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"Notschlachtung" im Löbauer Wald

Der Borkenkäfer dezimiert die Wälder der Oberlausitz. Ein Förster sorgt sich um die Wiederaufforstung.

Förster Tilo Freier macht sich Sorgen um die Wiederaufforstung der vom Borkenkäfer dezimierten Oberlausitzer Wälder.
Förster Tilo Freier macht sich Sorgen um die Wiederaufforstung der vom Borkenkäfer dezimierten Oberlausitzer Wälder. © Rafael Sampedro (Archiv)

Waldsterben! Dieser Angstbegriff wurde in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts das Umweltthema schlechthin - und er veränderte die Republik. Heute sind wir einen Schritt weiter. Heute wird notgeschlachtet. "Notschlachtung", so nennt der Löbauer Förster Tilo Freier, was derzeit am Waldbestand der südlichen Oberlausitz vorgenommen wird. Und er macht sich Sorgen, ob eine Wiederaufforstung möglich sein wird.

"So schön wie der Wald hier vorher war, wird er nicht mehr werden", sagt Tilo Freier. Vom Forsthaus am Fuße des Löbauer Berges aus betreut der Förster rund 2.000 Hektar Wald von 200 Privatwaldbesitzern. Denn die Trockenheit der vergangenen Jahre habe zu einer wahren Pandemie im Wald geführt - durch den Borkenkäfer. Die in den Forsten der Region überwiegenden Fichtenbestände wurden durch die Wassernot so geschwächt, dass sie dem Schädling flächendeckend nichts mehr entgegenzusetzen haben - und ein Ende der Borkenkäferplage ist auch in diesem Jahr nicht in Sicht. "Vielleicht gehen zehn Prozent von denen im Winter ein - aber es bleiben Milliarden", sagt Freier. Und die Folge dessen im Vorjahr: "Der Borkenkäfer hat schneller gefressen, als wir befallene Bäume aus dem Wald holen konnten. Der Wald wird notgeschlachtet."

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Das Problem bei der Wiederaufforstung

Um der Borkenkäferplage zu begegnen, sind Waldbesitzer verpflichtet, befallene Bäume so schnell wie möglich zu fällen und aus dem Wald zu schaffen. Doch nachdem auch Stürme für erhebliche Schäden in den Wäldern der südlichen Oberlausitz gesorgt hatten, sind dadurch in den letzten Jahren viel größere Rodungsflächen entstanden als üblich. Und es gibt kaum Möglichkeiten, diese Flächen wieder zeitnah aufzuforsten. Es fehlen schlichtweg die Kapazitäten - und das Geld.

Wie der Gartenfreund so würden auch Forstbetriebe und Waldbesitzer den "Nachwuchs" von Baumschulen beziehen - nur eben von speziellen für den Forstbedarf, erklärt Freier. "Aber die Nachfrage nach Setzlingen ist um das sieben- oder achtfache gewachsen", sagt er. Ein Bedarf, den diese Baumschulen überhaupt nicht decken könnten. Wegen der hohen Nachfrage seien aber auch die Preise enorm gestiegen. "Wenn so ein Setzling vor ein paar Jahren noch 50 Cent gekostet hat, dann ist das jetzt ein Euro", sagt Förster Freier - und wenn man mehrere Hektar Rodungsfläche wieder aufforsten will, kommt da schon was zusammen. "Außerdem fehlt auch noch das Personal, um solche Flächen überhaupt wieder aufzuforsten", sagt Freier.

Holzpreis im Keller

Zudem würden viele private Waldbesitzer die nötige Investition in die Wiederaufforstung scheuen - weil zusätzlich auch noch die Holzpreise im Keller sind. Wegen der intensiven Borkenkäfer-Rodungen wird der Markt mit Holz überschwemmt. "Wenn man früher im Schnitt 70 bis 80 Euro pro Kubikmeter Holz erlösen konnte, sind es jetzt noch 25", sagt Tilo Freier. Zieht man von diesem Verkaufspreis noch die Erntekosten von 20 bis 25 Euro pro Kubikmeter ab, wird die Holzernte zum Nullsummenspiel.

Und längst nicht mit allem Holz kann man diesen Preis überhaupt noch auf dem Markt erzielen. "Holz, das zu Brettern oder Balken verarbeitet wird, bringt den größten Ertrag", sagt Tilo Freier. Wenn der Borkenkäfer aber erst lange genug in einem Baum gewütet hat, taugt das Holz nur noch zur Produktion von Zellstoff, also Papier, für Spanholzplatten oder zu Pellets zur Verfeuerung - und wird dementsprechend schlechter bezahlt.

Ami-Häuser aus Oberlausitz-Holz

Tilo Freier ist aber froh, dass das Holz aus den Oberlausitzer Wäldern überhaupt noch Abnehmer findet. "Wir haben den Fluch des Borkenkäfers, aber den Segen des Welthandels", sagt er. Denn der weitaus größte Teil des Holzeinschlags im Südkreis werde mittlerweile in alle Welt verschifft. China, Indien und Japan seien große Abnehmer, aber auch in den USA würden etwa 20 Prozent des heimischen Holzexports landen. "Die Amis bauen sich ja für wenig Geld Holzhäuser. Im schlimmsten Fall fliegt's halt beim nächsten Hurrican wieder weg", sagt er.

Dennoch würde sich der Förster wünschen, dass mehr vom heimischen Holz in der Region bleibt. "Im Moment sind das vielleicht fünf Prozent", sagt er. Dabei seien die Kommunen Löbau und Zittau die größten Waldbesitzer der Region - selber bauen würden sie mit ihrem Holz aber nicht. "Es wäre ja schön, wenn die Städte zum Beispiel mal einen Kindergarten aus heimischem Holz bauen", sagt Freier. In den skandinavischen Ländern etwa sei es viel verbreiteter, mit Holz zu bauen. Immerhin, in dieser Beziehung gibt es einen Lichtblick: "Der Landtag hat jetzt beschlossen, ein Holzbau-Kompetenzzentrum zu gründen", sagt Tilo Freier - eine Kompetenz, die in der Oberlausitz ja durchaus Tradition hat.

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