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Muss Zentendorf um den östlichsten Punkt fürchten?

Deutschland wird jetzt genau vermessen. Der Kreis ist mit zwei Punkten in Niesky und Leuba dabei. Welche Auswirkungen das hat, steht erst in einigen Monaten fest.

Messtruppführer Michael Natusch richtet die Geräte am Grundnetzpunkt zwischen Niesky und Ödernitz ein. Bis Mitte Juli läuft die bundesweit bisher exakteste Vermessung des gesamten Landes.
Messtruppführer Michael Natusch richtet die Geräte am Grundnetzpunkt zwischen Niesky und Ödernitz ein. Bis Mitte Juli läuft die bundesweit bisher exakteste Vermessung des gesamten Landes. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Wer bisher den östlichsten Punkt Deutschlands suchte, wurde in der Gemeinde Neißeaue fündig. Genau dort, wo die Neiße zwischen Deschka und Zentendorf einen Bogen macht. Doch bleibt das auch so? Eine spektakuläre Neuvermessung des gesamten Bundesgebietes wird darüber Aufschluss geben.

Zweimal 24 Stunden dauert die Mission, die der aus Brandenburg stammende Messtrupp unter Leitung von Michael Natusch auf einem Stück Freiland zwischen Niesky und Ödernitz zu erledigen hat. Die Experten gehören zu jenen 35 hochmodern ausgerüsteten Vermessungstrupps, die auf Veranlassung des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie (BKG) noch bis zum 15. Juli überall in Deutschland unterwegs sind. Sie sollen überprüfen, ob das sogenannte geodätische Grundnetz des Landes noch so stimmt, wie es vor 13 Jahren zum letzten Mal exakt bestimmt wurde.

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Zwei 2006 festgelegte Standorte bei Niesky und Leuba gehören zu jenen 16 Punkten, die der Freistaat Sachsen zum 250 Punkte umfassenden bundesweiten Grundnetz beisteuert. Durch die Vermessungsaktion sind präzise Ortsbestimmungen im Millimeterbereich möglich - Voraussetzung für Anforderungen aus Wirtschaft, Forschung und Verwaltung. Anwendungsbereiche sind zum Beispiel autonomes Fahren, Hochwasserschutz und die Erfoschung des Klimawandels. Die Daten werden aber auch gebraucht, um Veränderungen der Erdoberfläche festzustellen - beispielsweise durch Straßen- oder Bergbau.

Kernstück der Technik des Brandenburger Trupps, der seine erste Messung in der vergangenen Woche von Freitag bis Sonnabend, jeweils 12 Uhr, durchführte, ist die superempfindliche Antenne. Mit ihr werden die Signale von drei Satellitennavigationssystemen empfangen - nicht nur des hierzulande üblichen amerikanischen GPS, sondern auch des europäischen Systems Galileo und des russischen Systems Glonass. "Dadurch werden unsere Messergebnisse viel genauer", erklärt Martin Köhr, der im Sächsischen Regionalministerium das Referat Geodätischer Raumbezug leitet und Verantwortlicher des Freistaates für die aktuelle Vermessung ist. Bisherige Daten habe man nur mit dem GPS erzielt.

Von Sonntag bis Montag, jeweils 10 Uhr, waren die Vermesser nördlich von Ödernitz zum zweiten Mal aktiv. "Der Folgetermin ist notwendig, um eventuelle Fehler auszuschließen. Und um zu prüfen, ob der Standort in Bewegung ist", begründet Köhr. Denn wenn er das wäre, müsste man untersuchen, ob zum Beispiel der Klimawandel, der Bergbau in der Lausitz oder die Bodenfeuchte dafür infrage kämen.

Davon auszugehen ist jedoch nicht. Der Dresdner Fachmann glaubt vielmehr, dass der Nieskyer Grundnetzpunkt eine Konstante im geodätischen System bleiben wird. Und damit auch keine Gefahr für die Gemeinde Neißeaue besteht, den östlichsten Punkt Deutschlands vielleicht an Brandenburg zu verlieren. Martin Köhr schmunzelt: "Der östlichste Punkt bleibt dort, wo er ist." Durch die supergenaue Vermessung sei eine veränderte Lage im Millimeterbereich zwar möglich. "Aber es ist nicht davon auszugehen."

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