merken
Meißen.Lokal

Verliebt in Haarspitzen

Am 15.07.2021 feiert die „murmel creation“ in Meißen ihr 10-jähriges Bestehen. Meißen.lokal gratuliert mit einem Portrait.

Inhaberin Anja "Murmel" Birndt
Inhaberin Anja "Murmel" Birndt © Foto: Christiane Weikert

Man nimmt fast allgemein an, das einem das „Friseur-Gen“ in die Wiege gelegt wird, wenn man später diesen Beruf ergreift. Anders ist das bei Anja Birndt oder wie sie eigentlich jeder nennt und kennt: „Murmel“, Inhaberin der „murmel creation“ Meißen.

Barbiepuppen fand ich als Kind doof

„In meiner Kindheit hatte ich mit Barbiepuppen überhaupt nichts am Hut und keinerlei Ambitionen, denen die Haare zuschneiden, abzurasieren oder Flechtfrisuren anzulegen. Ich habe mit Matchboxautos und Indianern gespielt“ lacht Murmel. „Ich mochte einfach nur den Geruch, wenn man an einem Friseursalon vorbeikam. Dann habe ich immer die Nase in den Wind gehalten und einfach nur den Duft nach Haarwäsche inhaliert.“

So reifte in Murmel, einer geborenen Dresdnerin, der Entschluss: Ich will Friseur werden. Auf dem Weißen Hirsch in Dresden wurde der passende Salon gefunden, die Lehre erfolgreich abgeschlossen. Von nun an stand der Kreativität nichts mehr im Wege. Entfalten konnte Murmel die Lust am Haar in einer neuen Filiale, die Sie sofort nach dem Lehrabschluss übernahm.

„Aber so auf dem Dorf, wo sich diese Filiale befand, war ich etwas beengt in dieser Kreativität. Ich wollte eher raus, rein in die Stadt und wollte meinen Erfahrungsschatz erweitern. 2008 habe ich mich dann mit einem „mobilen Friseurservice“ selbstständig gemacht und hatte richtig gut zu tun. Aber das herum fahren war auf Dauer auch nicht so schön.“

Beständigkeit muß her. Von 2010 bis 2011 führte Murmel für eine Friseurkette einen Salon als Geschäftsführerin in Meißen.

„Ich habe mich sofort in Meißen verliebt, in die Stadt und in die Leute. Hier sind die Leute persönlicher, irgendwie netter als die Großstädter. Ich meine das auch gar nicht negativ, aber mir liegt es eher, wenn die Kunden nicht so abgeklärt und verschlossen sind sind.“

Um alle ihre Pläne, die sie im Kopf hatte umzusetzen, kam für Sie nur ein eigener Salon in Frage.

Jetzt lassen wir es richtig krachen

„Ich hatte eher was Verrücktes im Kopf. Bisher hatte ich meisten noch Chefs, nach denen ich mich richten musste. Auch als Filialist, wenn auch als Geschäftsführer eines eigenen Salons, sind einem manchmal auch die Hände gebunden,“ erzählt Murmel weiter. „Ja, und so sind wir auf Namensfindung gegangen. „Salon Anja“ hätte definitiv nicht zu mir gepasst und hätte das auch nicht ausgedrückt, was ich umsetzen möchte. Mit meinem Freund habe ich dann damals ein Brainstorming gemacht und nach 2 Gläsern Wein kam dann der zündende Gedanke nach einem typisch sächsischen Ausspruch von einem Kunden: Können Sie mir mal die Murmel schneiden?

Als ich dann mein Konzept bei der Bank eingereicht habe, stand da in großen Buchstaben: „murmel creation“ Meißen. Mein Banker fand die Idee toll und so bin ich dann zu diesem und meinem Namen gekommen. Murmel“. Jetzt grinst sie über das ganze Gesicht. „Der war Anfang gemacht.“

Die „murmel creation“ entsteht

2011 ging der Friseursalon in der Elbstraße an den Start. Dann erfolgte ein Umzug in die Neugasse und da gab es erstmal nasse Füße. Das Hochwasser von 2013 verschonte auch den Murmel-Salon nicht und die Haarkreativität fiel vorerst ins Wasser.

