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Handwerkermuseum im Coronaschlaf

Die Schleinitzer planen nicht mit einer Öffnung in diesem Jahr. Sie konzentrieren sich auf ein einziges Ereignis.

Hartmut Oefner vom Förderverein Schloss Schleinitz hofft auf den Ernte- , Dresch- und Handwerkertag Anfang September.
Hartmut Oefner vom Förderverein Schloss Schleinitz hofft auf den Ernte- , Dresch- und Handwerkertag Anfang September. © hübschmann

Nossen. In der Stimme von Hartmut Oefner liegt jede Menge Resignation. "Was sollen wir denn machen, die Situation können wir nicht ändern", sagt der Lommatzscher. Er gehört dem Förderverein Schloss Schleinitz an. Deren Mitglieder, vor allem Handwerker, halten im Museum die Tradition historischen Handwerks hoch. Ab Ostern bis September ist das Museum jeden Sonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Am Ostersonntag sollte es wieder losgehen. Doch daraus wird wegen Corona nichts.

Museen sollen - Stand heute - zwar wieder unter bestimmten Bedingungen öffnen können. Eine davon ist, dass die Sieben-Tage-Inzidenz in Sachsen bei unter 100 liegt. Daran ist im Moment nicht zu denken. Eine weitere ist, dass jeder Besucher einen aktuellen negativen Coronatest vorlegen oder vor Ort getestet werden muss. "Das können wir als Verein schon aus finanziellen Gründen gar nicht leisten", sagt Hartmut Oefner.

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Auch die Besucherzahl müsste begrenzt, Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Das hat schon im Vorjahr nicht funktioniert. "Als wir im vergangenen Jahr wieder öffnen durften, kamen weit weniger Besucher als sonst. Viele hatten einfach keine Lust, mit Maske im Museum rumzulaufen", sagt der Lommatzscher.

Sie gehören zu den wenigen jungen Mitgliedern: Schuhmacher Andreas Schurig und sein Sohn im Museum Schloss Schleinitz.
Sie gehören zu den wenigen jungen Mitgliedern: Schuhmacher Andreas Schurig und sein Sohn im Museum Schloss Schleinitz. © Jürgen Müller
Die Traktorenparade war ein Höhepunkt beim Handwerker- und Dreschfest in Schleinitz im vergangenen Jahr.
Die Traktorenparade war ein Höhepunkt beim Handwerker- und Dreschfest in Schleinitz im vergangenen Jahr. © Jürgen Müller
Timo Löw ist der neue Tischler im Museum Schloss Schleinitz. Er ersetzt Günther Kämpfer, der nach Leipzig zog.
Timo Löw ist der neue Tischler im Museum Schloss Schleinitz. Er ersetzt Günther Kämpfer, der nach Leipzig zog. © Jürgen Müller
Beim Handwerker- und Dreschtag werden alte landwirtschaftliche Techniken demonstriert.
Beim Handwerker- und Dreschtag werden alte landwirtschaftliche Techniken demonstriert. © Gerhard Schlechte/Archiv

Treffen fallen aus

Von heute auf morgen könnte das Museum sowieso nicht öffnen. Es sind einige Vorbereitungsarbeiten notwendig. Diese erledigen die Vereinsmitglieder jeden Mittwoch, wenn sie sich im Museum treffen. Diese Zusammenkünfte gibt es seit Monaten nicht mehr. Im Winter sowieso nicht, jetzt wegen Corona. "Die meisten von uns sind deutlich über 70 und kaum einer geimpft. Wir wollen jedes Risiko vermeiden", sagt der 77-Jährige, der ebenso wie seine Frau noch keine Impfung erhalten hat. Er hofft jetzt, dass wie versprochen seine Hausärztin impfen darf und er dort zügig einen Termin bekommt.

Wegzüge und Todesfälle

Doch auch andere Probleme belasten den Verein. Zwar ist wegen Corona niemand ausgetreten, doch die Überalterung hinterlässt ihre Spuren. Es gab Todesfälle, aber auch Wegzüge. Die Alten ziehen in die Nähe ihrer Kinder, vor allem aber in die Nähe von Fachärzten. Der 78-jährige Günther Kämpfer beispielsweise wohnt jetzt in Leipzig. Der Roßweiner Tischlermeister betreute fast 20 Jahre lang die Holzwerkstatt im Museumshof.

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