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Hochstift Meißen trauert um Domherren

Zu Ehren eines der bedeutendsten sächsischen Historiker erklingt ein besonderes Geläut.

War sehr oft im Landkreis Meißen unterwegs und zu hören: Der sächsische Landeshistoriker Karlheinz Blaschke bei einem Besuch 2004 in Großenhain. Am 25. Dezember ist er verstorben.
War sehr oft im Landkreis Meißen unterwegs und zu hören: Der sächsische Landeshistoriker Karlheinz Blaschke bei einem Besuch 2004 in Großenhain. Am 25. Dezember ist er verstorben. © Archivfoto: Klaus-Dieter Brühl

Meißen. Am Montag läutet ab 13 Uhr entsprechend der Läute-Ordnung des Hochstiftes Meißen die Johannesglocke des Domes in drei Impulsen. Das Geläut gilt dem Domherren Professor i.R. Dr. phil. Karlheinz Blaschke. Er starb am Vormittag des 25. Dezember in Friedewald im Alter von 93 Jahren.

Karlheinz Blaschke wurde laut Hochstift am 4. Oktober 1927 im nordböhmischen Schönlinde geboren. Er wuchs indes in Holzhausen bei Leipzig auf. Von 1946 bis 1950 studierte er Geschichte, Germanistik und Latinistik an der Universität Leipzig. Es schloss sich ein Studienaufenthalt am Institut für Archivwissenschaft in Potsdam an. Von 1951 bis 1968 verrichtete Blaschke als wissenschaftlicher Archivar seinen Dienst am damaligen Landeshauptarchiv in Dresden (heute Sächsisches Hauptstaatsarchiv).

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Ansprache zur Wiedergründung des Freistaates

Trotz wegweisender Veröffentlichungen zur sächsischen Landesgeschichte und der Habilitierung an der Universität Leipzig erhielt er als „bürgerlicher Historiker“ und bekennender Christ keine Lehrberechtigung. So übernahm er 1969 eine nichttheologische Dozentur am Theologischen Seminar Leipzig, das sich damals in Trägerschaft der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens befand. Das Seminar erhielt nach der Friedlichen Revolution den Rang einer Hochschule, wo ihm 1990 der Professorentitel verliehen wurde. Als hervorragender Vertreter der Forschung der Sächsischen Heimat- und Landesgeschichtsschreibung leistete Karlheinz Blaschke in jener Zeit einen wichtigen Beitrag zur Wiedergründung des Freistaates Sachsen und hielt auch die Ansprache zum Festakt zu dessen Gründung am 3. Oktober 1990 in der Albrechtsburg Meißen.

Seine wissenschaftliche Arbeit setze er bis ins hohe Alter fort. Zahlreiche Veröffentlichungen und Mitgliedschaften in wissenschaftlichen Gesellschaften machten ihn auch über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt.

Mit Karlheinz Blaschke hat das Hochstift Meißen eine herausragende Persönlichkeit verloren. 1972 wurde er in das Domkapitel Meißen berufen und zu dessen Dechanten gewählt. Er prägte in dieser Funktion bis zum Jahr 2003 maßgeblich drei bedeutsame Jahrzehnte der Geschichte der ältesten Stiftung Sachsens. Sein Todestag fällt auf den Festtag der Geburt Jesu Christi und zugleich auf den Gründungstag des Meißner Stifts vor 1052 Jahren. Zeitlebens hielt Karlheinz Blaschke am christlichen Glauben und der damit verbundenen Hoffnung fest. (SZ)

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