„Mein damaliger Vermieter war nicht der Schnellste um die Flutschäden im Laden zu beheben. Das war für mich sehr ärgerlich. Aber wo Schatten ist, ist auch Licht und so kam das Angebot von einem Meißner Vermieter, welcher mir einen Laden auf der Neugasse 13 anbot.“

So und hier feiert die „murmel creation“ ihr 10-jähriges Bestehen.

Meißen.lokal fragt:

„Wie setzt sich eigentlich eure Kundschaft zusammen?

Lacht. „Naja, wenn ich Salon Uschi heißen würde, wäre der Zulauf vielleicht ein anderer. Bei uns landen alle Verrückten und das finden wir, meine Murmelmädels und ich, toll. So habe ich mir das vorgestellt, man kann seine Kreativität voll umsetzen und jeder wird herzlich bedient von 3 – 100 Jahren. Das Alter spielt überhaupt keine Rolle. Für die Kleinen haben wir jetzt auch einen Raum eingerichtet, dass Sie während des Harrschnittes Trickfilme schauen können. Die Eltern sind uns dafür unendlich dankbar.“

„Wird jeder Kundenwunsch erfüllt?“

„Im Grunde genommen ja mit kleinen Ausnahmen. Die Kundensicherheit steht für uns an erster Stelle. Darum färben wir bei Minderjährigen z.B. keine Haare, erst wenn Sie 16 Jahre alt sind. Es kann dann auch schon mal vorkommen, dass wir die Eltern telefonisch kontaktieren, wenn ein kleiner junger Mann sich einen „Iro“ (Irokesenhaarschnitt) schneiden lassen will. Das gäbe ein böses Erwachen am Abendbrottisch zu Hause. Oder wenn der Wunsch käme, sich schwarze Haare in weißblond färben zu lassen. Da ist die Katastrophe doch vorprogrammiert, dass das die Haare dermassen schädigt, dass man beim Abspülen der Farbe dann auch alle Haare im Waschbecken hat.“

„Ist der Friseur der bessere Psychologe?“

„Das ist doch eigentlich das schönste an diesem Beruf. Teilweise wird man schon Teil der Familie. Man braucht sehr viel Feingefühl und Sensibilität. Und natürlich sind wir diskret. Alle Geschichten bleiben dort, wo sie erzählt werden. Man lebt fast das Leben mit und ist immer live dabei.“

Seit 2020 ist Murmel sehr glücklich verheiratet. Ihr Mann Lars, arbeitet mittlerweile auch schon im Salon und kümmert sich als „Der Mann im Hintergrund“ und angehender Geschäftsführer um sämtliche Belange der „murmel creation“, nimmt Termine entgegen, erstellt Bestellungen, kümmert sich um handwerkliche Reparaturen und hält den Hühnerhaufen zusammen.

„Ich bin sehr stolz darauf, Teil vom Team zu sein. Wir haben im Laden auch einiges umgestellt. Wir achten sehr auf ökologische Produkte. Wir verzichten immer mehr auf Plastikflaschen. Bei unserem Hersteller gibt es die Pflegeprodukte in Verpackungen aus Zuckerrohr. In nächster Zukunft denken wir auch über einen Ausbau des Salons nach. Die Nachfrage ist groß und wir wollen mehr Kunden bedienen können. Vielleicht wird’s ja mal eine „murmelkette“, lacht er. „Außerdem bin ich auch dafür zuständig, dass unser Bestellsystem funktioniert. Die Kunden können bei uns online Termine buchen und bekommen danach sofort eine Bestätigung. Ich füttere die Socialmedia-Kanäle mit Neuigkeiten von uns und bin immer ein aufmerksamer Zuhörer meiner Frau. Auch das gehört einfach dazu“ und schaut seine Frau liebevoll an.

Das letzte Wort hat Murmel

„Mein liebes Murmelteam. Ich bin nichts ohne Euch und ohne Eure Unterstützung. Wir alle sind die „murmel creation“ und heute werden wir 10 Jahre alt. Einfach mal: DANKE.

Wir danken Dir, Murmel. Du machst Meißen etwas verrückter schön!

Mehr zum Thema Meißen.Lokal