neu sind jetzt Informationstafeln, die Aufschluss geben über die verschiedenen Bienenarten, die hier leben.

„Wir sind sehr stolz, dass es uns in den zehn Jahren gelungen ist, hier in Neugersdorf aktiven Artenschutz zu gestalten. Am Anfang mussten wir immer wieder erklären, warum wir die Flächen anders pflegen – Ästhetik ist eben nicht alles. Die Artenvielfalt ist sehr wertvoll, da wollen wir dran bleiben und suchen weitere Mitstreiter jeden Alters", so der Vereinsvorstand.

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