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So digitalisiert eine kleine Stadt ihre Schule

Unterricht nicht mehr im 45-Minuten-Takt, Lehrbücher im Tablet und individuelle Förderung: Was die neue Technik Dohnaer Schülern bringt.

Spaß mit dem Tablet - und das nicht beim Spielen, sondern Lernen - haben Conan, Saskia und Jayden (v.l.) aus der 6b der Oberschule Dohna.
Spaß mit dem Tablet - und das nicht beim Spielen, sondern Lernen - haben Conan, Saskia und Jayden (v.l.) aus der 6b der Oberschule Dohna. © Norbert Millauer

Als Saskia und Jayden vor einem Jahr als Fünftklässer in die Dohnaer Oberschule kamen, kam zu dem vielen Neuen noch etwas ganz Neues dazu: Sie starteten in den  ersten Tablet-Klassen. Wenn Jayden das heute Gleichaltrigen aus anderen Schulen erzählt, sind die "entsetzt und wundern sich", sagt er. Für Jayden und Saskia ist das Tablet so normal wie ein Heft, ein Füller und ein richtiges Buch und ersetzen sie doch nicht. Was in den 90er-Jahren Computerkabinette waren, sind heute Tablet-Klassen. Die Tablets sind die Technik. Die allein ändert das Lernen nicht, sagt Schulleiterin Antje Ambos. Sie sind  Mittel zum Zweck. Wie sieht das konkret aus, wie funktioniert es und wie sieht die Zukunft aus?

Wie Technik und Inklusion zusammenpassen

Für die Eltern bedeutet es erst einmal, selbst in die Tasche zu greifen, um die Tablets zu bezahlen. Nur vier Tablets in den fünften und sechsten Klassen sind Leihgeräte, sagt Antje Ambos. Viel wichtiger ist, dass die Tablets individuelles Lernen ermöglichen. Das heißt, jeder Schüler bekommt seine Aufgaben - aufs Tablet. Für die Lehrer bedeutet das mehr Arbeit, aber er spart sich auch das Kopieren von Arbeitsblättern. Trotz der  Individualität gibt es für die Schüler letztlich keine Unterschiede. Das klingt auf den ersten Blick nach Widerspruch. Doch es ist im Kern das, was die Dohnaer Schule will - auch in Sachen Inklusion. Nicht Unterschiede machen, sondern jeden fördern. Und wenn alle mit der gleichen Technik arbeiten und  doch ihre speziellen Aufgaben erhalten, ist das ein entscheidender Schritt.

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Der 45 Minuten-Unterricht wird in der Dohnaer Schule schon lange oft aufgelöst. An seine Stelle treten fächerübergreifende Projekte, Blockunterricht und zum Beispiel das Lernbüro. Das ist gewissermaßen die hohe Schule der Individualität. Hier können die Schüler für die Fächer Mathematik, Deutsch und Englisch auf sie zugeschnittene Aufgaben abrufen. Sie teilen sich in einen Pflicht- und einen Wahlbereich. 

Saskia und Jayden sind inzwischen Profis im Umgang mit den Tablets und wissen auch, was sie stört. Zum Beispiel zu viele Apps auf dem Tablet und das Problem, wenn sie den Passwortzettel vergessen haben. Im Gegensatz zu vielen Befürchtungen, spielen sie nicht mehr und nicht weniger als vorher mit bzw. auf dem Gerät, legen es auch mal in die Ecke und nehmen ein "richtiges" Buch in die Hand. 

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In Dohna wird nun jedes Jahr die fünfte Klasse mit Tablets starten. Umso mehr Geräte dazu kommen, umso größer die Herausforderungen an die Lehrer und die Technik. Die Lehrer bilden sich selbst und gegenseitig weiter. Für die Technik ist Thomas Knapp zuständig. Als er vor vier Jahren an die Dohnaer Schule kam, staunte er. In jedem  Zimmer waren die notwendigen Anschlüsse vorhanden. Inzwischen habe die Dohnaer Oberschule ein Luxusproblem, sagt er. "Alles, was der Digitalpakt fördert, haben wir schon", sagt er. Um den Vorsprung nicht einzubüßen, kauft die Stadt weitere Tablets und stattet die Schule so mit WLAN aus, dass künftig  500 Geräte parallel genutzt werden können. Zur weiteren Ausstattung gehören auch entsprechende Anzeigegeräte. 

Die Zeit der interaktiven Tafeln, die anderenorts erst angeschafft werden, ist in Dohna schon wieder vorbei. "Dohna ist sachsenweit ganz weit vorn", sagt Knapp. Er kann das einschätzen, da er im medienpädagogischen Zentrum Meißen den Überblick hat. Dohna hat sich zum Vorreiter der Digitalisierung in Sachsen gemacht und gehört zu einer der drei Modellschulen, die digitale Medien, Informatik und digitale Technologien fördern. 

Für Saskia und Jayden ist das alles nichts Besonderes. Sie sind die Generation, die mit den Tablets aufgewachsen ist und für die sie zum Alltag gehören. Antje Ambos kann sich an bisher keinen Schüler erinnern, der mit den Geräten nicht umgehen könnte. "Unsere Aufgabe als Lehrer ist es, die Technik zur Vermittlung von Lernkompetenz zu nutzen." Auswendig lernen war gestern, heute kommt es auf komplexes Denken an. 

So beurteilen die Eltern die Situation

Beim Familienkompass konnten die Dohnaer und Müglitztaler nicht nur Schulen und Kinderbetreuung, sondern auch Wohnsituation, Mobilität, Job-Perspektiven und noch mehr bewerten. Aufgrund der wenigen Antworten Müglitztaler Eltern sind diese in die Dohnaer eingeflossen. Mit der 2,92 liegen beide Orte etwas unter dem sächsischen Schnitt. Die am schlechtesten eingeschätzten Punkte öffentlicher Verkehr und Schulvielfalt treffen auf beide zu. Müglitztal ist froh, dass es die Grundschule überhaupt noch hat. In Dohna gibt es die Grund- und die Oberschule. 

Mit dem Gymnasium in Heidenau ist auch diese Schulform für Müglitztal und Dohna erreichbar. Das Schulessen war vor allem in Mühlbach immer wieder kritisiert worden, was sich auch in der Bewertung widerspiegelt. Die gute Note in Sachen keine Mobbing- und Gewaltprobleme kann auf das Engagement der Dohnaer Schule mit einem bundesweiten Projekt zurückgeführt werden.

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