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Hoffen auf gesunden Wald

Nach dem massiven Fichtenschlag 2019 erhält der Meißner Stadtwald neue Bäume. Ursprünglich war dies schon im vergangenen Jahr geplant.

Katharina Kretschmar leitet die Aufforstung. Das Gelände sei zwar steil für ihre Mitarbeiter, dafür der Boden schön locker, um Löcher zu graben.
Katharina Kretschmar leitet die Aufforstung. Das Gelände sei zwar steil für ihre Mitarbeiter, dafür der Boden schön locker, um Löcher zu graben. © Claudia Hübschmann

Meißen. Ein Spaziergang durch den Meißner Stadtwald bringt Erholung, wenn es nicht gerade regnet. Dann ist es kalt und windig. Vom Abenteuerspielplatz kommend, führt der Weg durch den Stadtwald bergauf. Auf den steilen Hügeln links und rechts liegen durchnässte Laubblätter. Vereinzelt stapeln sich umgefallene Bäume wie Mikado-Stäbe auf dem Hang. Denn Stürme sind in der Vergangenheit immer wieder durch den Forst gerauscht, und sie haben Spuren hinterlassen. Genauso wie der Borkenkäfer. Deswegen mussten 2019 unzählige Fichten gerodet werden. Jetzt wurden innerhalb von drei Tagen 7.000 Jungbäume gepflanzt.

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Das nasskalte Wetter sei optimal dafür, sagt Katharina Kretschmar am Donnerstag. "Wir sind immer froh über einstellige Temperaturen." Sie leitet die Aufforstung im Namen der Forstbaumschule P & P aus Großthiemig und hoffe in den nächsten Wochen, auf ausreichend Regen. Die vergangenen Jahre waren besonders heiß und trocken. Dadurch ist der Boden auch in tieferen Schichten ausgedorrt. Die Bäume müssen deswegen aber nicht bewässert werden. Das wäre wenig hilfreich und nicht üblich in der Waldbewirtschaftung.

Der Drahtzaun schützt die Jungpflanzen vor Rehwild, das gern die Knospen frisst.
Der Drahtzaun schützt die Jungpflanzen vor Rehwild, das gern die Knospen frisst. © Claudia Hübschmann

Durch eine künstliche Bewässerung würden vor allem die oberen Wurzeln gestärkt. "Damit die Bäume aber ordentlich anwachsen, brauchen sie das Wasser von weiter unten", erklärt der Revierleiter Thomas Nikol. Zum Pressetermin trägt er einen dunkelgrünen Pullover, den wohl jeder Förster des Sachsenforsts trägt. Außerdem sind die 7.000 Bäume dicht im Abstand von einem Meter gepflanzt. Man rechne damit, dass es einige Bäume nicht schaffen werden. Genügend aber schon.

Auf 1,4 Hektar des insgesamt etwa 94 Hektar großen Meißner Waldes soll ein Mischwald entstehen. Gepflanzt werden dafür 4.900 Traubeneichen, 700 Vogelkirschen, 350 Hainbuchen und 350 Winterlinden im Alter von ein bis zwei Jahren sowie 700 Rotbuchen im Alter von fünf Jahren. Ein Zaun schützt die Jungpflanzen vor Rehwild, das gern an den frischen Knospen knabbert.

Herbst 2019: Fichtenschlag im großen Stil

Die Bäume wurden deshalb ausgewählt, weil sie besonders widerstandsfähig wären, und die klimatischen Bedingungen am besten aushalten. Gerade die Eiche ist besonders robust und wächst am Anfang vergleichsweise schnell als Lichtbaumart. Außerdem bildet sie eine Pfahlwurzel aus, die Stürme dauerhaft überstehen kann. Zudem sei der Wald generell eher robust und naturnah, sagt Thomas Nikol. Dass noch mal so viele Bäume wie 2019 geschlagen werden müssen, das erwartet er nicht.

Im Herbst 2019 schlug man etwa 1.000 Kubikmeter Holz im Meißner Stadtwald. Schuld war neben Sturm und Trockenheit der Buchdrucker, eine Borkenkäfer-Art, die hauptsächlich Fichten befällt. Das Fällen der teilweise mehr als 120 Jahre alten Fichten war unumgänglich: Denn herabfallende Äste waren eine Gefahr für Wanderer im Stadtwald. Von einem Todeskampf des Meißner Waldes sprechen die Verantwortlichen nicht mehr.

Eine von fast 5.000 Eichen, die auf dem 1,4 Hektar großen Areal gepflanzt wurden.
Eine von fast 5.000 Eichen, die auf dem 1,4 Hektar großen Areal gepflanzt wurden. © Claudia Hübschmann

Das Problem der Trockenheit wird sich trotzdem in Zukunft weiter verschärfen. Forstwissenschaftler der TU Dresden bezeichneten es als Jahrhundertkatastrophe des deutschen Waldes. Thomas Nikol sagte zudem schon 2019, dass der Wald nur so gerettet werden kann: Es brauche eine dauerhafte Temperatur von 14 Grad und täglich ausgiebigen Landregen. So hätten sie genügend Harz produzieren können, um den Borkenkäfer abzuwehren. Weil das illusorisch war, konnten die Fichten damals den Kampf nur verlieren, und der Borkenkäfer gewann, wie in ganz Sachsen. Um seine Ausbreitung einzudämmen, mussten die Fichten gefällt werden.

Ein alte, vertrocknete Fichte steht noch am Hang. "Sie ist ein natürliches Mahnmal, was mit dem Wald passieren kann." Von ihr gehe aber keine Gefahr aus, sie diene vielmehr als Habitat zum Beispiel für nützliche Insekten. Ähnlich sieht es bei der Buche am Wegesrand aus, die keine Krone mehr besitzt und vermutlich bald stirbt. "Die beobachten wir und greifen notfalls ein, wenn es nötig ist."

Ein Wald für die kommenden Generationen

Welche Baumarten letztlich in den Wald durften, stimmte der Revierförster Thomas Nikol mit der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises ab. Denn der Stadtwald ist geschützt nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH). Deshalb fördert das Sächsische Staatsministerium auch die Aufforstung in Meißen aus dem europäischen Landwirtschaftsfonds. Und zwar mit 75 Prozent. Den übrigen Teil bezahlt die Stadt Meißen. Insgesamt kostet das Einpflanzen etwa 10.000 Euro, wie Thomas Nikol beim Termin informiert.

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Geplant war ursprünglich, den Stadtwald schon 2020 im Frühjahr aufzuforsten. Allerdings hat die Erstellung des Förderantrags länger als gedacht gebraucht, gibt der Förster an. Wichtig sei aber nun, dass die Neupflanzungen für einen gesunden Wald sorgen werden. Denn: "Damit legen wir den Grundstein, dass unsere Enkel diesen noch genießen können", sagt Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos). Bis die Bäume also hoch genug gewachsen sind, dass man wieder von einem Wald sprechen kann, dauert es noch mindestens eine Generation.

Revierförster Thomas Nikol (von links) und OB Olaf Raschke (parteilos): Beide wünschen sich einen gesunden Wald für die Zukunft.
Revierförster Thomas Nikol (von links) und OB Olaf Raschke (parteilos): Beide wünschen sich einen gesunden Wald für die Zukunft. © Claudia Hübschmann

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