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Dom-Museum leuchtet aus sich selbst

Nach 20 Jahren war ein kräftiger Budenschwung nötig. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Die Macher des neuen Museums: Andreas Stempel, Daniel Sommer, Matthias Donath, Knut Hauswald und Andreas Beuchel neben dem Modell der Westtürme des Meißner Doms von 1902.
Die Macher des neuen Museums: Andreas Stempel, Daniel Sommer, Matthias Donath, Knut Hauswald und Andreas Beuchel neben dem Modell der Westtürme des Meißner Doms von 1902. © Dom zu Meißen

Meißen. Ein Jegliches hat seine Zeit. Das Dommuseum wurden 1999 in den spätgotischen Räumen, die sich um den Hohen Chor herumlegen, eröffnet. Das Konzept, die Kirchengeschichte Sachsens zu erzählen, stammte vom langjährigen Dechanten Karlheinz Blaschke, der Ende vergangenen Jahres verstarb. Nach über 20 Jahren war es notwendig, die Ausstellung zu modernisieren und zu erneuern.

Der neue Ansatz war von dem Gedanken geleitet, mehr auf die Geschichte des Doms einzugehen und historische Vorgänge durch neue Medien anschaulich nahezubringen. Der erste Teil konnte bereits 2018 abgeschlossen werden. Dabei entstand ein Animationsfilm, der ungebräuchliche Begriffe wie „Hochstift“ oder „Domkapitel“ in Comicform erzählt.

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Hören auf dem nächsten Level
Hören auf dem nächsten Level

Bluetooth-Technologie macht es möglich: mit hochmodernen Geräten kann sogar Musik gestreamt und telefoniert werden. Und das im unauffälligen Design.

Das Ergebnis der Neugestaltung sind vier Räume, die in ihrer mehr als 500-jährigen Gestalt atmen können. Die musealen Einbauten nehmen sich stark zurück, sind aber dennoch sichtbar. Denn sie leuchten aus sich selbst heraus. Auch im Halbdunkel sind Schriften gut lesbar.

Zudem wurden neue, ungewöhnliche Medienformate eingesetzt. Die Geschichte des Meißner Doms nach der Reformation wird auf Tablets erzählt, durch die man navigieren kann. Einen sinnlichen Eindruck Meißens im Zeitalter der Romantik geben zwei Stereoskopbetrachter - so der Fachbegriff für "Guckis". Blickt man in diese hinein, sieht man Grafiken, Stiche und Architekturerfindungen aus dem 19. Jahrhundert in einer bestechenden 3D-Optik.

Zwei neue Cranachs

Zu den Stärken des Museums gehören die originalen Räume wie Sakristei und Kapitelstube sowie die hochkarätigen Exponate. Im Museumsbereich des Doms hängen fünf Werke von Lucas Cranach dem Älteren und Lucas Cranach dem Jüngeren. In Dom und Schatzkammer sind weitere fünf Werke ausgestellt. Diese Cranach-Dichte im Meißner Dom ist außerordentlich. In keiner anderen Kirche in Deutschland befinden sich mehr Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren, dem Jüngeren und aus der Cranach-Werkstatt.

Die Gemäldetafeln "Schmerzensmann" und "Schmerzensmutter" aus der Werkstatt von Lucas Cranach dem Älteren (um 1520) sind erstmals öffentlich zugänglich. Sie stammen aus einer Privatsammlung und kamen über die Kirche in Constappel in den Meißner Dom. Hinzugefügt wurden sparsame Kommentierungen und Erläuterungen, etwa über die Gottesdienste im Meißner Dom vor und nach der Reformation.

Noch können keine Besucher das Museum anschauen. Sobald der Dom nach dem Ende der Museumsschließungen wieder zugänglich ist, soll die feierliche Eröffnung nachgeholt werden.

Finanzierung nur als Gemeinschaftswerk möglich

Kurator der neuen Ausstellung war Dr. Matthias Donath vom Zentrum für Kultur/Geschichte Niederjahna. Als ehrenamtlicher Vorsitzender des Dombau-Vereins Meißen koordinierte er zudem das Ausstellungsteam. Er war im Dombauverein federführend an der Einwerbung der Fördermittel beteiligt, ohne die die Neugestaltung nicht möglich gewesen wäre.

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Vor 30 Jahren hat Knut Hauswald sein Architektenbüro in Meißen gegründet. Mit seinem Team hat er das Bild der Stadt geprägt – nicht nur in Meißen.

Finanzielle Zuschüsse kamen von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, der Sparkasse Meißen, der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen, dem Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, dem Kulturraum Meißen-Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und vom Dombau-Verein Meißen. (SZ)

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